Vorstandspläne: Fährt Porsche an die Börse?

  • In Stuttgart steht die Gewinnmaschine des VW-Konzerns – das stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Porsche-Unternehmenschef Oliver Blume hat denn auch ehrgeizige Pläne: Er will Porsche an die Börse bringen.
  • Auch VW-Konzernchef Herbert Diess gilt als Anhänger der Börsenpläne. Sie könnten Milliarden in die Kasse bringen.
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Stuttgart. An Selbstbewusstsein hat es der Porsche-Spitze noch nie gefehlt, aber so heftig drängte die Nobelmarke des VW-Konzerns selten nach vorn. Ein Börsengang scheint in Stuttgart schon gesetzt zu sein – Vorstandschef Oliver Blume und Finanzchef Lutz Meschke warten nur noch auf den Segen der Wolfsburger Gremien.

Das Bündnis mit dem kroatischen E-Auto-Entwickler Rimac soll zudem um Bugatti erweitert werden. Auch ein Engagement in der lange verpönten Formel 1 ist plötzlich denkbar. Und 2030 wird der Verbrennungsmotor nur noch ein Nischendasein im Klassiker 911 fristen – 80 Prozent der verkauften Autos sollen dann elektrifiziert sein.

Porsche: Kaum Einbußen durch Corona

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Die Basis für all das ist ein stabiles Geschäft mitten in der Krise. Im vergangenen Jahr blieb der Porsche-Umsatz stabil bei 26 Milliarden Euro, der operative Gewinn ging minimal auf 4 Milliarden Euro zurück. Damit ist Porsche mehr denn je die Gewinnmaschine im VW-Konzern, der insgesamt rund 10 Milliarden verdiente. Die nächsten in der Rangliste – Audi und die Finanzdienstleistungen – brachten jeweils knapp 3 Milliarden Euro. Der einst kleine Sportwagenhersteller verkauft dank der SUV im Programm inzwischen 265.000 Autos im Jahr, und dieses Jahr dürften es mehr als 300.000 werden.

„Wir sind so robust wie kaum ein anderer Automobilhersteller“, sagte Blume bei der Bilanzpräsentation in Stuttgart. Er macht deshalb auch keinen Hehl daraus, dass er Porsches Platz an der Börse sieht. Dort war das Unternehmen schon einmal notiert, bis der Übernahmekampf mit VW zu einer komplizierten Konstruktion führte: Der Finanzholding Porsche SE gehört zwar die Mehrheit bei VW, aber die von Blume geführte Marke ist wiederum eine Tochter des VW-Konzerns. Das soll sie auch bleiben – mit anderen Minderheitsaktionären.

Er wolle sich „nicht zu weit aus dem Fenster lehnen“, sagte Meschke zum Börsengang, aber „wir haben die Vorteile hinlänglich genannt, dem kann man sich nicht verschließen“. Viel weiter kann sich der Manager einer Tochtergesellschaft nicht aus dem Fenster lehnen. Aber Meschke ist wohl auf der sicheren Seite, denn VW-Konzernchef Herbert Diess gilt als Anhänger der Börsenpläne.

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Sie könnten Milliarden in die Kasse bringen, die für Investitionen in neue Technologien dringend gebraucht werden. Außerdem würde VWs Börsenwert mit einer solchen Notierung ebenfalls steigen. „Die Entscheidung müssen letztlich Vorstand und Aufsichtsrat der Volkswagen AG treffen“, sagte Meschke. „Wir können nur die Argumente liefern.“

Streng limitiert: Von der Sonderserie Cientodieci will Bugatti nur zehn Exemplare bauen.

Noch etwas attraktiver für die Anleger könnte Porsche mit einem anderen Projekt werden. Die Stuttgarter haben gerade ihren Anteil beim kroatischen E-Auto-Entwickler Rimac auf 24 Prozent aufgestockt und planen mehr: Bugatti, im VW-Konzern für Supersport zum siebenstelligen Preis zuständig, könnte in die Partnerschaft eingebracht werden. Der Start-up-Unternehmer Mate Rimac wird oft mit Elon Musk verglichen: Er hat praktisch aus dem Nichts einen Hersteller von Supersportwagen mit Elektroantrieb aufgebaut und ist inzwischen auch gefragter Entwicklungspartner bei dieser Technologie.

Mit Bugatti bekäme Rimac, was ihm noch fehlt, meint Meschke: eine starke Marke, solvente Kunden und ein exklusives Servicenetz. „Es gibt eine gute Wahrscheinlichkeit, dass sie zusammenfinden werden“, sagte Meschke. „Wir sind aktuell in der Untersuchung von verschiedenen Varianten.“

Hoffnung für den 911

Deutlich weiter weg ist wohl ein Engagement in der Formel 1 – aber näher als bisher. Die sogenannte Königsklasse des Motorsports war bei Porsche, wie im gesamten VW-Konzern, lange verpönt, weil die Teilnahme extrem teuer ist. Eine Saison kostet mehrere Hundert Millionen Euro. Außerdem ist der technologische Wert umstritten, und das Image hat schwer gelitten.

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Nun aber sagt Blume, für eine sportliche Marke – auch für die Konzernkollegen bei Audi – liege die Frage nach der Formel 1 „natürlich nahe“. Mit dem geplanten neuen Reglement, das mehr Rücksicht auf die Umwelt nehmen soll, werde die Formel 1 wieder interessanter, „wir prüfen das über den Volkswagen-Konzern“. Dahinter dürfte auch der Gedanke stehen, den Markenklassiker 911 zu stützen. Dem ist nämlich der Weg in die Elektrifizierung verbaut, seine einzige Zukunftschance sind synthetische, CO₂-neutral hergestellte Kraftstoffe. Der Formel 1 geht es genauso – sie könnte diesen Antrieb populärer machen.

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