Neuer Name für Galeria Karstadt Kaufhof? Konzern baut radikal um

  • Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern steckt 600 Millionen Euro in das Konzept Galeria 2.0.
  • Künftig sollen in den Kaufhäusern über das übliche Sortiment hinaus weitere Waren und Dienstleistungen angeboten werden – die Rede ist etwa von Schaltern des Bürgeramts, Fahrradreparaturservices, E‑Bike-Ladestationen, Postfilialen, Gastronomie und Kultur.
  • „In dem neuen Konzept sehe ich für das Kernproblem keine Lösung“, kritisiert Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
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Hannover. Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will sich neu aufstellen und plant einen radikalen Umbau. Drei Kaufhaustypen und ein neuer Onlineauftritt sollen entstehen. In den nächsten drei bis vier Jahren sollen dafür insgesamt 600 Millionen Euro investiert werden, davon rund 400 Millionen Euro in die Modernisierung der Warenhäuser, sagte Geschäftsführer Miguel Müllenbach dem „Handelsblatt“.

Alle 131 verbliebenen Warenhäuser sollen sich künftig einer von drei Kategorien zuordnen lassen: „Weltstadthaus“, „regionaler Magnet“ und „lokales Forum“.

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Kern des Konzepts Galeria 2.0 ist, dass in den Warenhäusern über das übliche Sortiment hinaus weitere Services, Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Rede ist etwa von Schaltern des Bürgeramts, wo Kunden zum Beispiel ihren Reisepass beantragen können, Fahrradreparaturservices, E-Bike-Ladestationen oder Paketschaltern der Post. Aber auch Gastronomie und Kultur sei auf der Fläche der Kaufhäuser künftig möglich. „Wir wollen das vernetzte Herz der Innenstadt werden“, erklärt Müllenbach.

Heißen bald alle Häuser Galeria?

50 bis 60 Kaufhäuser sollen dafür komplett umgebaut werden, der Rest bekommt eine Teilmodernisierung. Die Standorte an der Frankfurter Hauptwache, in Kassel und Kleve dienen als Pilotprojekte, die bereits im Oktober fertig sein sollen.

Auch der Name der Warenhäuser, die derzeit noch entweder Galeria Kaufhof oder Karstadt heißen, soll vereinheitlicht werden. Details nannte Müllenbach nicht. Experten vermuten aber, dass es auf den Namen Galeria für alle Häuser hinauslaufen könnte.

Geplant ist auch die digitale Vernetzung mithilfe einer App. Über diese soll das Warensortiment von Galeria Karstadt Kaufhof abrufbar sein, Kunden könnten aber beispielsweise auch einen Friseurtermin buchen, einen Parkplatz oder einen Tisch im Restaurant reservieren.

Verdi spricht von Aufbruchsstimmung bei Galeria Karstadt Kaufhof

Der Verdi-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel Orhan Akman ist zufrieden mit dem Konzept. „Das ist das richtige Signal an die Beschäftigten“, sagt Akman, der jahrelang die zum Teil schwierigen Tarifverhandlungen bei Galeria Karstadt Kaufhof geführt hat. „Besonders nach den Pandemiezeiten braucht es jetzt diese Aufbruchsstimmung“, sagt er. Bei Galeria Karstadt Kaufhof gilt noch bis Ende 2024 eine Beschäftigungsgarantie.

Der Verdi-Mann mahnt aber auch, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Umbauprozess einzubeziehen. „Keiner weiß so gut, was die Kunden vor Ort wollen, wie die Verkäuferinnen und Verkäufer.“ Außerdem müssten die Beschäftigten mit Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen auf die anstehende Digitalisierung vorbereitet werden.

Kritik am Umbau: Keine Lösung für das größte Problem

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Kritischer ist Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Das Kerngeschäft von Galeria Karstadt Kaufhof ist Mode“, erklärt Roeb, damit würden je nach Standort bis zu 70 Prozent des Umsatzes gemacht. Doch in ihrem Kerngeschäft seien die Kaufhäuser seit Jahren nicht wirklich wettbewerbsfähig.

„In dem neuen Konzept sehe ich für dieses Problem keine Lösung. Stattdessen wird der Fokus auf Randbereiche gelegt, bei denen ich mich frage, wie damit genug Geld verdient werden soll, um die Warenhäuser zu retten.“ Bürgerdienste, Poststellen und Friseure gebe es jetzt schon in den Innenstädten, da habe das Warenhaus keinen besonderen Standortvorteil. „In Einzelfällen kann es eine gute Idee sein, diese Services in die Warenhäuser zu integrieren. Aber ich sehe nicht, wie das ein Massengeschäft werden soll.“

Wichtiger wäre der Fokus auf eine individuelle Sortimentsgestaltung je nach den Kundenbedürfnissen am Standort. Damit könnte der Umsatz laut Roeb erheblich gesteigert werden. „Genau diese lokalen Anpassungsmöglichkeiten werden durch die Kategorisierung in drei Häusertypen künftig wahrscheinlich aber eher schwerer.“

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Nur Erdgeschoss für Vermietung interessant

Eine weitere Herausforderung für die Kaufhäuser sind ihre großen Flächen, die sie nur mit Mühe lukrativ betreiben können. Fremdvermietung sei deshalb schon häufiger ein Thema gewesen, sagt Jörg Funder, Professor für Handelsmanagement an der Hochschule Worms. Insofern könnte das neue Konzept vor allem kleinen Standorten helfen, Fläche zu vermieten. „Das Problem ist aber, dass nur die Fläche im Erdgeschoss einen guten Mietpreis erzielt, weil hier die Kundenfrequenz hoch ist. Die Flächen oben werden immer uninteressanter.“

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