Ölpreise: Wie günstig wird nun das Tanken?

  • Am internationalen Ölmarkt spielen die Preise für Rohöl verrückt.
  • Der Preis für die US-Ölsorte WTI ist erstmals in seiner langen Geschichte ins negative Terrain gerutscht.
  • Können Autofahrer und Heizöl-Käufer am Ende davon profitieren?
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Stuttgart. Die Ölpreise sind zum Wochenauftakt kräftig gefallen. Besonders heftig traf es das US-Rohöl. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) texanisches Leichtöl (WTI) zur Lieferung im Mai kaum mehr als 10 US-Dollar und damit so wenig wie seit dem Jahr 1986 nicht mehr. Das waren gut acht Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Juni-Lieferung fiel dagegen wesentlich schwächer um 1,68 Dollar auf 26,57 Dollar.

Ölangebot und Ölnachfrage klaffen derzeit stark auseinander. Was dann passiert, hat man am Montag gesehen – einen historischen Crash bei der Öl-Futures. Der Richtwert für im Mai zu lieferndes amerikanisches WTI-Öl fiel am Montag auf minus 37,63 Dollar pro Barrel.

Kein Rohstoff-Händler wollte kaufen

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Das heißt, der Abnehmer bekam vom Lieferanten Geld dafür, dass er ihm das Öl abnimmt. Das hatte aber vor allem technische Gründe. An der US-Rohstoffbörse Nymex werden sogenannte Öl-Futures (Terminkontrakte auf Rohöllieferungen) gehandelt. Doch an der Börse war am Montag kein Händler bereit, Öl zu kaufen, zu einem bestimmten Stichtag. In diesem Fall der Mai-Future für WTI-Öl, der am Dienstag ausläuft.

Dieser Mai-Future verpflichtet die Inhaber des Kontraktes eben zum Stichtag Anfang Mai eine bestimmte Menge WTI-Öl abzunehmen. Da aber die Öl-Lager wegen des geringen Ölverbrauchs in der Coronavirus-Pandemie kaum noch Nachschub fassen können, wollte gestern keiner kaufen.

Investoren haben sich verspekuliert

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Dazu muss man wissen, dass am Finanzmarkt jedoch viele Investoren mit solchen Öl-Kontrakten handeln, ohne dabei auch nur einen Augenblick Interesse an einer realen Lieferung zu haben. Entsprechend ersetzen sie alte Kontrakte kurzfristig durch neue. Exakt dieses Spiel hat am Montag nicht geklappt.

Eine zu große Zahl von Investoren saßen am Ende auf ihren Mai-Futures für WTI-Öl und fanden keinen Käufer für ihre Papiere. Aus gutem Grund: In drei Wochen gebe es keinen Platz mehr in den Tanks, sagte Chris Midgley, Analystik-Chef des Preisinformationsdienstes S&P Global Platts.

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Heißt das nun, dass ich als Verbraucher in den kommenden Tagen und Wochen mit massiven Preissenkungen an der Tankstelle und beim Kauf von Heizöl für meinen Haustank rechnen kann? Wohl kaum.

Neuer Öl-Kontrakt, neues Spiel

Denn nur weil ein Terminkontrakt für WTI-Öl an der Börse einen negativen Referenzpreis aufweist, bedeutet das nicht, dass der reale Ölpreis wirklich null Dollar beträgt. Das Ereignis vom Montag wird erst zunächst einmalig bleiben, denn der Mai-Kontrakt läuft am Dienstag aus und der Referenzpreis für die Sorte WTI wird der nächste Kontrakt, der Juni-Kontrakt.

Das heißt technisch wird der Preis zur Wochenmitte von aktuell minus 4 Dollar auf mehr als plus 20 Dollar klettern. Schon am Montag war der Juni-Kontrakt um ein Vielfaches mehr gehandelt worden als der auslaufende Mai-Kontrakt. In wie weit wir in den kommenden Wochen das gleiche Spiel mit dem Juni- und dem Juli-Kontrakt sehen werden, bleibt abzuwarten.

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Der Crash der Öl-Futures wird daher in erster Linie Investoren – und somit auch Privatanleger getroffen haben, die mit Finanzprodukten wie Zertifikaten und Optionsscheinen sowie Exchange Traded Commodities (ETCs) auf steigende Ölpreise spekuliert haben.

Tanken ist seit Wochen günstig

An der Tankstelle wiederum werden Autofahrer sich aktuell über niedrige Spritpreise freuen dürfen, auch wenn es derzeit deutliche Schwankungen zwischen den einzelnen Tankstellen gibt. Das hat aber nichts mit dem aktuellen Crash zu tun.

Laut dem ADAC ist Tanken im bundesweiten Durchschnitt bereits die achte Woche in Folge billiger geworden. Laut aktueller Auswertung des Clubs müssen Autofahrer für einen Liter Super E10 im Bundesmittel 1,181 Euro bezahlen, Diesel verbilligte sich auf durchschnittlich 1,096 Euro je Liter.

Die Kraftstoffpreise reagieren aber nicht nur auf die deutlich gesunkenen Rohölnotierungen, sondern auch auf die angesichts der Corona-Beschränkungen rückläufige Sprit-Nachfrage. Damit sorgt der Wettbewerbsdruck für ein derzeit angemessenes Preisniveau an den Tankstellen.

Autofahrer sollten weiter Preise vergleichen

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Auf der anderen Seite geben augenscheinlich die Mineralölkonzerne die jüngsten Preissenkungen beim Rohöl nicht sofort und nicht vollständig an die Autofahrer weiter. Denn während die Rohöl-Preise ein absolutes Rekordniveau erreicht haben, sind die Preise an der Tankstelle noch nicht auf ihre absoluten Niedrigniveaus gefallen.

Für Autofahrer heißt es daher nach wie vor: Preise vergleichen und am Abend am besten Tanken. So tankt man nach einer aktuellen Auswertung des ADAC in der Regel am günstigsten zwischen 18 und 22 Uhr.

Moderate Preise beim Heizöl

Am Markt für Heizöl schauen die Deutschen derweil etwas in die Röhre. Wer meint, die niedrigen Rohöl-Preise spiegeln sich im Augenblick auch bei den Preisen für Heizöl wider, wird enttäuscht. Die nationalen Heizölpreise in Deutschland entwickeln sich weiterhin konträr zum internationalen Ölmarkt. Das hat aber auch mit der Corona-Krise zu tun.

Denn deutschlandweit haben die Heizölhändler mit großen Logistik-Engpässen zu kämpfen – sowohl wegen Personalausfällen aber auch wegen der allgemein erschwerten Bedingungen, welche die Pandemie mit sich bringt. Laut Experten ist es daher vielerorts möglich, dass Verbraucher, die heute Heizöl bestellen, dieses erst in zwei oder drei Monaten durch ihren Händler geliefert bekommen.

RND

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