Frust bei Nike über Amazon: Sportausrüster stoppt Verkauf

  • Der Sportartikelhersteller zieht sich vom Amazon-Marketplace zurück.
  • Nike wirft Amazon vor, nicht genug gegen Produktpiraterie vorzugehen.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass die Verkaufsplattform in der Kritik steht.
Fabian Hartmann
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Was vor zwei Jahren in einer Art Testlauf begann, ist jetzt schon wieder vorbei: Der US-Sportartikelhersteller Nike will Sneaker und Sportkleidung künftig nicht mehr über den Onlinehändler Amazon vertreiben. Damit beendet das Unternehmen die Zusammenarbeit, die erst 2017 begann. Offiziell heißt es bei Nike, man wolle sich auf seine eigenen Vertriebswege konzentrieren. Heißt also: den Direktverkauf.

Jahrelang hatte sich Nike gegen die Zusammenarbeit mit Amazon gesperrt

Wie die US-Nachrichtenseite Bloomberg berichtet, ist das aber nur die halbe Wahrheit. So sei bei den Nike-Managern die Unzufriedenheit darüber gewachsen, dass Amazon nicht entschieden genug gegen Produktpiraterie und unautorisierte Händler auf seinem Marketplace vorgegangen sei. Für Amazon bedeutet der Rückzug von Nike einen herben Rückschlag: Der Onlineriese setzt auf die Zusammenarbeit mit namhaften Anbietern, die seinen Marketplace aufwerten sollen. Dass Nike 2017 zustimmte, auch über Amazon zu verkaufen, war für den Jeff-Bezos-Konzern ein großer Erfolg. Jahrelang hatte sich der US-Sportausrüster zuvor geweigert. Die Nike-Bosse fürchteten, das Massengeschäft könnte dem Image der Marke schaden.

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Der Amazon-Marketplace funktioniert wie ein riesiges digitales Kaufhaus: Von Buntstiften über Kondome bis hin zu hochpreisigen Uhren gibt es (fast) alles. Amazon vertreibt über die Plattform direkt seine Produkte, aber auch Einzelhändler können sie nutzen. Wie Amazon in diesem Jahr mitteilte, hätten die Händler 160 Milliarden Euro weltweit auf dem Marketplace umgesetzt.

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Doku beleuchtete Amazon-Praktiken

Doch Kritik an diesem Konzept gibt es – abseits von Nike – schon lange. So fühlen sich gerade Einzelhändler von Amazon oft über den Tisch gezogen: Der US-Tech-Konzern verlangt hohe Provisionen, die Daten der Käufer landen bei Amazon. Und: Kunden verbinden ihren Einkauf am Ende mit Amazon – und nicht mit dem Händler, der eigentlich dahintersteht. Die ARD hatte vor zwei Jahren in einer eigenen Doku („Das System Amazon") die Praktiken des Konzerns beleuchtet. Der Tenor: Amazon nutze seine Marktmacht aus.

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Was für kleine Einzelhändler schnell zum Problem werden kann, lässt globale Marken wie Nike mit entsprechender Vertriebspower kalt. Der Sportausrüster hat bereits angekündigt, die eigenen Verkaufskanäle auszubauen, allen voran die Stores, die Website und seine Apps. Damit erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben zuletzt 30 Prozent seines Jahresumsatzes – Tendenz steigend. Es sieht also so aus, als hätte Amazon den Kampf um Nike verloren. Endgültig.