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  • Griechenland: VW-Pilotprojekt - Ägäisinsel Astypalea ersetzt alle Verbrenner mit E-Autos

Mit Hilfe von VW: Ägäisinsel ersetzt alle Verbrenner durch E-Autos

  • Auf Astypalea wollen die griechische Regierung und der VW-Konzern ein Konzept zur ganzheitlichen klimaneutralen Elektromobilität umsetzen.
  • VW-Chef Herbert Diess übergab die ersten vier Elektro-Fahrzeuge der Typen ID.3 und ID.4.
  • Ziel des Pilotprojekts ist ein weitgehend emissionsfreier Verkehr.
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Athen. Touristen bewundern auf Astypalea den malerischen Hafen, weißgetünchte Würfelhäuser und eine venezianische Festung, die alles überragt. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, sieht etwas anderes. Für ihn ist die idyllische Ägäisinsel „ein Zukunftslabor für die Dekarbonisierung in Europa“.

In einem Pilotprojekt will VW gemeinsam mit der griechischen Regierung in den nächsten fünf Jahren Astypalea zu einer smarten, nachhaltigen Insel umbauen. „Wir erforschen hier in Echtzeit, was die Menschen zum Umstieg auf die E-Mobilität bewegt und welche Anreize es für den Übergang zu einem nachhaltigen Lebensstil braucht“, sagte Diess am Mittwochabend beim offiziellen Start des Projekts.

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Etwa 1300 Menschen leben auf Astypalea. Das 96 Quadratkilometer große Eiland in der südlichen Ägäis gehört zur Dodekanes-Inselgruppe um Rhodos. Auf den Straßen von Astypalea verkehren rund 1500 Kraftfahrzeuge, davon ein Drittel Autos und zwei Drittel Zweiräder – alles Verbrenner.

Elektrofahrzeuge sollen gesamten Fahrzeugbestand ersetzen

Jetzt soll der gesamte Fahrzeugbestand der Insel durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Zugleich entsteht ein flächendeckendes Netzwerk aus privaten und öffentlichen Ladestationen. Die ersten zwölf Ladesäulen stehen bereits. Betrieben werden die Fahrzeuge mit Ökostrom aus örtlichen Solarkraftwerken und Windturbinen.

Heute bezieht die Insel ihre Elektrizität noch aus vier Schweröl-Generatoren. Sie produzieren nicht nur Strom, sondern auch fast 5000 Tonnen CO2 pro Jahr. Ziel des Projekts ist es, die CO2-Emissionen der Insel bis 2026 um 80 Prozent und die Energiekosten um 30 Prozent zu senken.

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Astypalea ist als die Schmetterlingsinsel bekannt

Zum offiziellen Start kam Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis nach Astypalea. Er erinnerte in seiner Rede daran, dass Astypalea als die Schmetterlingsinsel bekannt ist. Ihr Umriss, wie er auf Satellitenaufnahmen und Landkarten zu sehen ist, gleicht einem Falter. Der Schmetterling, das sei ein gutes Bild für die Verwundbarkeit des vom Klimawandel bedrohten Planeten. „Wir haben keine Zeit, wir müssen schnell handeln“, mahnte der Premier.

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VW-Chef Diess übergab die ersten vier Elektro-Fahrzeuge der Typen ID.3 und ID.4. Sie werden bei örtlichen Behörden eingesetzt. Der Verkauf von VW-Elektroautos an private Halter startet Ende Juni.

Staat fördert Umstieg großzügig

Der Staat fördert den Umstieg mit großzügigen Anreizen: Der Kauf von Elektroautos wird auf Astypalea mit 40 Prozent und bis zu 12 000 Euro bezuschusst, E-Taxis mit 15 000 Euro. Das ist das Doppelte dessen, was es in Griechenland generell an Förderung für E-Mobile gibt.

Die vier griechischen Geschäftsbanken finanzieren den verbleibenden Kaufpreis. Außerdem bekommen die Einwohner von Astypalea, die ihren Verbrenner aus dem Verkehr ziehen, 3000 Euro Abwrackprämie, Taxibesitzer sogar 4500 Euro.

Car Sharing und Ride Sharing-Dienste sind Teil des Mobilitätskonzept

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Das Mobilitätskonzept für Astypalea steht auf vier Säulen. Neben dem Austausch der Verbrenner gegen Elektrofahrzeuge und der Umstellung der örtlichen Stromversorgung auf erneuerbare Energiequellen gehören dazu als drittes Element Car Sharing und Ride Sharing-Dienste, die den öffentlichen Nahverkehr auf der Insel modernisieren sollen.

So sollen die beiden betagten Linienbusse, die bisher nur wenige Gegenden der Insel ansteuern, durch elektrische Shuttlebusse ersetzt werden, die 24 Stunden am Tag nach Bedarf alle Orte anfahren.

Das geplante intelligente Car Sharing-System für Autos und Zweiräder soll Ressourcen schonen und dafür sorgen, dass die Fahrzeuge möglichst effizient genutzt werden. Die Planer hoffen damit die Flotte von jetzt 1500 Fahrzeugen auf unter 1000 reduzieren zu können. Die vierte Säule des Projekts sind Feldversuche zum autonomen Fahren. Dazu muss allerdings erst einmal das 70 Kilometer lange Straßennetz der Insel saniert werden.

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