Experte: An der Fleischtheke wäre ein Schweinepest-Ausbruch kaum spürbar

  • Seit Jahren grassiert in Osteuropa die Afrikanische Schweinepest und rückt immer näher an Deutschland heran.
  • Sicherheitstechnisch sind die Landwirte gut vorbereitet.
  • Sollte die Schweinpest in Deutschland ausbrechen, hätte das laut Experten wenig Auswirkungen auf die Preise für Fleisch.
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Berlin/Damme. Nach der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Polen sehen Experten eine wachsende Gefahr, dass die Tierseuche auch nach Deutschland kommt. In China hat die dort grassierende Krankheit die Schweinebestände stark dezimiert und die Fleischpreise deutlich in die Höhe getrieben - und damit die Lebenshaltungskosten insgesamt.

Das ist nach Expertensicht für Deutschland nach jetzigem Stand nicht wahrscheinlich. Auf die Verbraucherpreise dürfte sich ein Ausbruch der Schweinepest hierzulande eher wenig auswirken, schätzt Tim Koch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI). Allerdings: "Diese Frage ist extrem spekulativ."

Bei Ausbruch: Nachfrage würde nur kurz einbrechen

Wegen der hohen Hygienestandards und Sicherheitsauflagen in deutschen Schweineställen sei ein Übergreifen der für Menschen ungefährlichen Krankheit auf Hausschweine eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich. Damit sei die Ausgangslage in Deutschland anders als in China, weil mit einer Verknappung der Ware im großen Umfang erst einmal nicht zu rechnen sei.

Koch rechnet aber damit, dass nach einem Ausbruch der Schweinepest in Deutschland zumindest kurzfristig die Nachfrage nach Schweinefleisch einbrechen werde. "Das war bislang immer so, egal ob bei Vogelgrippe oder Dioxin-Eiern." Die Erfahrung zeige aber, dass die Verbraucher danach schnell wieder zu den Produkten greifen.

Handel in der EU trotz Schweinepest möglich

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Auch wenn die Afrikanische Schweinepest in Deutschland nur bei Wildschweinen auftreten sollte, hätte es wirtschaftliche Folgen für die Branche. Schweinefleischexporte in Länder außerhalb der EU wie nach China oder in andere asiatische Länder würden gestoppt, so das Bundeslandwirtschaftsministerium.

Innerhalb der Europäischen Union könnte der Handel hingegen weitgehend aufrechterhalten werden. Nur für Regionen, in denen die Afrikanische Schweinepest (ASP) auftritt, würde es Transport- und Handelsverbote geben, abgestuft nach Zonen. Außerhalb dieser regionalisierten Zonen wäre der Handel weiterhin möglich.

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Auch für das Geschäft mit Kanada, den USA und vielen anderen Ländern gebe es im ASP-Fall keine Beschränkungen, sagte André Vielstädte, Sprecher der Tönnies-Gruppe, des größten deutschen Schlachtkonzerns.

Handelsabkommen außerhalb der EU an Gesundheitsauflagen geknüpft

Für den Handel mit vielen anderen Ländern außerhalb der EU gelten hingegen andere Regeln. Für den Export von tierischen Produkten werden mit den einzelnen Ländern Handelsabkommen geschlossen, die an Gesundheitsauflagen geknüpft sind. Die aktuell geltenden Zertifikate für den Handel von Schweinefleisch mit China und anderen asiatischen Ländern fordern, dass kein ASP-Fall in Deutschland aufgetreten ist. Deutschland verhandelt zwar mit China darüber, auch die in Europa geltenden Regionalisierungsmaßnahmen anzuerkennen, bislang aber ohne Erfolg, hieß es vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Schweinemäster profitieren von Schweinepest in China

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Wegen der Schweinepest in China, dem weltweit größten Verbraucher und Produzenten von Schweinefleisch, sind die Exporte auch aus Deutschland in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Das hatte Auswirkungen auf die Verbraucherpreise in Deutschland: "Der Preis für Schweinefleisch liegt im Schnitt in diesem Jahr 8 Prozent über dem Vorjahresniveau", sagte AMI-Experte Thomas Els.

Sein Kollege Koch rechnet damit, dass die Verbraucherpreise in Deutschland im nächsten Jahr weiter steigen werden. Auch Gummibärchen sind teurer geworden, beobachtete die "Lebensmittelzeitung" - sie bestehen zum großen Teil aus Gelatine, die aus Schweinegewebe hergestellt wird.

Von der Situation profitieren derzeit die Schweinemäster. Aktuell liege der Schlachtpreis bei 2,03 Euro pro Kilo, sagte Matthias Quaing, Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) aus dem niedersächsischen Damme. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnittsschlachtpreis noch bei 1,50 Euro.

Die Preise würden sich erholen

Sollte die ASP nach Deutschland kommen, gingen zunächst die Schweinepreise für die Bauern in den Keller. Wahrscheinlich würden sie sich dann aber recht schnell wieder erholen und wieder in Richtung Weltmarktpreis gehen, vermutet Quaing. Das habe zuletzt das Beispiel Belgien gezeigt, wo im vergangenen Jahr ASP bei Wildschweinen festgestellt worden war.

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Auch dass China letztlich doch wieder Schweinefleisch aus Deutschland abnehmen wird, wenn hier nur Wildschweine an ASP erkrankten, halten die Experten von ISN und AMI für möglich. Wie sich die Märkte in diesem Fall entwickeln, könne keiner vorhersagen, sagt Quaing.

RND/dpa

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