Alle kaufen Gold: Lohnt sich jetzt noch der Einstieg?

  • Die Corona-Pandemie verunsichert immer mehr Anleger und treibt den Goldkurs auf Rekordstände.
  • Der Preis des glänzenden Edelmetalls ist seit Anfang des Jahres um 30 Prozent gestiegen.
  • Wo kaufe ich jetzt Gold, und was gilt es zu beachten?
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Stuttgart. Der Goldpreis hat einen Lauf. Der Wert des glänzenden Edelmetalls hat historische Bestmarken erreicht und näherte sich zuletzt der runden 2000-Dollar-Marke. Aktuell scheinen viele Anleger Gold wieder als die sicher(st)e Geldanlage in unsicheren Zeiten entdeckt zu haben – und dies in einer Phase, in der der Aktienmarkt den Corona-Crash aus dem März in Windeseile wieder hinter sich gelassen hat.

Dabei sah es bis zum Jahresanfang noch danach aus, dass der Rohstoff Gold selbst in der Krise steckte. Egal, was auch in der Finanzwelt Schlimmes passierte – das glänzende Edelmetall war nie so recht gefragt. Fast schien es, als sei Gold bei Investoren etwas aus der Mode gekommen. Im Juli 2020 sieht es ganz anders aus:

Inmitten der Corona-Pandemie und der Berichterstattung der Unternehmen zum zweiten Quartal des Jahres hat der Goldpreis am Dienstag seinen mittlerweile fast eine Dekade alten Rekord aus dem Spätsommer 2011 übertroffen. Mehr als 1980 Dollar kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) – so viel wie nie zuvor.

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Der Run auf Gold erinnert an die Euro-Krise

Erreicht wurde der damalige Spitzenwert von 1921 Dollar zu einer Zeit, als im Jahr 2011 an den Finanzmärkten die Euro-Krise wütete und der gemeinsame Währungsraum fast aus den Angeln gehoben wurde und Investoren eine krisenfeste und wertbeständige Währung abseits des bis dahin starken Euro suchten.

Von einer Währungskrise ist Europa 2020 weit entfernt, aber die Angst der Anleger vor einer großen Krise ist wieder da. Sie ist mit dem Covid-19-Virus verbunden. Und die Sorge, dass die Pandemie in den kommenden Wochen und Quartalen mit einer zweiten Infektionswelle noch einmal die Volkswirtschaften rund um den Globus massiv beeinträchtigen könnte, ist groß.

Gold ist ein beliebter Inflationsschutz

Hinzu kommt, dass im Zuge der Corona-Krise die Verschuldung von Unternehmen und Staaten kräftig gestiegen ist: Milliardenschwere Anleihekaufprogramme wurden von den Notenbanken aufgenommen, was wiederum zu einem rasanten Anstieg der weltweiten Geldmengen und zu anhaltend niedrigen Zinsen führte. Dieses Szenario ist wie gemacht für Gold. Vor allem deshalb, weil Geld in einem solchem Umfeld weiterhin an Wert verliert, und somit Sachwerte wie Aktien und Gold in der Gunst der Anleger steigen.

Dabei ist Gold eigentlich keine gute Geldanlage. Der Langfrist-Chart zeigt auf, wie stark der Preis im Zeitverlauf mitunter schwankt. Von “wertstabilem” Gold kann vordergründig nur bedingt gesprochen werden.

Das Argument wiegt umso schwerer, als dass eine Anlage in Gold nur von Wertsteigerungen profitieren kann. Denn regelmäßige Erträge wie Zinsen oder Dividenden bei Aktieninvestments gibt es nicht. Das meistgenannte Argument für viele Goldinvestoren ist schlicht dieses: Das Edelmetall gilt vielen als Krisen- und Inflationsschutz, weil es nicht beliebig vermehrt werden kann.

Verschiedene Möglichkeiten der Goldanlage

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Die Sicherheit, die von Gold ausgeht, lässt viele Anleger kaufen. Das zeigen auch die aktuellsten Zahlen der Deutschen Börse. Demnach lagerten schon 221,7 Tonnen des Edelmetalls am 30. Juni in den Tresoren des Unternehmens in Frankfurt. Zu Jahresbeginn waren es noch 18,5 Tonnen weniger. Die Tendenz? Wohl seit Ende Juni steigend.

Wenn Anleger (weiter) auf Gold setzen wollen, gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Optionen. Dazu gehört der Kauf von physischem Gold in Form von Münzen und Barren. Zu den bekanntesten Anlagemünzen gehören Krügerrand, Maple Leaf, Wiener Philharmoniker und China Panda.

Zu beachten ist, dass der Kauf von Anlagegold, also Barren und die typischen Anlagemünzen, von der Umsatzsteuer befreit ist. Der Kauf von Silber- und anderen Edelmetallbarren wird dagegen mit 19 Prozent Umsatzsteuer besteuert. Gewinne aus dem Verkauf von Anlagegold werden nicht besteuert, wenn eine Haltefrist von einem Jahr eingehalten wird oder wenn die Freigrenze von 599 Euro Gesamtgewinn nicht überschritten wird.

Anleger: Wo kaufe ich Gold?

Überregionale Anbieter wie Degussa oder auch Pro Aurum, die vor allem in Großstädten mit ihrem Filialnetz sehr präsent sind, sind eine Option für den Anleger, um Gold zu kaufen. Der Vorteil liegt auf der Hand – man kann direkt vor Ort kaufen und auch bar bezahlen.

Wer nicht zu den bekannteren Händlern gehen will und stattdessen lieber den kleinen Händler um die Ecke bevorzugt, sollte auf eines achten: Der Händler sollte zertifiziert sein, das heißt beispielsweise Mitglied im Berufsverband des deutschen Münzhandels. Das garantiert einem, dass die gekauften Goldmünzen oder -barren unter anderem echt sind.

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Ein vergoldetes Hotel in Vietnam will Corona-Pandemie trotzen
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Um Touristen anzulocken wartet ein Luxushotel in Hanoi, Vietnam mit einer Fassade und einem Interieur aus reinem Gold auf.

Goldpreise vergleichen? Lohnt sich immer!

Die Zertifizierung des Händlers ist bei der zweiten Möglichkeit eines Goldkaufs wohl noch viel wichtiger – und zwar im Internet. Denn dort muss Vorkasse geleistet werden. Der beste Preis lässt sich sehr einfach über Vergleichsportale herausfinden. Allerdings sollte der Fokus beim Onlinekauf nicht nur auf dem günstigsten Preis liegen. Eines muss der Anleger bei beiden Kaufvarianten zur Hand haben:

Den Personalausweis – seit Anfang 2020 ist ein Edelmetallhändler wegen des deutschen Geldwäschegesetzes verpflichtet, sich vom Käufer ab einem Goldkaufwert von 2000 Euro den Ausweis vorlegen zu lassen.

Der (richtige) Zeitpunkt zum Kauf von Gold

Aktuell ist für Anleger eigentlich kein günstiger Zeitpunkt, um in Gold zu investieren. Seit Jahresanfang hat der Goldpreis mehr als 30 Prozent zugelegt. Glaubt man den Analysten der Bank of America, so erreicht der Goldpreis bis 2022 die Marke von 3000 Dollar. Ob dies jedoch ohne größere Korrektur vonstattengeht, darf bezweifelt werden.

Nicht wenigen Experten zufolge könnte es nach der aktuellen Rekordjagd zu einer Korrektur beim Goldpreis kommen. Letztlich hängt es wohl auch von der Jagd nach einem Corona-Impfstoff ab. Wird ein solcher nun schneller als erwartet gefunden, dürfte die Erleichterung darüber wieder viele Anleger dazu bewegen, Teile ihrer Goldpositionen zu verkaufen und diese in andere Anlageklassen wie Aktien zu investieren.

Denn letztlich ist Gold immer nur eines: die Portion Sicherheit im Depot eines langfristig orientierten Anlegers mit eingebautem Inflationsschutz, aber nie eine alleinige Geldanlage.

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