Übernahme durch Alstom: In den Bombardier-Werken geht die Angst um

  • Alstom will die Zugsparte von Bombardier aufnehmen - und die Angst vor einem Arbeitsplatzumbau in Deutschland ist groß.
  • Denn der so entstehende französisch-kanadische Eisenbahnkonzern hätte womöglich große Überkapazitäten.
  • Allerdings ist ohnehin unklar, ob die Übernahme von den Wettbewerbshütern genehmigt wird.
Anzeige
Anzeige

Brüssel/Berlin. Der kanadische Bombardier-Konzern steht hinter den Plänen des französischen Bahnherstellers Alstom für eine Übernahme der Zugsparte Bombardier Transportation. „Wir begrüßen diese Ankündigung“, sagte der Präsident von Bombardier Transportation, Danny Di Perna. Die gegenwärtige Situation schaffe eine hohe Verunsicherung der Beschäftigten, die schnellstmöglich beendet werden müsse, warnte allerdings Olivier Höbel, IG Metall-Vertreter im Bombardier-Aufsichtsrat.

Ähnlich sieht es in den Werken aus: “Ich habe ein ungutes Bauchgefühl”, sagte etwa Der Betriebsratschef im Alstom-Werk Salzgitter, Thomas Ueckert, sagte auf Anfrage. Seine Sorge: Überkapazitäten, die irgendwann abgebaut werden müssten. So gebe es zwischen Bombardier und Alstom etwa erhebliche Überschneidungen bei Regionalzügen, U- und Straßenbahnen.

Alstom und Bombardier: etwa 8000 Beschäftigte in Deutschland

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Die Sorgen der etwa 8000 Beschäftigten in den deutschen Werken von Alstom und Bombardier seien berechtigt, sagt auch Maria Leenen vom Beratungsunternehmen SCI Verkehr. Es gebe weit größere Überschneidungen bei Produkten als bei dem ursprünglich geplanten Zusammengehen von Siemens und Alstom.

Anzeige

Aktuell würden Überkapazitäten durch eine “große Beschaffungswelle” bei Verkehrsbetrieben überdeckt: “Derzeit wird jedes Werk gebraucht. Aber was kommt nach der Sonderkonjunktur?”

Stimmen die Wettbewerbshüter zu?

Anzeige

Vorerst stellt sich diese Frage für die beiden Bahnkonzerne aber nicht: Alstom will zwischen 5,8 und 6,2 Milliarden Euro für die Zugsparte von Bombardier zahlen, der Deal soll im ersten Halbjahr kommenden Jahres endgültig abgeschlossen werden. Bei Bombardier kriselt es schon länger, zuletzt hatte das Unternehmen etwa Ärger mit der Deutschen Bahn, die Fehler bei neu angelieferten Zügen gefunden hatte.

Nun soll es die Fusion richten - die allerdings noch von den Kartellbehörden genehmigt werden muss. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Mair hat bereits die EU-Kommission zur Zustimmung aufgefordert. Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge zeigte sich optimistisch, dass die EU-Wettbewerbshüter die Übernahme billigen. Das Unternehmen war vor einem Jahr an Bedenken der EU-Kommission mit dem Versuch gescheitert, mit der Siemens-Zugsparte zu fusionieren.

Auch Experten haben Bedenken

Aus Sicht von Branchenexperten müssen sich Alstom und Bombardier allerdings auf eine intensive Wettbewerbsprüfung einstellen. “Die kartellrechtlichen Hürden sind sehr hoch”, sagt Leenen. Die aktuell starke Nachfrage nach Bahntechnik werde auf ein geringeres Angebot stoßen. Vor allem für kleinere Bahnunternehmen könnte es schwieriger werden: “Sie werden deutlich weniger Alternativen haben.”

Offenbar hoffen auch die Gewerkschaften noch auf einen Stopp der Fusion: Jürgen Kerner von der IG Metall bekräftigte, die Gewerkschaft gehe davon aus, dass ein Zusammenschluss von Bombardier und Alstom kartellrechtlich so zu bewerten sei wie die untersagte Fusion von Siemens und Alstom. Sollte es doch dazu kommen, werde die IG Metall keine einseitige Konsolidierung in Deutschland akzeptieren. Die Bundesregierung müsse industriepolitische Maßnahmen im Sinne der Beschäftigten ergreifen und die industrielle Basis sichern.

Alstom will nur “Anpassungen” in einzelnen Fabriken

Anzeige

Alstom-Chef Poupart-Lafarge hatte darauf verwiesen, dass sich der Deal mit den Kanadiern deutlich vom früher geplanten Siemens-Zusammenschluss unterscheide. Ziel der Übernahme sei zudem nicht, die Unternehmen zu restrukturieren oder die Beschäftigung zu bedrohen. Das Bahngeschäft sei in voller Expansion. Es könne jedoch in einzelnen Fabriken zu "Anpassungen" kommen.

RND/dpa/hö

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen