Umbau von Galeria Karstadt Kaufhof: Nostalgie ist kein Geschäftsmodell

  • Die Namen Karstadt und Kaufhof sind in Westdeutschland eng mit dem Wirtschaftswunder verbunden.
  • Daher mag bei manchen Wehmut aufkommen, wenn der Konzern beim großen Umbau nicht einmal die Finger vom Namen lässt.
  • Doch der Schritt ist überfällig und das Konzept dahinter nicht dumm, kommentiert Andreas Niesmann.
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Hannover. Gesucht wird sie seit Jahrzehnten, gefunden wurde sie bislang nicht: eine Idee, die den offenbar unaufhaltsamen Nieder­gang der Kauf- und Warenhäuser stoppen könnte. Ehemals klangvolle Namen wie Horten und Hertie sind bereits aus den Innenstädten verschwunden, nun könnten Karstadt und Kaufhof folgen.

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Der Mutterkonzern Galeria Karstadt Kaufhof will gut die Hälfte seiner verbliebenen 131 Filialen radikal umbauen und dem Rest zumindest eine Verjüngungskur verpassen. Dabei ist auch die Streichung der traditionsreichen Namen kein Tabu mehr, im Gegenteil. Konzernchef Miguell Müllenbach hat einen einheitlichen Markenauftritt angekündigt, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auf den Dächern der Häuser künftig nur noch die Galeria-Fahne weht.

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Namen sind untrennbar mit dem Wirtschaftswunder verbunden

Vor allem ältere Kunden mag eine gewisse Wehmut beschleichen, sind die Namen Karstadt und Kaufhof doch untrennbar mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder verbunden. Die Konsumtempel waren nicht nur ein Symbol für Wohlstand und Wachstum, sie haben die Fußgängerzonen in Deutschlands Groß- und Mittelstädten als wichtige Ankerpunkte auch architektonisch geprägt.

Doch Nostalgie ist kein Geschäftsmodell, das immerhin haben die Manager in der Essener Konzernzentrale erkannt. Zwei Jahre nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof und den schmerzhaften Schließungen zahlreicher Standorte versucht das Unternehmen nun, die verbliebenen Häuser fit für die Zukunft zu machen.

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Der Schritt ist überfällig und das Konzept dahinter nicht dumm. Kaum ein Kunde erwartet heute noch einen Vollsortimentler vom Kaffeelöffel bis zur Pudelmütze. Mehr Shops, mehr Service, mehr Begegnung – das ist immerhin mal eine Idee.

Sie fällt in eine Zeit, in der nicht mehr nur die Warenhäuser, sondern inzwischen ganze Innenstädte ums Überleben kämpfen. Schon allein deshalb ist Galeria zu wünschen, dass der Plan aufgeht. Auch ohne die Namen Karstadt und Kaufhof.

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