Gabriel verteidigt Wechsel zur Deutschen Bank

  • Sigmar Gabriel verteidigt seinen Wechsel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank.
  • Der Ex-SPD-Chef findet seine Aufgabe moralisch nicht verwerflich.
  • Er stellt die Frage, welcher Job für Politiker nach ihrer Laufbahn überhaupt genehm wäre.
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Berlin. Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seinen Wechsel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank verteidigt. "Ich finde es schlimm, dass sofort der Generalverdacht entsteht, man würde sozusagen seine Seele verkaufen, wenn man nach dem Ende seiner politischen Laufbahn eine Aufgabe in der Wirtschaft wahrnimmt. Ich jedenfalls werde auch in Zukunft nicht anders denken und handeln als vorher", sagte Gabriel der "Bild am Sonntag".

Er warf die Frage auf, was Politiker eigentlich nach ihrer Laufbahn für Jobs annehmen dürfen: "Sie sollen keine vorzeitigen Pensionen beziehen, sie sollen nicht zu Lobbyisten werden und eigentlich sollen sie auch nicht in die Wirtschaft gehen. Was denn dann?" Er sei "nie in einem politischen Amt für die Deutsche Bank zuständig" gewesen.

Gabriel: So verlief Kontakt zum Aufsichtsratschef

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Am Freitag war bekannt geworden, dass sich Gabriel bei der Hauptversammlung am 20. Mai den Aktionären zur Wahl stellen will.

Nach Gabriels Darstellung hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner ihn Ende vergangenen Jahres angesprochen. Dann habe es Gespräche im Aufsichtsrat und mit wichtigen Anteilseignern gegeben. Vor einer Woche habe ihm Achleitner dann per Telefon mitgeteilt, dass es Zustimmung für ihn gebe.

Für 2019 rechnen Analysten mit rund fünf Milliarden Euro Verlust

Der zukünftige Arbeitgeber des ehemaligen Außenministers möchte endlich wieder zurück in die Erfolgsspur. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist von seinem im Sommer angestoßenen radikalen Umbauplan für Deutschlands größtes Geldhaus überzeugt. Aktionäre und Investoren müssen sich allerdings weiterhin gedulden: Nach allem, was bisher bekannt ist, war 2019 für die Deutsche Bank das fünfte Jahr in Folge mit roten Zahlen. An diesem Donnerstag legt der Dax-Konzern in Frankfurt die Bilanz vor.

Nach neun Monaten stand unter dem Strich ein Verlust von 4,1 Milliarden Euro in den Büchern der Deutschen Bank. Die Kosten für die Neuausrichtung - inklusive Abfindungen - machen sich ebenso bemerkbar wie die Einstellung des Aktienhandels. Das Zinstief macht der gesamten Branche zu schaffen. Für das Gesamtjahr 2019 rechnen Analysten einer Bloomberg-Übersicht zufolge mit rund fünf Milliarden Euro Verlust bei der Deutschen Bank. Die Bank selbst hat bisher keine Übersicht aktueller Analysten-Schätzungen veröffentlicht.

RND/dpa

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