Telefónica-Chef: Flächendeckendes 5G-Netz bis 2025

  • Telefónica steht kur vor der Erfüllung der staatlichen Vorgaben zum LTE-Ausbau.
  • Bis 2025 will das Unternehmen ein flächendeckendes Netz errichtet haben.
  • Chef Markus Haas erzählt im RND-Interview, wie der Mobilfunk langfristig auch als Ersatz fürs Festnetz dienen kann.
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Telefónica-Chef Markus Haas kann schon fast Vollzug melden. Der Mobilfunker wird demnächst die Vorgaben für den Netzausbau mit der LTE-Technik erfüllt haben. Beim neuen erheblich schnelleren 5G-Standard will er bis 2025 ein flächendeckendes Netz errichtet haben. Er sieht den Mobilfunk langfristig auch als Ersatz fürs traditionelle Festnetz.

5G verbessert die Mobilfunkversorgung signifikant

Herr Haas, 5G bringt neuen Schwung in den Mobilfunk. Sie müssen noch die staatlichen Vorgaben für den Netzausbau der Vorgängertechnik 4G erfüllen. Wie weit sind Sie damit?

Wir sind in einer Hochinvestitionsphase trotz Corona. In diesem, nächstem und übernächstem Jahr investieren wir insgesamt vier Milliarden Euro in Deutschland. Wir haben von der Bundesnetzagentur eine Zusatzfrist bis Ende des Jahres bekommen, um alle 4G-Auflagen zu erfüllen, und wir kommen gut voran. Ganz konkret: In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen als erstem Bundesland im ehemaligen Osten haben wir nun vorzeitig unsere Ziele erreicht. In Niedersachsen haben wir 800 neue 4G-Sender in Betrieb genommen. In Schleswig-Holstein sind es rund 280, in Sachsen sind es etwa 620.

Was bringt das konkret für die Nutzer?

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Das bringt eine signifikante Verbesserung der Mobilfunkversorgung für die Bevölkerung. Das wird sich in einer höheren Kundenzufriedenheit und bei auch bei den für die Verbraucher wichtigen Netztests in besseren Bewertungen niederschlagen. Insgesamt haben wir in diesem Jahr rund sieben Millionen Menschen zusätzlich 4G zur Verfügung gestellt.

Endspurt im Lockdown Light

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Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?

In NRW und in den Stadtstaaten haben wir unsere Hausaufgaben schon länger erledigt. Und in Hessen sind wir sehr gut unterwegs. Seit Jahresbeginn haben wir dort 940 4G-Sender in Betrieb genommen. 96 Prozent der Vorgaben in Hessen haben wir damit schon erfüllt, den Rest werden wir voraussichtlich noch in diesem Monat schaffen. Wir arbeiten sehr hart daran, bis Jahresende die bundesweite Versorgungsauflage bei 4G zu erreichen – trotz Corona-Lockdown. Ich bin hier zuversichtlich – aber wir sind auch noch nicht am Ziel!

Warum gab es diese Verzögerungen beim Netzausbau? War es das Kalkül, um Geld zu sparen oder ist Ihnen die Verspätung peinlich?

Das war nicht geplant und sicher auch kein Kalkül. Vor sechs Jahren wurden Telefónica /o2 und E-Plus, im Anschluss zwei Netze, zu einem Netz zusammengeführt. Das war sehr aufwendig und ein äußerst komplexes Projekt. Auch deshalb hat uns die Bundesnetzagentur eine Verlängerung der Frist gewährt, die eigentlich Ende 2019 ausgelaufen war. Im Frühjahr kamen Lieferengpässe bei einem Hersteller unserer Netztechnik hinzu und der Corona-Lockdown erschwerte die Grenzüberschreitungen unserer Aufbauteams zusätzlich. Die dadurch entstehenden Rückschläge haben wir mittlerweile aufgeholt und unser O2-Netz enorm verbessert. Im „Lockdown Light“ legen wir nun zum Endspurt an!

Flächendeckendes Netz bis 2025

Jetzt geht es um 5G. Wie weit ist Telefónica da?

In der Fläche ist zunächst weiter 4G wichtig, weil der allergrößte Teil der aktuell genutzten Smartphones mit dieser Technik funktioniert. Weniger als 5 Prozent der Deutschen nutzen derzeit 5G-Smartphones. Am Ende des Tages gibt der Verbraucher den Takt vor, und in den nächsten Jahren wird 4G weiter die wichtigste technologische Basis für mobile Daten sein. Mit dem neuen iPhone wird die Nutzung 5G-fähiger Smartphones Fahrt aufnehmen. Und Anwendungen werden folgen. Wir sind somit genau zum richtigen Zeitpunkt mit dem Ausbau unseres 5G-Netzes gestartet – zunächst in den Städten. Wir werden die neue Technik zügig ausrollen und wollen da 2025 ein flächendeckendes Netz haben. Das ist unser Versprechen an unsere 5G-Kunden. Die meisten Anwendungen können sie noch eine ganze Weile auch komfortabel über 4G nutzen. Und darauf kommt es an. Nicht darauf, was man auf dem Display sieht.

Wie hart wird mit der neuen Technik um Kunden und Marktanteile gekämpft? Oder wird es eher kooperativ zugehen?

Die Umsätze der Mobilfunker sind hierzulande stabil, zugleich steigt das Datenvolumen. Alle Netzbetreiber müssen investieren, deshalb gibt es einen deutlich höheren Anreiz zu kooperieren, insbesondere an unwirtschaftlichen Standorten. Daher werden wir dort mit der Telekom und Vodafone insgesamt 6000 Standorte gemeinsam bauen.

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Individuelle Technik für jeden Haushalt

Die Nutzer können sich darüber freuen, dass sie immer mehr Daten für immer weniger Geld nutzen können?

Deutschland gehört schon jetzt zu den drei preiswertesten Mobilfunkländern in Europa. Wir haben sehr niedrige Einnahmen pro Nutzer, weil fast die Hälfte der Kunden immer noch im Prepaid-Segment unterwegs ist, und da liegt der durchschnittliche Umsatz pro Kunde und Monat bei etwa sechs Euro. Das zeigt: Im Wettbewerb sind wir gut unterwegs. Wir haben rund 40 Marken, die Tarife anbieten. Gute Qualität setzt sich dennoch durch. Weil sich immer mehr digitale Anwendungen auf mobile Geräte verlagern. Das mobile Datenvolumen steigt jährlich bis zu 50 Prozent an, derzeit vor allem wegen Netflix und anderer Streaming-Angebote. Der Trend ist ungebremst. Das wird vermutlich die nächsten Jahre so weitergehen. 5G wird vor allem dabei helfen, dass an Orten mit vielen Menschen alle Kunden große Datenmengen nutzen können – beispielsweise in Fußballstadien. Das Mobiltelefon kann künftig auch ein echter Festnetzersatz werden. Grundlage sind Datentarife ohne Limit, mit denen man genauso schnell oder manchmal sogar schneller als per Festnetz surft.

Was bedeutet das langfristig für die Kunden?

Sie werden bei uns künftig nur noch eine Übertragungsgeschwindigkeit kaufen, die Technik dahinter wird für den Verbraucher immer irrelevanter. Für einen Singlehaushalt etwa ist ein Homespot, der mit Mobilfunktechnik funktioniert und einfach an die Steckdose angeschlossen wird, völlig ausreichend. Eine vierköpfige Familie wird eher einen Glasfaseranschluss mit hoher Bandbreite nutzen. Wir können jedem Haushalt für zu Hause – angepasst an das Nutzungsverhalten – die beste und preiswerteste Technik anbieten, und zwar inklusive des mobilen Angebots mit schnellen Verbindungen. Das wollen die Kunden heutzutage.

Der Hauptfokus liegt auf dem Mobilfunk

Dennoch steigt Telefónica wieder verstärkt in das Festnetzgeschäft ein. Sie wollen in einem Joint Venture mit der Allianz-Versicherung Glasfasernetze ausbauen. Was sind die Gründe dafür?

Solche Netze sind für langfristig orientierte Investoren hoch interessant. Deshalb will vor allem die Allianz in dem Joint Venture investieren. Wir sehen sehr gute Chancen, in ländlichen Gebieten, wo es kaum Infrastruktur gibt, solche Premium-Glasfaseranschlüsse zu vermarkten. Außerdem können wir diese Netze mit unserer Mobilfunkinfrastruktur verknüpfen. Aber unser Hauptfokus bleibt noch über Jahre der Mobilfunk.

Wie beurteilen Sie in diesem Kontext die Debatte über das sogenannte Nebenkostenprivileg? Bei Kabelanschlüssen, die auch schnelle Internetverbindungen ermöglichen, wird gerade heftig darüber diskutiert, ob die günstigen Tarife für Mieter, die über die Nebenkosten abgerechnet werden, abgeschafft werden.

Dieses Nebenkostenprivileg ist eine Regelung aus den 80er-Jahren. Ziel war seinerzeit, die Kabelanschlüsse zu verbreiten. Dieses Ziel ist mittlerweile längst erreicht. Zugleich gibt es zahlreiche Angebote für den Fernsehempfang, die erheblich günstiger sind. Wir bieten beispielsweise TV übers Internet für 5 Euro pro Monat an – mit rund 100 deutschsprachigen Sendern. Aber Mieter, die ihren Kabelanschluss zwangsweise über Nebenkosten bezahlen müssen, werden so ein Produkt trotz des günstigen Preises niemals bestellen. Das bedeutet: Der Wettbewerb auf dem Fernsehmarkt wird durch das Nebenkostenprivileg klar eingeschränkt. Denn niemand will doppelt bezahlen. Deshalb ist es aus unserer Sicht absolut gerechtfertigt, dass man das Nebenkostenprivileg mit einer Übergangsfrist langsam aber sicher auslaufen lässt.


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