Genug gegossen? So wässern sich Ihre Pflanzen fast wie von selbst

  • Ohne Wasser geht gar nichts im Garten.
  • Doch das regelmäßige Gießen ist das Wichtigste, um Pflanzen lange am Leben zu halten.
  • Aus wenigen Materialien und mit etwas Geschick lassen sich schnell und einfach Bewässerungssysteme für den Garten bauen.
Alena Hecker
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Hannover. Egal ob Garten oder Gemüsebeet, Blumentopf oder Balkonpflanze – wer gärtnert, muss gießen. Für optimal versorgte Pflanzen gelten als Faustregel wöchentlich etwa 30 Liter Wasser pro Quadratmeter. Da kommen schnell einige Gießkannen zusammen. Wie gut, dass es andere Möglichkeiten gibt.

Etwa die südamerikanische Variante. Hier werden für die Gartenbewässerung schon länger Ollas (spanisch: Töpfe) aus unversiegeltem Ton verwendet. Die bauchigen Gefäße werden in die Erde eingegraben und über einen Flaschenhals, der aus der Erde herausragt, mit Wasser befüllt. Ganz langsam geben sie es über das wasserdurchlässige Material wieder ab.

Wasserstand mit Taschenlampe ermitteln

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Mit zwei unglasierten Pflanztöpfen aus Ton mit Loch im Boden lässt sich eine Olla schnell und preiswert nachbauen: Ein Stein oder eine Tonscherbe dichtet das Abzugsloch des einen Topfes ab. Danach werden die beiden Tontöpfe zusammengeklebt – entweder mit wetterfestem Kleber oder, umweltfreundlicher, mit Zement oder geschmolzenem Bienenwachs. Neben der zu bewässernden Pflanze wird ein Loch gegraben und die Olla hineingesetzt. Etwa drei bis vier Zentimeter des Tontopfs sollten oben aus dem Boden herausragen. Durch das obere Loch wird Wasser in den Topf gefüllt. Je nach Außentemperatur übernimmt die Olla so einige Tage das Gießen, bevor sie wieder aufgefüllt werden muss. Der Wasserstand lässt sich am besten mithilfe einer kleinen Taschenlampe ermitteln.

Noch einfacher ist es, einen offenen Tontopf einzugraben, dessen Abzugsloch mit einem Sekt- oder Weinkorken verschlossen wird. Damit das eingefüllte Wasser nicht zu schnell verdunstet, wird er mit einem passenden Untersetzer aus glasiertem Ton verschlossen. Mit etwas Wasser befüllt, dient dieser zugleich als Miniteich für Insekten und Vögel.

Wollfäden übernehmen für kurze Zeit das Gießen

Pflanzen im Topf können sich mithilfe von Wollfäden für eine Weile selbst wässern. Dazu braucht es einen Eimer oder ein anderes großes Gefäß mit Wasser, dazu eine Kordel aus Wolle oder Baumwolle. Dünne Schnüre können auch miteinander zu einem dickeren Strang geflochten werden. An ein Fadenende wird eine dicke Schraube oder etwas anderes geknotet, damit der Faden später nicht auf dem Wasser schwimmt. Den Wollfaden ins Wasser tunken und gut durchfeuchten. Das beschwerte Ende in den Wassereimer hängen, das andere Ende etwa acht Zentimeter tief in die Blumenerde im Topf stecken.

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Der Wassereimer sollte gut zehn Zentimeter höher als die Pflanzen stehen und nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt sein, damit das Wasser nicht zu schnell verdunstet. Je nach Wassermenge, Art und Anzahl der Pflanzen kann die Wollfaden-Methode gute eine Woche lang das Gießen ersetzen.

DIY-Rasensprenger mit einer Plastikflasche

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Ähnlich funktioniert die Bewässerung mit Flaschen aus dünnem Plastik: Die Flasche mit Wasser füllen, in den Schraubverschluss ein oder mehrere kleine Löcher stechen und die Flasche kopfüber in den Blumentopf stecken. Ein Liter Wasser reicht je nach Größe des Topfes etwa eine Woche lang aus.

Für die Wiese im Garten sind selbstgebaute Rasensprenger eine praktische Lösung. Dafür werden in eine große Plastikflasche viele kleine Löcher gestochen, fixiert wird die Flasche mit Strukturklebeband am Gartenschlauch. Je nach Größe der Löcher sprüht das Wasser in feinen oder gröberen Fontänen durch den Garten.

Damit die gesamte Fläche vom Wasser profitieren kann, sollte der Rasensprenger an verschiedenen Stellen im Garten platziert werden. Wasserpfützen schaden dem Rasen nicht. Eine Zeitschaltuhr am Wasserhahn regelt, wann und wie lang der Rasensprenger laufen soll.

Obst und Gemüse sollte mit PVC-freien Schläuchen gegossen werden

Übrigens: Licht und Wärme lösen Schadstoffe im Gartenschlauch. So gelangen sie in die Umwelt und schließlich auch in die Nahrung. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt darum für die Bewässerung von selbst angebautem Obst und Gemüse auf PVC-freie Schläuche zurückzugreifen. Wer ganz sicher gehen will, besorgt sich einen Trinkwasserschlauch. Der ist zwar deutlich teurer, erfüllt aber die Vorgaben der Gesundheitsämter.

Das ist bei Bewässerungsanlagen zu beachten

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Natürlich hat auch die automatische Gartenbewässerungsanlage ihre Vorteile. Einmal installiert, kann sich die Hobbygärtnerin zurücklehnen und dem Computer das Gießen überlassen. So verspricht es jedenfalls die Werbung. Die Stiftung Warentest hat zuletzt im Frühjahr 2018 vier automatische Gartenbewässerungssysteme getestet. Nur eines schnitt gut ab und war mit einem Durchschnittspreise mit 950 Euro zugleich das teuerste im Test.

Wer mit dem Gedanken spielt, eine automatische Bewässerungsanlage im Garten zu installieren, sollte zuerst ermitteln, wie viel Wasser pro Stunde aus der Leitung strömt: Dafür einen Zehn-Liter-Eimer mit Wasser füllen und die Zeit stoppen, bis der Eimer voll ist. Hilfreich ist auch eine Gartenskizze, um einen Überblick zu bekommen, in welchen Bereichen des Gartens wie viel gewässert werden muss. Auf Wunsch übernehmen auch die Anbieter von professionellen Systemen die gesamte Planung. Das kostet dann zusätzlich Geld.

Wann werden Pflanzen am besten gegossen?

  • Am Tagesanfang. In den kühlen Morgenstunden sickert das Wasser langsam in den Boden und die Pflanzen können es in der Mittagshitze aufnehmen – also dann, wenn sie es besonders brauchen.
  • Von unten. So hat die Pflanze das Wasser direkt da, wo sie es braucht. Wird von oben gegossen, kann es sein, dass Blätter nicht schnell genug abtrocknen. Pilzkrankheiten sind oft die Folge.
  • Selten, aber reichlich. Dann kann das Wasser tiefer in den Boden sickern. Pflanzen werden dadurch animiert, längere Wurzeln zu bilden, mit denen sie Trockenheit besser überstehen.
  • Nach Bedarf. Pflanzen mit dünnen oder weichen Blättern brauchen mehr Wasser als solche mit dicken, harten oder behaarten Blättern.
  • Nicht zu kalt. Für Pflanzen bedeutet kaltes Wasser aus der Leitung oft Stress. Besser ist von der Sonne erwärmtes Wasser aus der Regentonne.
  • Passend zum Boden. Lehmiger Boden speichert viel Wasser, Sand kann hingegen nahezu kein Wasser speichern und muss dementsprechend häufiger bewässert werden.

RND/dpa

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