Fleischkonferenz ohne Ergebnis: Nichts weiter als Symbolpolitik

  • Die Beschlüsse der Agrarministerkonferenz zu einer verbesserten Tierhaltung in deutschen Ställen sind nichts weiter als Symbolpolitik.
  • Denn 40 Cent Preisaufschlag pro Kilo Fleisch und Wurst schmerzen weder Massenhersteller noch Konsumenten – und machen kleinere Betriebe, die sich am Tierwohl orientieren, nicht profitabler.
  • Wenn's um die Wurst geht, gewinnt immer die Fleischlobby, meint Daniel Killy.
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Zwei Dinge vorab: Es gibt kein Recht auf billiges Fleisch, auch wenn günstige Preise gern als sozialpolitische Pflicht verbrämt werden. Und auch der Autor dieses Kommentars schätzt ein gutes Steak. Die Zustände in Deutschlands Massentierhaltung und die ideologische Querfront der Billigfleischverfechter hierzulande vergällen allerdings zusehends den Appetit auf Wurst und Co.

Die Politik unternimmt dagegen viel zu wenig. Eine Konferenz der deutschen Agrarminister hat am Donnerstag Lösungen einmal mehr in die Zukunft geschoben. Es sei nun eine Machbarkeitsstudie auf dem Weg, deren Ergebnisse sie im Frühjahr vorstellen werde, kündigte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) an. Ziel seien Gesetzesvorschläge zum kurz-, mittel- und langfristigen Umbau der Tierhaltung in dieser Legislaturperiode. Das klingt alles andere als konkret.

Ein Beispiel: In Deutschland kostet ein Kilo Rinderkeule im Durchschnitt aktuell 10,64 Euro. In Italien 15,08 Euro, in Frankreich 16,13 und in der Schweiz gar 46,11 Euro. Warum diese drei Länder? Weil sie allesamt für Esskultur stehen. Ein Kilo Hähnchenkeulen gibt’s hierzulande tagesaktuell für 2,42 Euro. Wen wundert es bei solchen Schleuderpreisen, dass die Zustände in der Fleischindustrie eher an Horrorfilme erinnern als an einen würdevollen Umgang mit Mitgeschöpfen?

Von Empathie mit dem Tier kann angesichts der Vorschläge der Borchert-Kommission, etwa den Kilopreis um 40 Cent zu erhöhen, keine Rede sein. Aber mit Symbolpolitik ist weder den ethischen Problemen unserer Fleischindustrie noch den gesundheitlichen und umweltpolitischen Implikationen des Billigfleisches beizukommen. Was wir bräuchten, das wäre ein komplettes Umdenken: bei Industrie, Politik – und Konsument.

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