Weltläden fordern ein Dumpingverbot

  • Fairer Handel ist im Corona-Jahr geschrumpft.
  • Das Geschäft leidet auch unter dem Preiskampf.
  • Die Branche fordert eine Gesetzesänderung.
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Es ist ein Corona-Knick, auf den Matthias Fiedler blickt: Um knapp 3 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro sind die Umsätze mit fair gehandelten Produkten im vergangenen Jahr in Deutschland gesunken. Davor waren sie mehr als ein Jahrzehnt lang kontinuierlich gestiegen.

Der Geschäftsführer des Forums Fairer Handel (FFH) hofft zwar in diesem Jahr wieder auf ein kleines Plus, aber die Pandemie hat auch Geschäft verschoben. Die Betriebe seien im vergangenen Jahr „an die wirtschaftliche Schmerzgrenze gegangen, um sich gegenseitig zu unterstützen“, sagt Fiedler.

Heftiger Preiskampf

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Während die im FFH zusammengeschlossenen Weltläden mit ihrem gemischten Sortiment im Lockdown oft schließen mussten, machten die Discounter Rekordgeschäfte. Auch dort gibt es Waren mit Fairtrade-Siegel, die großen Ketten machen inzwischen den Löwenanteil dieses Geschäfts. Aber gleichzeitig liefern sie sich einen heftigen Preiskampf bei Lebensmitteln.

Gerade bei Kaffee und Bananen locken Discounter die Kunden oft mit Sonderangeboten. „Dass die deutschen Supermärkte und Discounter in der Corona-Krise Rekordgewinne eingefahren haben, verdeutlicht, woran das System krankt“, sagt Fiedler.

Auf Kaffee allein entfallen 30 Prozent des Geschäfts mit fair gehandelten Lebensmitteln, die wiederum drei Viertel des Branchenumsatzes ausmachen. Der Umsatz mit fair gehandelten Bananen sei im vergangenen Jahr um 14 Prozent geschrumpft, berichtet das FFH und sieht den Grund im „extremen Preiskampf der großen Discounter“. So werde fair gehandelten Produkten das Wasser abgegraben, warnte die FFH-Vorstandsvorsitzende Andrea Fütterer. Das treffe die Erzeuger.

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Dumpingverbot gefordert

Der Verband fordert deshalb eine Nachbesserung des jüngst verabschiedeten Lieferkettengesetzes. Ein Verbot für Dumpingpreise auf Lebensmittel müsse dort zusätzlich aufgenommen werden. Freiwillige Absichtserklärungen des Handels hätten in der Realität keinen Bestand. Es dürfe keine Endverbraucherpreise unter den Erzeugungskosten geben.

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Aufgeschlossenheit für diese Forderung im Bundestag gebe es. Vor der Wahl im September werde aber nichts mehr beschlossen, die neue Regierung müsse sich des Themas annehmen. Andernfalls würden Kaffeepflücker oder Erntearbeiter auf Bananenplantagen zu Hungerlöhnen verurteilt und Kinderarbeit erzwungen, weil anders die vom Handel verlangten Abgabepreise nicht zu erreichen wären. Beim Thema Tierwohl würden die Handelskonzerne nun reagieren und verantwortungsbewusster einkaufen.

Hoffnung auf Wachstum

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Die Corona-Krise habe bestehende ungleiche Machtverhältnisse entlang vieler Lieferketten noch verstärkt, warnt der Verband. Im Lebensmittelbereich teilen sich vier große Handelsketten rund 85 Prozent des Marktvolumens. Für 2021 erwartet Fiedler mindestens eine Stabilisierung der bundesweiten Umsätze mit fair gehandelter Ware. Vielleicht gebe es am Ende auch schon wieder ein kleines Plus. Dann wäre das Corona-Jahr 2020 nur ein Ausrutscher auf dem langjährigen Wachstumspfad gewesen.

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