Freizeitparks öffnen – aber wann ist endlich wieder Kirmes?

  • Am Wochenende öffnen Deutschlands Freizeitparks wieder ihre Pforten.
  • Doch warum dürfen sich dort Besucher auf Fahrgeschäften austoben, während das Riesenrad auf einem Volksfest tabu ist?
  • Ein Interview mit Kevin Kratzsch, dem Vizepräsidenten des deutschen Schaustellerbunds.
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Achterbahn, Zuckerwatte, Adrenalin – in Deutschlands Freizeitparks darf es ab dem Wochenende wieder rund gehen. Doch während dort die Fahrgeschäfte loslegen, sind Volksfeste weiterhin untersagt. Das wundert auch Kevin Kratzsch, Vizepräsident des deutschen Schaustellerbunds.

Herr Kratzsch, die Freizeitparks öffnen wieder – aber wann ist endlich wieder Kirmes?

Wir hoffen sehr, dass es ab dem 1. September wieder losgeht. Denn bis dahin sind alle Großveranstaltungen abgesagt.

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Aber können Besucher wirklich davon ausgehen, dass es dann wieder losgeht?

Es gibt das Signal aus der Politik, dass Volksfeste nach dem 31. August wieder stattfinden. Nur bis dahin gelten die Einschränkungen und nichts deutet auf eine Verlängerung hin. Ein Besuch in einem Freizeitpark oder ein Einkaufsbummel in der Innenstadt sind wieder möglich - warum sollte ein Besuch eines Volksfests in der Zukunft nicht möglich sein?

Zugleich braucht eine Kirmes ja etwas mehr Vorlauf als ein Freizeitpark, der einfach seine Pforten wieder öffnen kann. Laufen denn schon Planungen?

Das wird deutschlandweit ganz unterschiedlich gehandhabt. Für fast alle Veranstaltungen und Veranstalter gilt, dass die Planungen für die Zeit ab September normal weiterlaufen. Die wollen später entscheiden, ob es wirklich möglich ist, die Veranstaltung durchzuführen. Andere Volksfeste, auch nach dem Stichtag, sind abgesagt, das Oktoberfest in München etwa. Nicht wegen des hohen Besucheraufkommens, sondern wegen der aufwändigen und großen Zelte. Da hätte man jetzt schon mit dem Aufbau beginnen müssen, zugleich spielt sich der Großteil des Geschehens in einem quasi geschlossenem Raum mit gewaltigem Fassungsvermögen ab. Das ist aber ein Sonderfall und trifft auf andere Volksfeste nicht in dieser Art zu.

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Kevin Kratzsch ist stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Schaustellerbunds. Er lebt in Hannover und ist Geschäftsführer eines Unternehmens, dass unter anderem von der Eventgastronomie lebt. © Quelle: Privat

Die Hauptsaison fällt flach

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Jetzt machen die Freizeitparks wieder auf, die Schausteller hingegen müssen sich noch eine ganze Weile gedulden. Haben Sie Verständnis dafür?

Wir hatten grundsätzlich Verständnis für die Untersagung von Volksfesten, als die Entscheidung gefällt wurde. Schließlich kommen bei Volksfesten viele Menschen zusammen, was seinerzeit vielen Menschen Sorgen bereitet hat. Aber natürlich ist es jetzt schwer nachvollziehbar, dass ein Besuch in einem Freizeitpark möglich ist, der eines Volksfests aber nicht. Da passieren ja eigentlich ziemlich ähnliche Dinge.

Wie hart trifft dieser Ausfall die Schausteller?

Das trifft uns extrem hart. Die Betriebe haben in der Winterpause viel Geld investiert, um ihre Betriebe herzurichten. Die Absage bis Ende August bedeutet, dass die Hauptsaison im Sommer passé ist. Umso wichtiger werden Herbst- und Weihnachtssaison. Aber dass andere Aktivitäten wieder loslegen dürfen, stimmt uns hoffnungsvoll. Nach dieser schweren Phase brauchen die Menschen doch ein gesellschaftliches Antidepressivum wie Volksfeste.

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Und was passiert, wenn - wie einige Experten befürchten - noch eine zweite Corona-Welle kommt?

Ein ganzes Jahr Totalausfall der Volksfeste können wir kaum verkraften, deshalb ist die wirtschaftliche Angst allgegenwärtig. Derzeit schauen wir aber positiv in die Zukunft, denn eine zweite Welle zeichnet sich nicht ab. Und auch die Öffnung der Gastronomie hat keinen dramatischen Anstieg der Fälle mit sich gebracht. Zugleich haben die Menschen heute mehr Bewusstsein für die Einhaltung von Hygieneregeln. Wir hoffen einfach, dass jetzt keine übereilten Entscheidungen zur Absage weiterer Volksfeste getroffen werden. Wir hätten kein Verständnis, wenn jemand in eine Insolvenz getrieben wird, die eigentlich zu vermeiden gewesen wäre.

Machen Sie sich Sorgen über mögliche Hygiene-Auflagen, die den Betrieb auf Volksfesten erschweren könnten?

Als Schausteller und auch als Mensch hoffe ich natürlich, dass wir so schnell wie möglich zurück zur Normalität kommen. Die ganzen Maßnahmen dürfen nicht zur Selbstverständlichkeit werden, sondern müssen ständig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Aber natürlich verstehen wir den Sinn der Hygienekonzepte. Und auch bei uns Schaustellern gibt es die Möglichkeit, ähnliche Hygienekonzepte wie in der Gastronomie und in Freizeitparks umzusetzen. Abstandsregeln, Hände desinfizieren und Masken zu tragen - all diese Dinge sind schließlich auch auf Volksfesten möglich.

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