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220 Millionen Euro: Kaufhauskette Galeria bekommt erneuten Staatskredit

Galeria-Filiale in Saarbrücken: Der Staat greift ein zweites Mal unter die Arme.

Galeria-Filiale in Saarbrücken: Der Staat greift ein zweites Mal unter die Arme.

Frankfurt. Der angeschlagene Warenhauskonzern Galeria muss sich erneut Geld beim Staat leihen. Die Bundesregierung stellt über ihren Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ein Darlehen in Höhe von 220 Millionen Euro bereit. Ein entsprechendes Hilfsangebot hat der interministerielle WSF-Ausschuss bei seiner Sitzung am Dienstagnachmittag beschlossen, erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Der Kaufhauskonzern, der 2019 aus der Fusion der Konkurrenten Karstadt und Galeria Kaufhof entstanden ist, soll die Summe als stille Einlage bekommen. Zudem sollen 30 Millionen Euro des bereits im Februar 2021 gewährten ersten Hilfsdarlehens über 460 Millionen Euro in die stille Einlage überführt werden.

„Gerade für die Innenstädte sind zwei Jahre Pandemie eine besondere Belastung. Vor allem der stationäre Handel hat besonders mit den Einschränkungen zu kämpfen. Daher haben wir entschieden, dass der Wirtschaftsstabilisierungsfonds Galeria Karstadt Kaufhof erneut unter die Arme greift“, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dem RND.

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Das sei ein „wichtiges Signal“ für das Unternehmen und seine rund 16.700 Mitarbeiter, so Habeck weiter. „Galeria Karstadt Kaufhof hat mit seinen 131 Warenhäusern für viele Innenstädte eine enorme Bedeutung. Deshalb ist es richtig, in dieser schwierigen Lage zu helfen.“

Galeria-Eigner Benko muss auch selbst in die Tasche greifen

Die Hilfsmaßnahme der Bundesregierung sind an rechtliche Vorgaben sowie einen Eigenbeitrag von Galeria-Eigentümer René Benko geknüpft. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ soll über den Eigenbetrag bis zuletzt hart gerungen worden sein. Benko soll sich dem Bericht zufolge mit 15 Prozent beteiligen und ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 60 Millionen Euro in Eigenkapital umwandeln. Der österreichische Investor hatte zuletzt mehrfach Kapital in das kriselnde Unternehmen nachschießen müssen, Teile davon allerdings nur als Darlehen zur Verfügung gestellt.

Die Schulden beim Bund sind für Unternehmen vergleichsweise teuer, für das bisherige Darlehen muss die Warenhausgruppe üppige 6,5 Prozent Zinsen berappen. Ohne den Staatskredit allerdings hätte Galeria die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Bereits im vergangenen Jahr hatten der Handelskonzern und der WSF die Option auf einen weiteren Kredit ins Auge gefasst, die nun gezogen wird.

Die Kaufhauskette leidet unter den Folgen der Corona-Krise. Durch die Shutdowns brachen Umsätze weg, auch danach mieden viele Menschen aus Angst vor einer Infektion die Innenstädte. Zuletzt vergraulte die 2G‑Regel im Einzelhandel viele Kunden.

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Hausgemachte Probleme kommen hinzu. So gilt das klassische „Warenhaus“, in dem Kunden nahezu alle Güter des täglichen Bedarfs vom Bleistift bis zum Tortenheber kaufen können, seit Jahren als Auslaufmodell. Die Fusion von Karstadt und Kaufhof ist der letzte Versuch, den Niedergang irgendwie aufzuhalten.

Dazu hat Galeria ein ehrgeiziges Sanierungskonzept erarbeitet. Mehr als 400 Millionen Euro will das Unternehmen in die Modernisierung seiner Kaufhäuser investieren, abhängig vom Standort sollen diese zu „Weltstadthäusern“, „regionalen Magneten“ oder „lokalen Foren“ umgebaut werden. Teil des Konzepts ist es, Kunden in den Shoppingmalls auch Dienstleistungen wie etwa Fahrradreparaturen anzubieten oder das Erledigen von Behördengängen.

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