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Frankreichs Kernkraftwerksbetreiber EDF in der Krise

Kühltürme eines Atomkraftwerks im Département Ardèche, Frankreich. Präsident Macron setzt auf Atomkraft, allerdings muss die französische Atomenergie derzeit mit mehreren Problemen kämpfen.

Paris.Es war einer dieser Auftritte, wie Emmanuel Macron sie liebt. Der französische Präsident stand auf einer Bühne vor blauem Hintergrund mit der riesigen Aufschrift „France 2030″ und sprach über seine Vision vom Frankreich der Zukunft. Besonders viel Raum erhielt bei der Rede vor Unternehmern im Oktober das Thema Atomkraft, die er als „Glücksfall für Frankreich“ bezeichnete: Sie sei CO₂-arm, garantiere die Unabhängigkeit des Landes und beschäftige mehr als 200.000 Menschen.

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Von den 8 Milliarden Euro, die seine Regierung bis 2030 in die Dekarbonisierung der Wirtschaft investieren wolle, gehe eine Milliarde in die Entwicklung neuer Miniatomreaktoren, der sogenannten SMR (Small Modular Reactors). Ans Netz gehen könnten diese allerdings frühestens 2035.

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht während einer Präsentation des Investitionsplans „France 2030“ im Elysee-Palast.

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht während einer Präsentation des Investitionsplans „France 2030“ im Elysee-Palast.

Details darüber sollte Macron eigentlich bis Ende 2021 ankündigen. Noch steht der Termin aus, was mit den aktuellen Problemen der Elektrizitätsgesellschaft EDF zusammenhängen dürfte, die die AKW betreibt und zu 84 Prozent dem Staat gehört.

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Reduzierte Preise für einen erfolgreichen Wahlkampf

Der Konzern, der mit 45 Milliarden Euro verschuldet ist, soll der Regierung dabei helfen, ihr Versprechen zu halten, die Strompreiserhöhungen zu deckeln.

Um im laufenden Präsidentschaftswahlkampf die Geldbeutel der Verbraucher zu schonen, muss EDF auf Anweisung bis zu 40 Prozent seiner produzierten Elektrizität zu einem reduzierten Preis an Wettbewerber verkaufen – die Kosten dieser Maßnahme werden auf 8 Milliarden Euro geschätzt. „Wir erleben diese Entscheidung wie einen echten Schock“, reagierte EDF-Chef Jean-Bernard Lévy. Mehrere Gewerkschaften riefen zu Streiks auf.

Gleich mehrere technische Probleme

Zeitgleich muss das Unternehmen seine Produktionsprognose um 10 Prozent senken und wird demnach in diesem Jahr so wenig Strom produzieren wie seit 30 Jahren nicht mehr. Von den 56 Reaktoren standen in diesem Winter bis zu 16 still, derzeit sind es zehn.

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Nicht immer liegt dies an regulären Wartungsarbeiten. In mehreren Reaktoren, darunter in Civaux im Westen des Landes und im ostfranzösischen Chooz, tauchten technische Probleme unter anderem durch mangelhafte Schweißnähte an Rohrleitungen auf, sodass zwei der betroffenen Reaktoren erst Ende des Jahres wieder Strom produzieren werden. Auch einer der beiden Reaktoren in Penly in der Normandie bleibt mindestens bis Ende Mai geschlossen.

Vorsorglich hat die Regierung gerade die Umweltvorschriften für die zwei letzten französischen Kohlekraftwerke gelockert, damit diese gegebenenfalls mehr Strom produzieren und Engpässe abfedern können. In der Öffentlichkeit ist dies allerdings kaum ein Thema. Dagegen wird in Frankreich scharf kritisiert, dass Deutschland zeitweise stärker auf seine Kohlekraftwerke zurückgriff, um den Atomausstieg zu meistern.

Reaktor sollte 2012 ans Netz – bis heute ist er nicht in Betrieb

Erst vor wenigen Tagen kündigte EDF zudem an, dass sich die Fertigstellung des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Flamanville in der Normandie erneut verzögert und verteuert. Sollte der Reaktor der vierten Generation, dessen Bau 2007 begann, ursprünglich 2012 ans Netz gehen, so verschiebt sich die Fertigstellung seit Jahren – nun also auf Mitte 2023. Statt der ursprünglich veranschlagten 3,3 Milliarden Euro geht man inzwischen von Gesamtkosten in Höhe von 12,7 Milliarden aus.

Lang anhaltende Probleme gab es auch beim von EDF gebauten EPR in Finnland, der im Dezember den Betrieb aufnahm. Einer der beiden EPR-Reaktoren im chinesischen Taishan ist derzeit ebenfalls abgeschaltet. Greenpeace sprach nun von „einer weiteren Verzögerung, die die Ankündigung des Baus neuer Reaktoren ausschließt“.

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Macron und die Atomkraft

Politisch weht dennoch ein anderer Wind. Auf EU-Ebene hat sich Macron gerade erfolgreich für die Einbeziehung der Kernenergie in die EU-Taxonomie zu nachhaltigen Investitionen eingesetzt. Seine wichtigsten Konkurrentinnen im Präsidentschaftswahlkampf, die Republikanerin Valérie Pécresse und die Rechtspopulistin Marine Le Pen, setzen ganz auf die Kernkraft, während der grüne Kandidat Yannick Jadot als Antwort auf das „absolute Fiasko in Flamanville“ die vollständige Verstaatlichung von EDF fordert.

Macron zeigte sich früher weniger eindeutig als Fürsprecher der Atomkraft, auch wenn er das von seinem Vorgänger François Hollande vorgegebene Ziel, deren Anteil bis 2025 von 70 auf 50 Prozent zu reduzieren, um zehn Jahre nach hinten verschob.

Wie unter Hollande beschlossen, ließ er bis Juni 2020 die beiden Reaktoren des dahin ältesten französischen Kernkraftwerks in Fessenheim direkt an der deutschen Grenze abschalten. Eigentlich sollen bis 2035 zwölf weitere Reaktoren folgen, doch das gilt als unsicher.

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Billige Atomenergie?

Demgegenüber forderte der Chef der französischen Atomsicherheitsaufsicht ASN, Bernard Doroszczuk, einen „Marshall-Plan“ für die Nuklearbranche mit massiven Investitionen für die Sicherheit bestehender Atomkraftwerke.

Bislang stellen die französischen Regierungen die Atomkraft gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern stets als kostengünstige Energiequelle dar. Dass der Staat, also wiederum der Steuerzahler, sie gehörig mit subventioniert, wird selten dazu gesagt.

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