Güterzug statt Lkw? Vielen Unternehmen fehlt der Gleisanschluss

  • Um mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, sind mehr Gleisanschlüsse für Betriebe dringend nötig.
  • Doch die Zahl der Anbindungen wächst nicht etwa, sie sinkt.
  • Das Ziel der Bundesregierung, den Marktanteil der Bahn im Güterverkehr auf ein Viertel zu steigern, gerät in weite Ferne.
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Frankfurt. Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene kommt nicht voran. In den vergangenen elf Jahren verzeichnete die Bundesregierung gerade einmal 31 neue und 28 reaktivierte Gleisanschlüsse für Unternehmen. Das geht aus einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Laut Bundesregierung gab es Ende vorigen Jahres noch insgesamt 2307 aktive Gleisanschlüsse. Die Tendenz ist damit seit Jahren rückläufig. Vor der Bahnreform im Jahr 1994 waren es noch mehr als 11.000 Anschlüsse gewesen. Rund 80 Prozent wurden also aufgegeben.

Die direkte Anbindung von Betrieben an das Schienennetz gilt als maßgeblicher Faktor, um mehr Güter umwelt- und klimafreundlich mit der Eisenbahn zu transportieren. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Marktanteil der Bahnen am Güterverkehr bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern. Aktuell sind es rund 19 Prozent.

Matthias Gastel, Bahnexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, spricht von einer enttäuschenden Bilanz. „Diese lächerlich niedrigen Zahlen passen zu der auch sonst mageren verkehrspolitischen Bilanz von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Wie bei seinen Amtsvorgängern war die Forderung nach ‚mehr Verkehr auf der Schiene‘ nicht mehr als eine hohle Politphrase für Sonntagsreden, da es stets an wirksamen Maßnahmen fehlte“, sagte Gastel dem RND. Wenn ein Unter­nehmen heute Fördermittel zum Bau eines Gleisanschlusses beantragen wolle, müsse es einen wahren Papierkrieg bewältigen. „Die Förderung muss endlich radikal vereinfacht werden“, so Gastel.

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Bundesverkehrsminister Scheuer: Schienenverkehr soll ausgebaut werden
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Deutschland, Tschechien und Österreich wollen die Bahnstrecke Berlin–Wien ausbauen, damit eine Reise in fünf Stunden möglich wird.  © Reuters

Im vorigen Jahr wurden laut Bundesregierung sechs Bescheide im Rahmen der Gleisanschlussförderung erteilt. 2019 waren es elf gewesen. Die Förderung deckt nur einen Teil der Aufwendungen für Gleisanschlüsse. Die Unternehmen müssen mindestens 50 Prozent der Gesamtkosten selbst tragen. Das Bündnis Allianz pro Schiene macht immer wieder darauf aufmerksam, dass der Anschluss ans Straßennetz für Unternehmen kostenlos sei.

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Österreich und Schweiz als Vorbilder

Gastel fordert, in Gewerbegebieten mit transportintensiven Unternehmen müsse „ein Gleisanschluss so selbstverständlich werden wie die Straßenanbindung“. Es gelte die Schienenstränge zu den Betrieben als Teil der öffentlichen Infrastruktur zu betrachten und stärker als bisher zu fördern. Als Vorbilder verweist er auf Österreich und die Schweiz. Von den Nachbarn könne man lernen, „wie mit Gleisanschlüssen buchstäblich mehr bewegt werden kann“, so der Bahnexperte der Grünen. Es sei kein Zufall, dass diese Länder auch einen deutlich höheren Marktanteil im Schienengüterverkehr aufwiesen.

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Laut Allianz pro Schiene liegt er in Österreich bei 25 Prozent. In der Schweiz sind es sogar 40 Prozent. Sigrid Nikutta, Chefin der Sparte Güterverkehr bei der Deutschen Bahn, hatte in einem Interview mit dem RND gefordert, dass es kein neues Industriegebiet mehr ohne Gleisanschluss geben dürfe. „Das müsste schon in den Genehmigungsverfahren verankert werden. Das gilt auch für größere Fabriken“, sagte Nikutta.

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