Foodwatch fordert Zuckersteuer in Deutschland

In Großbritannien tritt am Freitag eine Zuckersteuer in Kraft. Foodwatch fordert ähnliche Regulierungen auch in Deutschland. In ihrem 108-seitigen Coca-Cola-Report macht die Verbraucherorganisation die Getränkehersteller für die Entstehung vieler Krankheiten verantwortlich.

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Berlin. Die Verbraucherorganisation Foodwatch macht Getränkeherstellern wie Coca Cola schwere Vorwürfe. „Die Zuckergetränke von Coca-Cola sind flüssige Krankmacher“, sagt Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei Foodwatch. So förderten zuckerhaltige Getränke nachweislich die Entstehung von Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und Karies.

Foodwatch fordert deshalb in Deutschland eine Zuckersteuer: "Die Bundesregierung muss die Hersteller von stark überzuckerten Getränken verpflichten, eine Abgabe zu zahlen", hieß es bei der Vorstellung des 108-seitigen Coca-Cola-Reports am Mittwoch.

Zuckersteuer in Großbritannien

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In Großbritannien tritt eine solche Zuckersteuer bereits am Freitag in Kraft. Schon zuvor hatten führende Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte gesenkt – für Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm je 100 Milliliter und für Sprite von 6,6 auf 3,3 Gramm. Laut Coca Cola habe die Reduzierung des Zuckergehalt aber nichts mit der Zuckersteuer zu tun. Vielmehr habe das Unternehmen in Großbritannien „bereits viele Jahre vor der Ankündigung der Steuer beschlossen, den Zuckergehalt in Getränken zu reduzieren“.

Eine Coca-Cola-Sprecherin verwies darauf, dass sich das Unternehmen zusammen mit anderen Herstellern im vergangenen Jahr verpflichtet habe, den Zuckergehalt in seinen Limonaden in der EU bis 2020 um durchschnittlich 10 Prozent zu senken. Auch in Deutschland werde es Veränderungen geben: „Bei Sprite werden wir noch in diesem Jahr den Zuckergehalt in Deutschland um 50 Prozent verringern“, kündigte die Sprecherin an. Derzeit seien 9,1 Gramm Zucker in 100 Millilitern enthalten.

Werbung für Jugendliche

Foodwatch kritisiert in ihrem Report außerdem, dass sich Coca Cola in ihrer Werbung gezielt an Kinder und Jugendliche richtet: „Ob mit Fußballstars im TV oder angesagten Influencern im Youtube-Video: Coca-Cola versteht es wie kaum ein anderer Konzern, ein positives Image zu kreieren – auch und gerade bei jungen Menschen“, warnt Huizinga.

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Dabei trinken vor allem Jungs in Deutschland deutlich mehr Zuckergetränke als empfohlen. Laut aktueller Daten des Robert Koch-Instituts beläuft sich der Konsum von männlichen Jugendlichen auf knapp einen halben Liter täglich.

Dennoch: Der Absatz von Limonaden und Cola in Deutschland ist rückläufig. Das zeigen Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke. Deshalb setzen große Getränkefirmen neuerdings auf aromatisiertes Wasser in hippen Dosen.

Von Anne Grüneberg/RND/dpa

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