Exporte eingebrochen: Eine Kostprobe in Sachen Deglobalisierung

  • Der weltweite Handel ist eingebrochen, Exportweltmeister Deutschland trifft das besonders hart.
  • Ein guter Grund, der Deglobalisierung eine Absage zu erteilen, meint RND-Autor Christoph Höland.
  • Schließlich bekommt die Bundesrepublik gerade eine Kostprobe von der Welt, die sich Trump und Co. herbeisehnen.
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Plötzlich ist real, wovon manche Globalisierungskritiker träumen: Der Welthandel ist eingebrochen, die deutschen Exporte sind am Boden. Das liegt an der weltweiten Corona-Pandemie und wird wohl kaum von Dauer sein. Es bietet allerdings einen Vorgeschmack auf eine deglobalisierte Welt.

Und die ist im Abgang mehr als bitter: Schon im vergangenen März wurden knapp 8 Prozent weniger Waren als im Vorjahresmonat ausgeführt, die Zahlen dürften sich noch weiter verschlechtern. Vielen Bundesbürgern droht Arbeitslosigkeit, längst sind Millionen in Kurzarbeit. Sie werden in den kommenden Monaten weniger Geld auf dem Konto haben.

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Denn so sehr die Deutschen auf Ausbeutung und Umweltverschmutzung in ärmeren Ländern schimpfen: Die weltweite Arbeitsteilung macht den Exportweltmeister Deutschland sehr, sehr reich – auch wenn die Bundesbürger, wie zuletzt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), gern die “Normalität der Globalisierung” kritisieren.

Zum Teil ist die Kritik berechtigt

Dabei haben Kritiker wie Müller in einigen Punkten recht: Wenn die Weltwirtschaft die Umwelt ausbeutet, geht das nicht lange gut. Und wenn Menschen für Billigklamotten in Bangladeschs Fabriken sterben, klebt schlichtweg Blut an unserer Sommerkollektion. Doch das ändert nichts daran, dass es aus deutscher Sicht nicht ohne Globalisierung geht. Diese können und müssen starke, internationale Institutionen gerecht gestalten.

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Den Welthandel zu bremsen, wie es hierzulande bei der Diskussion über die Rückverlagerung der Schutzmaskenproduktion nach Europa im Gespräch ist, wäre hingegen der falsche Weg. Denn damit wird die Büchse der Pandora geöffnet. Schließlich stehen die Trumps dieser Welt schon bereit, setzen auf Handelsschranken und wollen die Globalisierung zurückdrehen. Eine Kostprobe von dieser zweifelhaften Utopie bekommt die Bundesrepublik gerade.

RND


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