Viele Probleme sind hausgemacht

Experte erklärt: Warum Deutschland für ausländische Fachkräfte kein Traumland ist

An Fachkräften mangelt es in Deutschland. Ein neues Gesetz der Bundesregierung soll das ändern.

An Fachkräften mangelt es in Deutschland. Ein neues Gesetz der Bundesregierung soll das ändern.

Hannover. Die Bundesregierung hat am Mittwoch vereinfachte Regeln für Einreise und Anerkennung von Berufs­abschlüssen verabschiedet, um mehr ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu locken. Chris Pyak, Experte für den internationalen Arbeitsmarkt, hält das geplante Gesetz zwar für hilfreich, aber nicht für ausreichend, um Deutschland grundlegend attraktiver für hoch­qualifizierte Menschen aus dem Ausland zu machen.

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„Der Gedanke, viele Menschen wollen nach Deutschland kommen, ist falsch“, sagt Pyak im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Die Gesetzeslage ist dabei ein kleineres Problem.“ Denn es gebe bereits die sogenannte Blue Card für Hochqualifizierte, die jedoch kaum etwas an der grundsätzlicheren Problematik ändere: „In Deutschland werden kaum Stellen auf Englisch angeboten.“

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So würden Unternehmen sogar an Umsatz verlieren, weil sie keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber finden, die alle Voraussetzungen für ausgeschriebene Stellen – allen voran ein hohes Sprachniveau auf Deutsch – erfüllten. Dabei seien die Bewerber oftmals deutlich besser qualifiziert als viele Deutsche.

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„Deutschland hat noch immer viele Illusionen über seine Stellung in der Welt“

„Vor der Corona-Pandemie wurde nur ein Prozent der Stellen auf Englisch ausgeschrieben“, sagt Pyak. Und auch aktuell gebe es nur einen leichten Anstieg auf 4 Prozent. Es sei für Unternehmen unrealistisch, den perfekten Kandidaten für einen Job mit deutscher Stellen­ausschreibung zu finden. „Nur ein Prozent der Welt­bevölkerung spricht Deutsch.“. Diese Menschen kämen jedoch vorrangig aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, müssen folglich gar nicht aus dem Ausland angeworben werden.

„Deutschland hat noch immer viele Illusionen über seine Stellung in der Welt“, sagt der Experte. Für viele Fachkräfte jedoch stelle die Bundesrepublik nur eine Möglichkeit von vielen dar. Wenn die Bedingungen in anderen Ländern schlichtweg besser sind, entscheide sich die Mehrzahl der hochqualifizierten Nicht-Deutschen gegen einen Job hierzulande. Pyak erklärt, dass Deutschland Jahr für Jahr in der Studie der Organisation Internations unter Expats einen der untersten Plätze in der Frage „Wie freundlich sind die Menschen in Ihrem Gastland?“ belege.

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Fachkräfte anwerben: Portugal als Vorbild

Es wäre hilfreicher, Menschen auf Englisch einzustellen und ihnen dann die Möglichkeit zu geben, im Job Deutsch zu lernen, sagt Pyak dem RND. „Man muss in Deutschland viel mehr das Ergebnis im Fokus haben.“ Besser als Deutschland macht es zum Beispiel Portugal, führt der Experte aus. Dort kann man mit einem Touristenvisum einreisen und dann eine Aufenthalts­erlaubnis beantragen. Dazu reiche zunächst der Nachweis darüber, so Puyak, dass man seinen Lebensunterhalt selbst aufbringen kann. Erst viel später spielten Kenntnisse der Landessprache eine Rolle.

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Eine zweite mögliche Maßnahme, um Deutschland attraktiver auf dem internationalen Markt zu machen, sieht der Experte in der Einführung der doppelten Staats­bürgerschaft. Die Pläne der Ampel seien bereits ein Schritt in diese Richtung. Bisher müssen Menschen für die Einbürgerung in Deutschland jedoch die Staats­bürgerschaft des Herkunftslandes aufgeben. „Viele sind dazu einfach nicht bereit“, so Pyak. Und das schrecke wiederum viele Menschen ab.

Rassismus schreckt Fachkräfte ab

Aber nicht nur das: Wichtig ist auch die Frage, ob die Gesellschaft überhaupt bereit ist, Menschen aus dem Ausland aufzunehmen. Denn auch Rassismus spiele hierzulande noch immer eine große Rolle, so Pyak. Einige seiner Klienten, denen er Jobs in Deutschland vermittelt hat, wollten nach kurzer Zeit schnellstens wieder weg. „Auf der Straße in Dresden sah niemand ihren Doktortitel. Nur ihre dunklere Hautfarbe“, sagt Pyak. „Jeder von ihnen wurde regelmäßig beschimpft, bespuckt, bedroht.“ Kein Arbeitgeber könne gut genug bezahlen, damit sich fähige Menschen dermaßen erniedrigen lassen.

Das kann auch direkte Auswirkungen auf deutsche Arbeitnehmer haben. „Eine frühere indische Klientin von mir hat nach einem Jahr ihren Forschungsjob gekündigt und ist weggezogen“, erzählt Pyak. Der Grund: „Die Deutschen waren unfreundlich und sie fühlte sich isoliert.“ Das sei kein Einzelfall, sondern vielmehr der Regelfall. Als Folge musste das Forschungs­projekt ihres Arbeitgebers beendet werden. „Alle deutschen Labor­assistentinnen wurden entlassen.“

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