Fünf Gründe, warum Afrika für die Wirtschaft interessant ist

  • Geht es nach der Bundesregierung, soll die deutsche Wirtschaft verstärkt auf den afrikanischen Kontinent setzen.
  • Das könnte sowohl deutschen Unternehmen als auch den afrikanischen Ländern helfen.
  • Und tatsächlich gibt es – trotz aller Hürden – gute Gründe, in Afrika zu investieren.
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Eine „Win-win-Situation“ nennt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Initiative für Afrika. Der Compact with Africa soll europäische Investitionen auf dem Kontinent anschieben. Denn dieser biete mehr Chancen als Risiken, wie Merkel am Dienstag gegenüber der ARD betonte. Und tatsächlich gibt es – abseits aller humanitären Motive – gute Gründe für die Wirtschaft, auf den afrikanischen Kontinent zu setzen.

1) Neue Absatzmärkte

Viele Afrikaner sind zuletzt kaufkräftiger geworden – was sie als potenzielle Käufer europäischer Produkte interessant macht. Im gängigerweise als Nordafrika bezeichneten Teil hat sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen (BNE pro Kopf) laut Weltbank seit dem Jahr 2000 fast vervierfacht, es liegt mittlerweile bei 7651 Dollar (Deutschland: 47.100 Dollar). Auch im Rest des Kontinents, gängigerweise als Subsahara-Afrika bezeichnet, hat sich der Wert seit dem Jahr 2000 auf 1500 Dollar verdreifacht. Allerdings klaffen die Entwicklungen einzelner Länder weit auseinander – Äthiopien etwa versiebenfachte das durchschnittliche Einkommen seit 2000, Südsudan stürzte wegen des Bürgerkriegs dramatisch ab.

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Doch immer mehr Staaten sind wegen ihres teilweise rasanten Wirtschaftswachstums als Absatzmärkte interessant. Die Beratungsagentur ATKearney etwa hält mittlerweile Ghana – auch beim Compact with Africa dabei – für eines der weltweit interessantesten Länder für investitionswillige Handelsketten. Im Global Retail Development Index schob sich das Land innerhalb der letzten zwei Jahre von Rang 27 auf Rang vier vor. Auch zahlreiche Immobilienprojekte und der Ausbau des Mobilfunknetzes versprechen lukrative Investment-Gelegenheiten.

2) Rohstoffmärkte

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Bodenschätze haben Staaten wie Nigeria vergleichsweise wohlhabend gemacht – auch wenn der dortige Ölreichtum zu sehr ungleich verteilten Einkommen geführt hat. Schon 2010 hat die bundeseigene Deutsche Rohstoffagentur festgestellt, dass Afrika im Vergleich zu anderen Kontinenten noch relativ viele ungehobene Rohstoffe hat. Vor allem die als weltweit knapp geltenden Ressourcen wie Kobalt im Kongo wecken Begehrlichkeiten. Schon 2010 sah die Rohstoffagentur nennenswerte Vorkommen bei neun von 14 der sogenannten kritischen Rohstoffe in Afrika.

2017 weihte Mosambik eine neue Eisenbahnlinie ein – finanziert aus China. Das Land engagiert sich immer stärker in Afrika und flankiert seine Investitionen auch mit Entwicklungshilfegeldern. © Quelle: picture alliance/AP Photo
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Zugleich ist längst ein Wettrennen in Gang: Ein beträchtlicher Teil der chinesischen Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent fließt in Rohstoffprojekte. Ein weiterer Aspekt: Auch landwirtschaftliche Nutzflächen gewinnen an Bedeutung. Mehrere Millionen Hektar Land in Afrika sind nach Kauf- und Pachtgeschäften mittlerweile in der Hand ausländischer Investoren, großteils aus China, Indien und den Niederlanden sowie Saudi-Arabien.

3) Viele Arbeitskräfte

Mit zum Teil sehr hohem Bevölkerungswachstum bietet Afrika vergleichsweise viele Arbeitskräfte. Diese sind, wie UN- und Weltbank-Statistiken belegen, in vielen Ländern immer besser ausgebildet. Flankiert von der europäischen Migrationspolitik hat davon ein kleiner Teil eine Chance, in Europa Arbeit zu finden. Doch die im Schnitt sehr junge Bevölkerung Afrikas macht den Kontinent – trotz aller Hürden, die die deutsche Wirtschaft sieht – für Investitionen in Produktionsstätten nicht uninteressant. Volkswagen etwa setzt schon länger auf die Fertigung in Südafrika, nun sollen Fabriken in Nigeria und Ghana hinzukommen.

4) Freier Handel

Bislang gelten die Märkte in Afrika als fragmentiert, Zölle und Handelsbarrieren beeinträchtigen den Handel auf dem Kontinent. Seit Mai dieses Jahres steht fest, dass der Kontinent zu einer Freihandelszone zusammenwachsen soll – was auch für Investoren interessant ist. Denn in der sogenannten African Continental Free Trade Area (AfCFTA) leben insgesamt etwa 1,2 Milliarden Menschen. Entwickelt sich daraus – wie beabsichtigt – ein afrikanischer Binnenmarkt, wäre dieser mehr als doppelt so groß wie die Europäische Union.

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5) Ein Fuß in der Tür

Sowohl wegen der zunehmenden Kaufkraft als auch wegen der Rohstoffe ist es für ausländische Investoren interessant, schon jetzt einen Fuß in die Tür Afrikas zu bekommen. Zwar weisen die Länder Afrikas (nach den zentralasiatischen Staaten) die niedrigsten Investitionen aus dem Ausland auf, doch zuletzt steigerte vor allem China seine Investitionen auf dem Kontinent deutlich – und setzte, wie das International Growth Centre (IGC) berichtet, zuletzt verstärkt auf das produzierende Gewerbe und nicht mehr nur auf den Rohstoffbereich.