Murks beim Lärmschutz: Güterzüge weiter zu laut – Gesetz wird ignoriert

  • Die lauten Güterzüge sollen Ende des Jahres endgültig verschwinden.
  • Dafür drohen dann aber „Langsamläufer“, die Strecken blockieren können.
  • Die Grünen fordern strikte Kontrollen und Bußgelder bei Verstößen gegen die Lärmauflagen.
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Frankfurt am Main. Laute Güterzüge sind für Menschen, die nahe an Bahnstrecken wohnen, ein großes Ärgernis. Viele Jahre wurde darüber diskutiert, die Wagen leiser zu machen. Seit Dezember 2020 ist der Einsatz alter und besonders lauter Waggons zwar verboten. Bislang gibt es allerdings keine Sanktionen.

Erst von Dezember 2021 an kann das Eisenbahnbundesamt Bußgelder verhängen und zwar bis zu 50.000 Euro pro Verstoß. Die deutschen Betreiber und Betreiberinnen von Güterbahnen haben inzwischen auf die sogenannten Flüsterbremsen umgestellt. Sie sorgen dafür, dass die Laufflächen der Räder glatt bleiben und deshalb weniger Rollgeräusche verursachen. Der von Menschen wahrgenommene Lärm reduziert sich dadurch um die Hälfte.

Aber aus dem Ausland kommen noch immer zahlreiche Züge, die mit den alten Graugussbremsen über hiesige Schienenstränge donnern. Allein vom 13. Dezember 2020 bis Ende Mai waren es trotz des Verbots 116 Züge. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Frage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Bemerkenswert ist, dass die weit überwiegende Zahl (105) in Saarbrücken die Grenze überquerte, die Züge kamen also aus Frankreich.

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Gastel: Nicht nur kontrollieren, auch sanktionieren

„Der Verzicht auf Sanktionen war ein völlig falsches Signal, vor allem an Güterbahnen und Güterwagenvermieter aus unseren Nachbarländern“, sagte Gastel dem RND. Zwar sehe das entsprechende Gesetz vor, dass Züge mit nicht umgerüsteten Waggons so langsam fahren müssen, dass sie nicht mehr Krach als umgerüstete Wagen erzeugen. Das aber sorgt aus Sicht des Grünen-Abgeordneten für das nächste Problem. „Solche Langsamläufer blockieren die Strecken und sind im Netz regelrechte Kapazitätsfresser.“ Die Züge können nicht 80 oder 100 Stundenkilometer schnell fahren, sondern laut Gastel eher 40 oder 50. Die Deutsche Bahn (DB) spricht sogar von 20 bis 30 Stundenkilometer im Schnitt.

Der Grünen-Abgeordnete fordert nun, „dass ab Dezember dieses Jahres Verstöße gegen das Einsatzverbot lauter Güterwagen nicht nur kontrolliert, sondern auch sanktioniert werden.“ Von einer strikten Umsetzung der Regeln erhofft er sich eine erzieherische Wirkung: „Mittlerweile sollte jeder Güterwagenvermieter im Ausland mitbekommen haben, das man mit nicht umgerüsteten Waggons im Deutschen Netz allenfalls im Schleichtempo vorankommt.“

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Auch vom Bündnis Allianz pro Schiene gab es Kritik an der Umsetzung des Schienenlärmschutzgesetzes. Dabei wird auf die Schweiz verwiesen. Dort wurde schon Anfang 2020 ein striktes Einsatzverbot für die Krachmacher unter den Güterzügen verhängt. Seither seien praktisch keine lauten Güterwagen mehr auf das Schweizer Netz gelangt, und Beeinträchtigungen des Transitbahnverkehrs habe es auch nicht gegeben.

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