Finanziell abgesichert: Was taugen Krebspolicen?

  • Krebs ist eine Volkskrankheit, die Betroffene das Fürchten lehrt.
  • Damit einher gehen oft finanzielle Nöte.
  • Gegen die kann man sich versichern - doch Verbraucherschützer warnen.
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Hannover. Die Diagnose ist oft ein Schock. Bei etwa einer halben Million Deutschen wird nach Auskunft des Robert Koch-Instituts jedes Jahr neu Krebs festgestellt. Neben der Krankheit selbst bedrängen dann oft auch finanzielle Risiken, wenn man nicht mehr arbeiten kann. Denn Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist in der Regel auf sechs Wochen begrenzt. Dagegen sind seit einiger Zeit spezielle Policen auf dem Markt. Als Marktführer dieser Krebs-Versicherungen sieht sich das Berliner Jungunternehmen Getsurance, das diese seit Ende 2018 hier zu Lande anbietet. „Das Besondere ist, dass wir schnell auszahlen können“, wirbt Getsurance-Gründer Viktor Becher.

Er findet seine Police, bei der man Deckungssummen zwischen 10.000 und 50.000 Euro wählen kann für sehr sinnvoll. Krebs sei eine ausgesprochene Volkskrankheit, mit der oft auch finanzielle Nöte einhergingen. „Wir haben bisher immer binnen 48 Stunden nach Diagnoseeingang gezahlt“, sagt der Berliner Jungunternehmer. Die Versicherung sei auch bei Abschluss unkompliziert. Die Gesundheitsprüfung sei auf die Selbstauskunft beschränkt, nicht schon an Krebs erkrankt zu sein. Dazu kommen wenige Klicks im Internet.

Verbraucherschützer warnen

Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten (BdV) oder Elke Weidenbach bezweifeln die Sinnhaftigkeit der Police dagegen entschieden. „Das ist nur eine Ausschnittsdeckung für eine einzige Krankheit“, sagt die Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Krebs sei zwar schlimm und häufig. Die Krankheit war in Deutschland zuletzt statistisch etwa für 15 Prozent aller Fälle von Berufsunfähigkeit verantwortlich. „Psychische Erkrankungen sind aber bedeutender“, stellt Weidenbach klar.

Wegen ihnen konnten verglichen mit Krebs zuletzt gut doppelt so viele Deutsche ihren Beruf nicht mehr ausüben. So gesehen seien Krebspolicen weder günstig noch umfassend.

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BdV: Krebspolicen haben zahlreiche Fallstricke

Auch der BdV warnt und sieht Krebspolicen als Geschäft mit der Angst vor Krankheit und Tod. „Niemand sollte sich hinreissen lassen, einen solchen Versicherungsvertrag abzuschließen“, sagt BdV-Expertin Bianca Boss. Derartige Policen hätten zudem zahlreiche Fallstricke, die im Leistungsfall zu bösen Überraschungen führen könnten.

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So greife eine solche Police etwa bei schwarzem Hautkrebs erst, wenn die operierte Stelle zwei Millimeter übersteige oder bei Leukämie nur, wenn die entstandene Blutarmut Krankheitssymptome auslöst. BdV und Verbraucherschutzzentralen raten als Mittel der Wahl vielmehr zu einer Police gegen Berufsunfähigkeit (BU), die alle Krankheiten und nicht nur Krebs umfasst.

Unternehmer widerspricht der Kritik

Becher findet die Kritik unfair. Unter zwei Millimetern befallener Fläche sei Hautkrebs nicht wirklich bedrohlich und ohne Symptome könne man weiter arbeiten, habe also kein finanzielles Risiko, argumentiert er. „Unsere Police ist für schwere Krankheitsfälle gedacht, wir kalkulieren die Beiträge nach den Grundsätzen der Versicherungsmathematik und haben eine marktübliche Marge eingeplant“, versichert der Getsurance-Gründer, der sein Unternehmen 2016 aus der Taufe gehoben hat.

Bei gängigen BU-Policen müssten Betroffene zudem oft ein halbes Jahr auf Geld warten, weil die Prüfung des Anspruchs so lange dauere. „Erkrankte finden sich monatelang im Niemandsland wieder“, sagt Becher. Sie bräuchten aber schnell Geld. Bei Getsurance gebe es auch kein medizinisches Kauderwelsch in den Vertragsbedingungen.

Hohe Beiträge für Krebspolicen

Was die Monatsbeiträge für eine Krebspolice betrifft, räumt er ein, dass die in der eigenen Werbung angesprochenen 9,95 Euro nur sehr junge Menschen zahlen. Im Schnitt schwanke ein Monatsbeitrag bei durchschnittlicher Deckungssumme zwischen 20 und 25 Euro. Wenn sich ein 59-jähriger auf maximale 50.000 Euro gegen Krebs versichern will, werden gut 67 Euro Monatsbeitrag fällig. In dem Alter sind allerdings Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit noch weit teuerer und oft so gut wie unbezahlbar. Das gilt auch bei Vorerkrankungen wie Asthma, die hohe Zuschläge auslösen.

Auch Verbraucherschützerin Weidenbach kennt solche Fälle. Sie rät, eine BU-Police, die unter Experten grundsätzlich als eine der sinnvollsten Versicherungen überhaupt gilt, frühzeitig in jungen Jahren abzuschließen. Dann seien die Beiträge gering und es lägen in aller Regel noch keine beitragstreibenden Grunderkrankungen vor. Für ihre 26-jährige Tochter koste eine solche Police über 1.500 Euro monatliche BU-Rente beispielsweise 70 Euro monatlich. Eine Krebspolice tauge aus ihrer Sicht allenfalls als abrundendes i-Tüpfelchen. „Ein Schnäppchen für das Risiko Krebs ist das nicht“, ergänzt Boss mit Blick auf gängige Monatsbeiträge für Krebspolicen.

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