EZB: Nicht Lagardes letztes Wort

  • Die Notenbank tut in der Coronakrise, was sie kann.
  • Tatsächlich sind ihre Möglichkeiten aber sehr begrenzt, die Konjunktur anzukurbeln.
  • Stattdessen sind vorerst die Regierungen mit Hilfsprogrammen gefragt, kommentiert unser Autor Stefan Winter.
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Die Superlative für Notenbankentscheidungen wurden in der Finanzkrise verschlissen. Die „dicke Berta“ und die „Bazooka“ wurden aufgeboten, Mario Draghi wollte für den Euro tun, „whatever it takes“ – was immer nötig ist. Etwas in dieser Preisklasse hatten die Finanzmärkte am Donnerstag auch von Christine Lagarde erwartet, Draghis Nachfolgerin an der EZB-Spitze. Die Erwartungen waren himmelhoch – und will eine Zentralbank die Märkte bewegen, muss sie deren Erwartungen sogar noch übertreffen. Das hat der EZB-Rat gar nicht erst versucht und den anschließenden Kurssturz in Kauf genommen.

Drohende Rezession als Aufgabe für die EZB

Die Botschaft ist: Die Zentralbank tut, was sie kann, aber eigentlich sind jetzt die Regierungen mit Hilfsprogrammen für die Wirtschaft und bei Bedarf höherer Verschuldung gefragt. Das stimmt, denn tatsächlich sind die Möglichkeiten einer Notenbank derzeit sehr begrenzt, die Konjunktur anzukurbeln. Der Zusammenhang von sinkendem Zins und wachsender Nachfrage funktioniert im Moment nicht.

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Trotzdem war das wohl nicht das letzte Wort der EZB. Es werden nicht stürzende Aktienkurse sein, die weitere Schritte erzwingen – die machen Schlagzeilen, sollten aber nicht die erste Sorge einer Notenbank sein. Die Gefahr droht von den schwächeren Euro-Ländern, denen die Anleger in den vergangenen Tagen bereits den Rücken kehrten. Italien, Spanien, Griechenland – sie müssen für ihre Schulden wieder mehr zahlen. Wie in jeder Krise, egal, welche Ursache sie hat. Führt die Virusepidemie zu einer schweren Rezession, wartet hier die eigentliche Aufgabe der Zentralbank. Und sie kann durchaus noch einen Superlativ nötig machen.

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