Fall Wirecard und kein Ende: Neue Festnahme „wegen Vermögensdelikten“

  • Die Staatsanwaltschaft hat einen Partner des früheren Wirecard-Vorstands Jan Marsalek festnehmen lassen.
  • Der Verdacht der Geldwäsche steht im Raum.
  • Es geht um Millionensummen.
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München. Die Münchner Staatsanwalt äußert sich nur zurückhaltend über den Mann, den sie diesen Dienstag hat festnehmen lassen. „Wir ermitteln gegen Herrn V. wegen Vermögensdelikten“, sagt eine Justizsprecherin auf Anfrage und will keine weiteren Details nennen. Der Betroffene, der gegen Auflagen mittlerweile wieder aus der Haft entlassen wurde, ist als Manager der Beteiligungsgesellschaft IMS Capital aber relativ leicht zu identifizieren, was den Fall in die Nähe der Skandalfirma Wirecard bringt.

Denn über IMS soll der flüchtige ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek Millionensummen in die Start-up-Firma Getnow investiert haben. Was die Staatsanwaltschaft dabei besonders interessiert, ist die Herkunft der Millionen. Sie könnten illegal aus Wirecard abgezweigt und über IMS gewaschen worden sein. Geldwäsche ist ein Vermögensdelikt. Ob die Münchner Staatsanwaltschaft deshalb gegen Aleksandar V. ermittelt, will sie nicht sagen.

„Die Ermittler folgen der Spur des Geldes“, erklärt dagegen eine mit den Vorgängen vertraute Person. Der in Untersuchungshaft sitzende ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun soll Marsalek vor einigen Jahren 50 Millionen Euro geliehen haben, was an sich schon ein bemerkenswerter Vorgang ist. Marsalek habe das Geld später zumindest teilweise wieder zurückgezahlt, aber auch in ein Start-up investiert, haben mehrere Medien berichtet.

Bekannt ist auch, dass Wirecard-Konten in den Monaten vor der Pleite von Zugriffsberechtigten geplündert und über ungesicherte Kredite jeweils dreistellige Millionensummen aus dem ehemaligen Dax-Konzern in dunkle Kanäle abgeleitet wurden. Die Frage ist nun, was es mit den über IMS bei Getnow investierten Geldern auf sich hat. Sind sie sauber oder schmutzig?

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Die Website des insolventen Lieferdienstes Getnow am 29.10.20. © Quelle: Screenshot RND/Twitter

Brauns Anwälte haben dem Vernehmen nach jeden Verdacht, beim Privatkredit von Braun an Marsalek könnte es sich um zur Geldwäsche bestimmtes Schwarzgeld handeln, im Namen ihres Mandanten zurückgewiesen. Falls das stimmt, ist Getnow ein vom Wirecard-Skandal unabhängiger Fall. Das Start-up hat soeben wenige Tage nach IMS ebenfalls Insolvenz angemeldet, weil eine Investorenrunde geplatzt ist. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Ermittler einem Geldwäschefall auf der Spur sind, der unmittelbar mit Wirecard zu tun hat.

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Gegen Verantwortliche des Skandalkonzerns wird auch wegen dieses Verdachts ermittelt. Klar ist, dass IMS mit Marsalek in enger Verbindung stand. Die Firma war Mieter einer Villa im Münchner Nobelviertel Bogenhausen, die auch Marsalek genutzt hat. Sollte sich am Ende herausstellen, dass in Getnow illegales Wirecard-Geld investiert wurde, ist das allerdings auch von der Justiz kaum rückholbar. Denn Getnow ist pleite.

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