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Micron investiert Milliarden

Für die Chiphersteller stehen riesige Geldtöpfe bereit

Die Produktion von Chips ist hochkompliziert: Mehr als 1000-mal müssen hauchdünne Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, bearbeitet werden.

Die Produktion von Chips ist hochkompliziert: Mehr als 1000-mal müssen hauchdünne Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, bearbeitet werden.

Mit Milliardenaufwand wollen die Regierungen in Europa und den USA den Rückstand in der Chipproduktion aufholen. Nachdem die Branche in Asien lange massiv gefördert wurde, stellen nun auch Brüssel und Washington riesige Subventionstöpfe bereit. Die USA melden jetzt ihren ersten Erfolg: Wenige Stunden, bevor Präsident Joe Biden ein neues Gesetz zur Förderung der Halbleiterherstellung unterschreiben sollte, kündigte der Hersteller Micron am Dienstag Investitionen in den USA an.

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Micron-Chef Sanjay Mehrotra bedankte sich ausdrücklich bei Biden für den neuen „Chips and Science Act“, der allein knapp 53Milliarden Dollar für Forschung, Entwicklung, Produktion und die Qualifizierung von Mitarbeitern direkt in der Halbleiterbranche bereitstellt. Micron, ein Spezialist für Speicherchips, hat angekündigt, bis zum Ende des Jahrzehnts 40 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Wie viel von dem Geld aus der eigenen Kasse kommt und wie viel von der Regierung, ist nicht bekannt. Im Unternehmen selbst sollen 5000 Arbeitsplätze entstehen, im Umfeld weitere 35000.

„Amerika hat den Halbleiter erfunden“, sagte Biden wenige Tage vor der Unterzeichnung des neuen Gesetzes. „Aber mit den Jahren haben wir die Produktion abwandern lassen nach Übersee.“ Als dort in der Pandemie zeitweise die Produktion gestoppt wurde, sei die Abhängigkeit offensichtlich geworden. Außerdem hätten die Engpässe die Preise zum Beispiel für Autos hochgetrieben.

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Das Thema ist auch außenpolitisch brisant: TSMC, der größte Chiphersteller der Welt, sitzt in Taiwan. Schon vor den jüngsten Spannungen wurden Wege gesucht, im Fall eines chinesischen Angriffs auf die Insel die Versorgung sicherzustellen. In aller Welt kämpft die Industrie seit rund zwei Jahren mit der Chipknappheit. „Zum Wohl unserer Volkswirtschaft und Arbeitsplätze und Kosten und unserer nationalen Sicherheit müssen wir diese Halbleiter wieder in Amerika herstellen“, sagte Biden.

Zu dem gleichen Schluss ist die EU-Kommission gekommen. Im Februar stellte deren Präsidentin Ursula von der Leyen den „European Chips Act“ vor. Mit geplanten 43 Milliarden Euro ist er ähnlich bestückt wie das amerikanische Förderprogramm, und auch hier steht ein Empfänger bereit: Nach der Entscheidung für eine – von der Bundesregierung mit Milliarden geförderte – neue Chipfabrik in Magdeburg plant Intel eine weitere Expansion in Europa. Über die will das Unternehmen aber erst entscheiden, wenn das EU-Förderprogramm verlässlich beschlossen ist.

Das Magdeburger Projekt werde vom Bund bis 2024 mit insgesamt 6,8 Milliarden Euro unterstützt, berichtete der lokale Bundestagsabgeordnete Martin Kröber (SPD) im Juni. Allein im Haushalt 2022 seien 2,7 Milliarden veranschlagt. Der Region werde das einen riesigen Schub geben.

Intel will 2027 die Produktion aufnehmen. In einer ersten Ausbaustufe sollen zwei benachbarte Halbleiterwerke gebaut werden, mehrere Tausend Arbeitsplätze könnten entstehen. Intel will dafür zunächst rund 17 Milliarden Euro investieren.

Mittelfristig droht die Rezession

Einige Experten sehen den massiv geförderten Kapazitätsaufbau allerdings skeptisch. Zwar erlebe die Branche aktuell einen sehr langen Aufschwung, sie sei aber auch sehr zyklisch, heißt es in einer Analyse der Deutschen Bank. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Umsätze nach den Höhepunkten jeweils um ein Fünftel zurückgegangen. Die Experten erwarten Wachstum bis Ende 2023, im Abschwung danach drohten Überkapazitäten und eine Rezession in der Branche. „Überkapazitäten sind ein wiederkehrendes zyklisches Merkmal der Halbleitermärkte.“

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