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Brexit-Folgen: Militär muss in Groß­britannien bei Benzin­engpässen helfen

  • Panikkäufe an Tankstellen führen nach Angaben der britischen Regierung zu Engpässen an den Zapfsäulen.
  • Bürger sollten wieder zu ihrem normalen Kaufverhalten zurückkehren.
  • Um die Kraftstoffkrise schnell zu bewältigen, setzt man aus London nun auch das Militär ein.
1:53 min
In einigen Teilen Großbritanniens gibt es an Tankstellen keinen oder nur wenig Kraftstoff. Paul Kirby hatte Glück und konnte volltanken, allerdings erst beim neunten Anlauf und nach 1,5 Stunden Wartezeit. „Etwa die Hälfte meiner Kollegen sitzt heute zu Hause, weil sie am Wochenende nicht tanken konnten. Sie wissen nicht, wann sie wieder zur Arbeit kommen können“, sagt Kirby.  © Reuters
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London. Die Regierung in Großbritannien mobilisiert zur Bewältigung der Kraftstoffkrise das Militär. „Falls erforderlich, wird der Einsatz von Militärpersonal die Versorgungskette vorübergehend mit zusätzlichen Kapazitäten unterstützen, um den Druck zu lindern, der durch die erhöhte Nachfrage nach Kraftstoff entsteht“, teilte Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng am späten Montagabend mit. Eine begrenzte Anzahl von militärischen Tankwagenfahrern sei bereits in Bereitschaft versetzt.

Wegen Panikkäufen waren in einigen Landesteilen nach Angaben des Branchenverbands PRA bis zu 90 Prozent der Zapfsäulen trocken geblieben. Grund für den Mangel an Benzin und Diesel sind fehlende Lkw-Fahrer und Lkw-Fahrerinnen, was die Lieferkette von den Kraftstoffunternehmen zu den Tankstellen behindert. Schätzungen zufolge fehlen landesweit bis zu 100.000 Fahrer und Fahrerinnen. Viele waren nach dem Brexit auf den europäischen Kontinent zurückgekehrt. Zudem behinderte die Corona-Pandemie Ausbildung und Prüfungen neuer Fahrerinnen und Fahrer.

London fordert Bürger auf, Panikkäufe zu beenden

Die konservative Regierung in London betonte zu Wochenbeginn erneut, es gebe keinen Mangel an Kraftstoff. Alle Bürgerinnen und Bürger müssten nur damit aufhören, Panikkäufe zu machen, und wieder nur so viel tanken, wie sie bräuchten. Dann werde sich die Lage wieder beruhigen, hieß es aus der Downing Street. Ähnlich dann auch der Appell aus der Ölbranche: „Wir rufen alle dazu auf, Kraftstoff so zu kaufen, wie sie es normalerweise machen würden“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von BP, Esso, Shell und anderen Firmen. Es gebe genug Kraftstoff.

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Nach Einschätzung der Branche wird der Druck nachlassen, weil bereits viele Autos mit mehr Kraftstoff als üblich versorgt seien.

Briten bekommen Brexit-Folgen zu spüren

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Der ehemalige EU-Chefunterhändler in den Brexit-Gesprächen, Michel Barnier, sieht einen Zusammenhang zwischen der Kraftstoffkrise in Großbritannien und dem Austritt des Landes aus dem europäischen Binnenmarkt.

Darauf angesprochen, sagte der Franzose der BBC am Montagabend: „Unser wichtigstes Kapital ist der Binnenmarkt und elementarer Teil davon ist die Arbeitnehmer­freizügigkeit“. Großbritannien müsse nun den Konsequenzen des EU-Austritts ins Auge sehen. Es sei eine „unfassbare Entscheidung“ gewesen, den Binnenmarkt zu verlassen, so Barnier weiter.

RND/Reuters

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