Gig-Economy: Nein, so darf die Arbeitswelt wirklich nicht aussehen

  • In Kalifornien gelten die Fahrer von Uber und Lyft künftig als Angestellte.
  • Dass sie keine Selbstständigen mehr sind, stellt das ganze Geschäftsmodell der Plattformen infrage.
  • Das ist gut so – denn dies droht die ganze Arbeitswelt umzukrempeln, kommentiert Christoph Höland.
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Die Kalifornier konnten bis vorgestern die Arbeitswelt von morgen ausprobieren: Wer zum Feierabend in sein Auto stieg, inserierte die Fahrt bei Uber und Lyft, nahm jemanden mit und konnte sich so auf dem Heimweg noch ein paar Dollar hinzuverdienen – formal als Selbstständiger geltend, weil die gelegentlichen Fahrten ein gehöriges Maß an Flexibilität erfordern. Doch diese Flexibilität hat einen zu hohen Preis.

Wie so oft in der sogenannten Gig-Economy waren die kalifornischen Fahrer bis vorgestern nur in der Theorie selbstständig. In der Praxis entschieden die Plattformen, wer welche Touren erledigen darf, wer wie viel Geld bekommt und wem welche Kunden zugewiesen werden. Anders als bei echten Selbstständigen geht es bei den Fahrern nicht ohne die Apps von Uber und Lyft. Während etwa ein Handwerker selber Anzeigen schalten und Aufträge suchen kann, obliegt bei Uber und Lyft die Anbahnung von Geschäften ausschließlich den Plattformen.

Die können sich bei jeder Fahrt eine kleine Provision sichern, mussten ansonsten allerdings wenig für die Fahrer tun. Zwar wurden die Fahrten bezahlt, zu zumindest teilweise ordentlichen Konditionen. Aber obwohl sie komplett von den Plattformen abhängig sind, hatten die Fahrer nicht die Rechte abhängig Beschäftigter. Bezahlter Urlaub, Pausen, Kostenerstattungen, Betriebsräte und Gewerkschaften – auf all das mussten sie bislang verzichten. Zugleich sind Uber und Lyft für viele amerikanische Familien zur Haupteinkommensquelle geworden.

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Es geht nicht nur um Uber und Lyft

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Dass die Fahrer in Kalifornien nun als Beschäftigte gelten, hat deshalb Signalwirkung. Der US-Bundesstaat und die dortigen Richter haben einem neuen, digitalen Tagelöhnertum den Riegel vorgeschoben. Das gibt es nicht nur bei Uber und Lyft, es boomt auch bei Essenslieferdiensten, der Vermittlung von Haushaltsdienstleistungen und bei Clickworkern im Internet. Und das Geschäftsmodell hat sich längst in Richtung Deutschland aufgemacht hat. Hiesige Taxifahrer zittern schon jetzt vor der US-Konkurrenz, obwohl das deutsche Recht Uber und Lyft bislang enge Grenzen setzt.

Umso wichtiger ist, dass nun auch auf dem wichtigen Heimatmarkt der beiden Plattformen gilt, dass sie nicht nur von der Arbeitskraft der Fahrer profitieren können. Stattdessen müssen sie auch Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernehmen. Ganz so wie in der alten Arbeitswelt. Die ist vielleicht etwas unflexibler, hat aber in den vergangenen 150 Jahren auch ein beachtliches Maß an Wohlstand geschaffen.

RND



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