Angeschlagener Ferienflieger: Condor-Rettung zeichnet sich ab

  • Das Coronavirus und seine Folgen haben auch dem Ferienflieger Condor übel mitgespielt.
  • Nun zeichnet sich ab, dass die Bundesregierung der Airline hilft.
  • Ein Einstieg des Staates nach RND-Informationen ist aber nicht geplant.
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Eine Rettung des schwer angeschlagenen Ferienfliegers Condor steht unmittelbar bevor. Die Verhandlungen mit der Bundesregierung sind nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) weit fortgeschritten. Eine Vereinbarung werde „möglichst bald“ angestrebt, heißt es in Branchenkreisen. Kern des Konzepts soll ein Kredit aus dem Corona-Sonderprogramm der staatlichen Förderbank KfW sein. Ein Einstieg des Staates ist aber nicht geplant.

Der Ferienflieger war mit seinen 4900 Beschäftigten und seinen 50 Jets voriges Jahr im Herbst in den Strudel der Pleite des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook geraten. Das Management beantragte ein Schutzschirmverfahren – das ist die mildeste Form eines Insolvenzverfahrens. Zugleich gewährten die Bundesregierung und die hessische Landesregierung einen Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro. Im Januar wurde ein Kaufvertrag mit der polnischen Staatsholding PGL unterschrieben, zu der auch die Fluggesellschaft LOT gehört.

Anfang der Woche ließen die Polen den Deal aber platzen. „Derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit PGL, um mögliche Rahmenbedingungen des Rücktritts zu definieren. Zudem prüfen wir, wie wir unsere Ansprüche aus den unterschriebenen Kaufverträgen geltend machen werden“, sagte eine Condor-Sprecherin dem RND.

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Wem gehört das unternehmen überhaupt?

Zu der Übernahme sollte vor allem auch gehörten, dass der Kredit zurückgezahlt wird, und zwar bis zum Mittwoch. Doch nun wird die Frist offenbar bis Freitag verlängert. Der Ferienflieger hängt derzeit in der Luft. Es stellt sich nicht nur die Frage, was mit dem Darlehen wird, sondern auch, wem das Unternehmen jetzt überhaupt gehört. „Es gibt verschiedene Optionen für die zukünftigen Eigentumsverhältnisse, wie beispielsweise eine Treuhänderstruktur“, betont die Condor-Sprecherin. Sie fügt hinzu: „Zudem sind wir in Gesprächen zu Staatshilfen wegen der Auswirkungen der Coronakrise.“ Es läuft auf eine Art Umschuldung hinaus.

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Für Branchenkenner ist klar, dass die Bundesregierung dieser Transaktion zustimmen wird. Einerseits wurde mit dem Überbrückungskredit bereits de facto attestiert, dass der Ferienflieger unverschuldet in eine Krise geraten war. Andererseits wurden bereits Staatshilfen für den Touristikkonzern TUI nebst Airline-Tochter TUIfly und für den Reiseveranstalter FTI bewilligt. Zudem wird über ein großes Hilfspaket für die Lufthansa verhandelt. Und schließlich wurde der Kollaps der Fliegerei durch die Reisebeschränkungen ausgelöst, die die Bundesregierung erlassen hat.

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Es geht um hunderte Millionen Euro

Bei dem neuen KfW-Sonderprogramm für Großunternehmen fallen Zinsen zwischen zwei und 2,12 Prozent pro Jahr an. Die Staatsbank steht für 80 Prozent der Kreditsumme gerade, den Rest müssen die Hausbanken tragen. Offenbar ist geplant, dass Condor deutlich mehr als die 380 Millionen Euro des Überbrückungskredits erhalten soll, um das Unternehmen über mehrere Monate über Wasser zu halten.

Dass der Bund direkt bei der Airline einsteigt, sei indes „nicht wahrscheinlich“, heißt es. Unter anderem die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat sich für eine Kapitalbeteiligung des Staates stark gemacht. Die angestrebte Treuhand-Konstruktion bedeutet: Ein auf solche Fälle spezialisiertes Unternehmen übernimmt für eine Übergangzeit im Auftrag von Bundesregierung und Condor die Funktion eines Eigentümers. Zugleich würde aber das Management um Vorstandschef Ralf Teckentrup die Geschäfte weiterführen.

Mundschutzmasken statt Touristen im Flieger

Ziel der Übergangslösung soll auch sein, das Schutzschirmverfahren schon bald zu beenden. Condor könnte dann als kernsaniertes Unternehmen neu starten – schon für den PGA-Deal musste das Management an vielen Schrauben drehen, um die Airline effizienter zu machen. Mit Gewerkschaften wurden neue Tarifverträge ausgehandelt.

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Als nächster Schritt soll die Suche nach einem neuen Investor angegangen werden. Wann das wieder aussichtsreich sein könnte, ist indes derzeit völlig offen. Alles hängt vom Wiederanlaufen des Tourismusgeschäfts ab. Condor hat den üblichen Ferienflugbetrieb eingestellt und stattdessen in den vergangenen Wochen Tausende gestrandeter Urlauber im Auftrag des auswärtigen Amts nach Hause geholt. Nun befördert die Airline Erntehelfer für hiesige Landwirte. Außerdem ist sie kurzfristig in das Frachtgeschäft eingestiegen. Die Maschinen transportieren unter anderem Mundschutzmasken und Schutzbekleidung. Die Jets haben kürzlich aber auch Post die Karibik geflogen und auf dem Rückflug Melonen mitgebracht.

Indes werden in der Branche schon mehrere potenzielle Bewerber gehandelt. Schon im vorigen Jahr galten Finanzinvestoren als Favoriten für eine Akquisition. Andere Airlines kommen ebenfalls in Frage. Allen voran die Lufthansa, deren Chef Carsten Spohr in besseren Zeiten sein Interesse mehrfach öffentlich bekundete. Auch für Reiseveranstalter ohne eigene Flugzeugflotten ist Condor wichtig. Dabei spielt auch eine Rolle, dass neben Lufthansa und TUIfly eine weitere große Airline für die hiesige Ferienfliegerei zur Verfügung stehen soll.

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