Fleischindustrie: Steigende Preise durch Werkvertragsverbot möglich

  • Die deutsche Fleischwirtschaft prognostiziert deutlich steigende Fleischpreise.
  • Grund dafür ist das von der Bundesregierung geplante Verbot für Werkverträge.
  • Der Verbraucherpreis dürfte demzufolge um 10 bis 20 Prozent je Kilo und Produkt ansteigen.
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Osnabrück. Die deutsche Fleischwirtschaft hält das von der Bundesregierung geplante Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in ihrer Branche für verfassungswidrig und prognostiziert deutlich steigende Fleischpreise. Das geht aus einer Stellungnahme des Sozialpolitischen Ausschusses der Branche zum Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hervor, berichtet die “Neue Osnabrücker Zeitung” (Samstag). Im Schreiben heiße es, es sei nicht erklärbar, warum beim Portionieren und Verpacken von Käse künftig anderes Arbeitsrecht gelten solle als bei Wurst. Das Gesetz stelle eine “abstruse Ungleichbehandlung” gegenüber anderen Branchen dar.

Produktion in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig

Die Fleischwirtschaft sei auch künftig auf Leiharbeiter angewiesen, um Produktionsspitzen etwa zur Grillsaison abfangen zu können. Würden Werkvertrag und Leiharbeit verboten, verteure das die Produktion. "Der Verbraucherpreis dürfte demzufolge um 10 bis 20 Prozent je Kilo und Produkt ansteigen", heiße es in der Stellungnahme. Es sei damit zu rechnen, dass die Produktion ins Ausland abwandere - inklusive der Tierhaltung. Eine Herstellung in Deutschland sei dann nicht mehr wettbewerbsfähig.

Die Fleischwirtschaft widersprich damit Gewerkschaftern. Unter anderem der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in der Region Oldenburg/Ostfriesland, Matthias Brümmer, hatte kürzlich betont, der Lohnkostenanteil in der Fleischindustrie sei verschwindend gering. Er liege "vielleicht bei fünf Prozent". Erhielten die Beschäftigten einen tariflichen Stundenlohn von 15 Euro, würde etwa das Kilogramm Schweinefleisch nach seiner Rechnung um neun Cent teurer werden.

Branchentarifvertrag als Alternative

In der Stellungnahme der Fleischwirtschaft wird ein Branchentarifvertrag als Alternative genannt. Dieser "wäre das effektive Mittel, um Schlupflöcher für schwarze Schafe zu schließen". In diesem könnten dann auch Vorgaben zur Unterbringung von Leiharbeitern gemacht werden. In einem Gesetz sei dies indes nicht möglich.

RND/epd

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