• Startseite
  • Wirtschaft
  • Fragen und Antworten zur “Kassenbon-Pflicht”: Müssen Kunden bald alle Belege annehmen?

„Kassenbonpflicht“: Müssen Kunden bald alle Belege annehmen?

  • Ab Januar 2020 dürfte die Zahl der ausgedruckten Kassenbons in Deutschland deutlich steigen.
  • Denn Händler sind künftig zur Ausstellung von Kundenbelegen verpflichtet.
  • Daran gibt es heftige Kritik – die Rede ist von Müllwahnsinn und Bürokratieirrsinn. Die drängendsten Fragen und Antworten zum Thema.
|
Anzeige
Anzeige

Zum 1. Januar 2020 tritt die neue Kassensicherheitsverordnung in Kraft. Diese ist eine Ergänzung zum Kassengesetz und regelt unter anderem, dass zukünftig alle Händler Belege ausstellen müssen. Das sorgt – besonders bei kleineren Geschäften wie Bäckereien – für Verärgerung. Eine Übersicht:

Worum genau geht es?

Die Kassensicherheitsverordnung ist eine Ergänzung zum Kassengesetz, das den Umgang mit Transaktionen regelt. Noch unter Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die vorige Bundesregierung 2017 eine Reform in Gang gebracht. Das Ziel: ein verschärfter Kampf gegen Steuerbetrug und Geldwäsche. Beschlossen wurde das Gesetz im Dezember 2017.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Was genau soll sich ändern?

Im Kern sorgen zwei Aspekte für Aufregung: Einerseits gelten für Registrierkassen – also Kassen, die digital sämtliche Transaktionen protokollieren – neue Regeln, die eine lückenlose Erfassung der Geschäfte ermöglichen sollen. Größer ist die Verärgerung aber, weil auch eine sogenannte Belegausgabepflicht eingeführt wird: Die sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2020 bei jedem Bezahlvorgang in Deutschland ein Kaufbeleg ausgestellt wird – unabhängig davon, ob der Kunde das wünscht.

Warum sorgt das für Streit?

Anzeige

Vordergründig, weil die Neuregelung zu „Bon- und Müllwahnsinn“ führen könnte, wie es der Zentralverband des Deutschen Bäckereihandwerks formuliert. Allein bei den Bäckereien könnten so bis zu fünf Milliarden Kassenzettel jährlich anfallen – obwohl nur etwa 3 Prozent der Kunden überhaupt einen Bon haben wollen, so Verbandsgeschäftsführer Daniel Schneider. Hinzu kommen Kostensteigerungen: Sämtliche Bons auszudrucken bedeutet für die Geschäfte Mehrkosten. Bäcker befürchten, diese könnten bis zu 1000 Euro pro Filiale und Jahr betragen. Außerdem erwarten sie höhere Ausgaben für die – nicht verpflichtenden – neuen Kassensysteme.

Ist die Belegausgabepflicht wirklich umweltschädlich?

Ja und nein. Durch Kassenzettel entstehen tatsächlich große Mengen Papiermüll. Dass Beschäftigte durch die Belegausgabepflicht verstärkt mit Bisphenol A – einem laut Umweltbundesamt schädlichen Beschichtungsmaterial für Papier – in Kontakt kommen, ist hingegen unwahrscheinlich. Zwar äußerten zuletzt einzelne Bäcker diese Befürchtung, de facto ist mit Bisphenol A beschichtetes Thermopapier aber ab 2020 in Deutschland verboten.

Müssen nun alle Geschäfte Belege ausstellen?

Nein. Die neue Kassensicherheitsverordnung sieht Möglichkeiten zur Befreiung vor. Diese können Geschäfte bei den örtlichen Finanzämtern beantragen. Die Befreiung kann durch die Finanzämter aber jederzeit rückgängig gemacht werden. Auch ist offenbar oft unklar, wie die Beantragung funktioniert – was etwa das Bäckereihandwerk verunsichert. Schneider fordert deshalb eine Befreiung von der Belegausgabepflicht für seine ganze Branche.

Anzeige

Gibt es Alternativen zum Ausdrucken von Belegen?

Die Kassensicherheitsverordnung sieht vor, dass Bons nicht ausgedruckt werden müssen. Stattdessen können die Kassenzettel auch elektronisch übermittelt werden. Praktische Lösungen sind auch drei Jahre nach Verabschiedung der Neuregelung – gerade bei kleineren Beträgen – nicht flächendeckend verfügbar. Zwar gibt es längst Systeme, bei denen Rechnungen von Kassen per E-Mail an die Kunden übermittelt werden. Am Brötchentresen, wo es oft nur um geringe Summen geht, würde die Erfassung der Mailadresse aber deutlich mehr Zeit kosten, als ein Bezahlvorgang bislang in Anspruch nimmt.

Zeichnen sich andere technische Lösungen ab?

Auf die Möglichkeit, Belege elektronisch zu übermitteln, setzen gerade mehrere Unternehmen. Mindestens fünf Anbieter tüfteln an Lösungen, um Kassenbons unkompliziert auf das Smartphone von Kunden zu übertragen – der ausgedruckte Kassenzettel wäre dann eine Ausnahme. Doch auch bei gedruckten Bons gibt es Alternativen zum Thermopapier. Ökobon etwa bietet umweltfreundliche Lösungen für Kassenbelege an – was aber pro Zettel doppelt so viel koste wie die herkömmliche Lösung, sagte Ökobon-Geschäftsführer Oliver Unseld jüngst dem „Tagesspiegel“.

Was passiert, wenn sich Geschäfte nicht an die Belegpflicht halten?

Mit Strafen müssen die Geschäfte nicht rechnen. „Der Verstoß gegen die Belegausgabepflicht ist nicht bußgeldbewehrt“, heißt es beim Bundesfinanzministerium.“ Allerdings ist nicht auszuschließen, dass Steuerprüfer die fehlenden Belege als Indiz für einen Verstoß gegen Aufsichtspflichten werten – und Betriebe deshalb gründlicher prüfen

Anzeige

Müssen Kunden bald alle Bons annehmen?

Für die Kunden ändert sich durch die Belegausgabepflicht wenig. Mitnehmen müssen sie die Kassenzettel nicht, wie das Finanzministerium mitteilte. Allerdings könnten die Händler die Kostensteigerungen auf die Kunden umlegen – was unterm Strich auf wenige Cent Mehrkosten pro Jahr hinauslaufen dürfte.