Drohende Lokführerstreiks: Die GDL sorgt für eine heiße Ferienzeit

  • Deutschlands Lokführerinnen und Lokführern bereiten sich auf Streiks vor – und lassen sich dabei viel Zeit.
  • Nun könnten die Arbeitskämpfe mitten in den Ferien beginnen.
  • Das würde Bahnreisenden viel Leid bescheren, aber im diesjährigen Arbeitskampf geht es auch für die Lokführer um viel.
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Berlin. Auf den ersten Blick wirkt es, als könnten Bahnkundinnen und Bahnkunden aufatmen: Vorerst will die Lokführergewerkschaft GDL auf Streiks verzichten, eine Urabstimmung über den Arbeitskampf soll erst am 9. August ausgezählt werden.

Auch Warnstreiks wird es zuvor nicht geben, wie GDL-Chef Claus Weselsky bei einer Pressekonferenz am Donnerstag ankündigte. Danach könnte der Arbeitskampf aber umso heftiger werden – und er würde auch Sommerurlauberinnen und Sommerurlauber treffen.

Denn in den meisten Bundesländern enden die Ferien erst ab Mitte August, ausgerechnet im bevölkerungsreichen NRW könnte in der letzten Ferienwoche gestreikt werden.

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„Ich hoffe, dass sie sich wieder zusammensetzen und miteinander verhandeln“, sagte denn auch Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn nach der Ankündigung der GDL.

Bahn will mit GDL an Verhandlungstisch zurückzukehren

Zuvor hatte die Bahn die GDL aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es lägen fundierte Angebote vor, sagte eine Sprecherin.

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Weselsky spielte prompt den Ball zurück, die GDL habe ihre Forderungen bereits reduziert, und nun habe die Bahn bis zum 9. August Zeit. „Unmittelbar danach ist mit längeren Arbeitskampfmaßnahmen zu rechnen, wenn die Bahn es nicht fertigbringt, mit einem besseren Angebot wieder in Verhandlungen einzutreten.“

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Die Bahn hofft derzeit auf einen Tarifabschluss, der mit dem Notlagentarifvertrag für Flughafenbeschäftigte vergleichbar ist. 3,2 Prozent mehr Gehalt bis 2023 würde das den GDL-Mitgliedern bringen. 2021 gäbe es so allerdings eine Nullrunde, kritisiert die Gewerkschaft – und verweist darauf, dass während der Pandemie Züge anders als Flugzeuge nicht stillstanden.

Die GDL will stattdessen Lohnerhöhungen, die mit denen von Beschäftigten im öffentlichen Dienst vergleichbar sind. Die Forderung läuft ebenfalls auf 3,2 Prozent mehr Lohn hinaus, allerdings bis 2022 und ohne Nullrunde in diesem Jahr.

Es bleiben sechs Wochen für Verhandlungen

Ob die GDL nun das „Sommermärchen“ nach „schweren Monaten der Pandemie“ zerstört, wie Bahnpersonalvorstand Martin Seiler am Donnerstag warnte, bleibt indes abzuwarten. Tatsächlich hat sich die Gewerkschaft Zeit verschafft, es bleiben gut sechs Wochen für Verhandlungen – obwohl sich eine Urabstimmung theoretisch schneller durchführen lässt und auch Warnstreiks schon jetzt möglich wären.

„Die Ankündigung, kurzfristig keine Streiks durchzuführen, verschafft beiden Seiten Luft, um nach kreativen Lösungen zu suchen“, kommentierte deshalb auch Matthias Gastel, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, die Ankündigungen. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) betonte Gastel zugleich, dass es sich bei dem Konflikt um keinen gewöhnlichen Tarifkonflikt handele.

Scharfe Kritik am Tarifeinheitsgesetz

„Überlagert und massiv belastet wird der Streit durch das unsägliche und handwerklich schlecht gemachte Tarifeinheitsgesetz von Union und SPD“, erklärte Gastel.

Das Tarifeinheitsgesetz wird bei der Bahn seit diesem Jahr angewandt, es sieht vor, dass in einzelnen Bahnbetrieben jeweils nur der Tarifvertrag der dort zahlenmäßig stärkeren Gewerkschaft gilt. Wahrscheinlich wird es in einer deutlichen Schwächung der GDL resultieren. Die EVG hat etwa dreimal so viele Mitglieder wie die GDL, die außer Lokführern auch weiteres Bahnpersonal vertritt.

„Wir brauchen kein solches Gesetz, dass Rechte von Gewerkschaften einschränkt und zur Eskalation des Tarifstreits beiträgt,“ sagte Gastel. Auch er appellierte zugleich an beide Seiten, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite stehen in gemeinsamer Verantwortung, nach dem Lockdown die Rückkehr zu Wachstum im Bahnunternehmen und auf der Schiene insgesamt zu ermöglichen.“

mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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