Goldige Zeiten: Was taugt der “sichere Hafen” für Anleger wirklich?

  • Geht es in der Wirtschaft bergab, steigt meist der Goldpreis – doch zuletzt fiel er stattdessen.
  • Langfristig dürfte es aber wieder bergauf gehen – weshalb sich die Wertanlage nun lohnen könnte.
  • Wären da nicht die Probleme der Goldproduzenten und weltweite Lieferschwierigkeiten.
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Es ist ein sicheres Zeichen für eine bevorstehende Krise: Als vor zwei Wochen die Geschäfte noch geöffnet hatten, standen sie in langen Schlangen vor den Filialen der Goldhändler, um sich noch schnell eine Münze oder einen Barren zu sichern. Das Warten hat sich bislang für die Privatanleger gelohnt. Die Feinunze (31,1 Gramm) kostete aktuell 1652 Euro - knapp 300 Euro mehr als Mitte März. Analysten erwarten weitere Aufschläge.

Nun wird das Edelmetall doch wieder seinem Ruf als Krisenwährung, als sicherer Hafen für Anleger in unsicheren Zeiten gerecht. Dabei sah es in den vergangenen vier Wochen streckenweise überhaupt nicht danach aus. Der Goldpreis legte eine nie gekannte Berg- und Talfahrt hin, die auch viele Finanzprofis überraschte. Als sich die Meldungen und die Mutmaßungen über die Verbreitung des Coronavirus und die ökonomischen Folgen häuften, ging es mit den Notierungen – wie zu erwarten war – deutlich nach oben. Zwischenzeitlich wurde eine Notierung von gut 1540 Euro pro Feinunze erreicht.

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Absturz vor zwei Wochen

Es folgte ein steiler Absturz in die Region von 1350 Euro. Das waren die Tage der größten Panik an den Börsen. Die allgemeine Verunsicherung war so groß, dass Anleger so ziemlich alles verkauften, was zu Geld zu machen war. Die Investoren pumpten Liquidität in ihre Depots, um für alle nur denkbaren Fälle einer ökonomischen Katastrophe gewappnet zu sein. Deshalb wurden auch Goldbestände in größerer Zahl aufgelöst. Doch dann intervenierten die großen Notenbanken. Zuerst die Fed in den USA und dann die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euro-Raum. Die Notenbänker öffneten die geldpolitischen Schleusen, versprachen, für Liquidität in praktisch unbegrenzter Dimension zu sorgen – koste es, was es wolle. Das sorgte für Entspannung und wachsende Nachfrage nach dem gelblich-schimmernden Edelmetall.

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Und nun dies: Die Goldproduzenten haben inzwischen Probleme, Münzen und Barren herzustellen und zu transportieren. Viele Unternehmen haben wegen Corona die Arbeit eingestellt oder zurückgefahren. Zudem fehlt es an Flugzeugen, um das wertvolle Metall zu transportieren – der Luftverkehr ist weitgehend eingestellt. Die südafrikanische Rand Refinery, einer der wichtigsten Produzenten – sie prägt die Krugerrand-Münzen –, hat die regelmäßigen Transporte nach London komplett eingestellt. Zugleich muss aber Gold physisch geliefert werden, zuletzt wurden Terminverträge für April in großer Zahl abgeschlossen. Die Engpässe treiben die Kurse in die Höhe.

Goldpreis steigt wieder

Doch gleichzeitig wird die Wirtschaftskrise immer realer: Knapp 3,3 Millionen Frauen und Männer meldeten sich schon vor zwei Wochen in den USA arbeitslos, seitdem kamen weitere Millionen hinzu. Das war weit mehr, als Beobachter erwartet hatten. Die Rekordzahl werde die Nachfrage nach Gold weiter befeuern, sagte der Edelmetallexperte Gnanasekar Thiagarajan der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Viele Finanzprofis seien überdies der Ansicht, dass weitere staatliche Programme zur Stimulierung der Wirtschaft bald kommen würden. Was die Furcht vor einer steigenden Inflation schürt. Da ist es naheliegend, in Gold zu investieren. In der abgelaufenen Woche wurde ein Plus von knapp 8 Prozent erreicht.

Und für die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs ist klar, dass es weiter nach oben geht. Sie haben gerade eine Studie veröffentlicht mit dem bezeichnenden Titel: “Es ist Zeit, die Währung der letzten Zuflucht zu kaufen”. Als Faktoren für steigende Notierungen wird Naheliegendes erwähnt: Eine massive Steigerung der Staatsverschuldung in vielen Ländern. Auch die Europäische Währungsunion sehen sie in Gefahr. Sie könnte daran zerbrechen, dass es für schwer angeschlagene Staaten wie Italien oder Spanien immer teurer wird, frisches Geld an den Finanzmärkten zu leihen – auch weil Spekulanten gegen diese Staaten wetten. Die Weigerung von Deutschland und anderen Nordländen, der Euro-Zone gemeinsame Staatsanleihen – Corona-Bonds – zu platzieren, könnten diese Mutmaßungen zusätzlich anheizen. Und dann noch die steigende Inflationsgefahr.

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1800-Dollar-Marke ist realistisch

Gold kann in einer derart komplexen Situation für Investoren dann auch die Aufgabe übernehmen, sich gegen eine starke Abwertung des Euro abzusichern. Viele Volkswirte hierzulande wollen von einem solchen Szenario überhaupt nichts wissen. Gleichwohl sehen die Experten von Goldman Sachs in der aktuellen Lage Parallelen zum November 2008, als die Finanz-und Wirtschaftskrise Fahrt aufnahm. Das mündete in einem Allzeithoch beim Goldpreis in der US-Währung von rund 1900 Dollar im Sommer 2011. Die Goldman-Analysten trauen dem Edelmetall in den nächsten zwölf Monaten jedenfalls 1800 Dollar pro Feinunze zu.

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