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  • Existenzangst wegen Corona: Was Selbständige und Freiberufler jetzt tun können - wichtige Tipps und Tricks

Corona-Krise: Was können Soloselbstständige gegen die Existenzangst tun?

  • Die Bundesregierung plant wegen der Corona-Krise ein Hilfspaket von über 40 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen.
  • Doch die Betroffenen können darüber hinaus auch selbst etwas unternehmen, um ihre Not zu lindern.
  • Ein Do-it-yourself – insbesondere für die Kultur- und Kreativwirtschaft – im Überblick.
Insa van den Berg
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Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind soloselbstständig, also Ein-Personen-Unternehmen. Zu ihnen gehören unter anderem Ärzte, Gastronomen, Landwirte, Ingenieure, Architekten, Kosmetiker, Floristen, Psychologen und Krankengymnasten. Vor allem aber Kulturschaffende wie Schriftsteller, Musiker, Maler und Filmemacher arbeiten als Einzelunternehmer. Die Corona-Pandemie trifft sie besonders hart, erläutern Betroffene. Oftmals bricht ihr gesamter Verdienst ein. Laufende Kosten müssen sie aber dennoch bestreiten. Berufliche Existenzen stehen auf dem Spiel. Die Politik hat Hilfen versprochen: direkte Zuschüsse, Darlehen, Kredite. Aber Betroffene können zusätzlich zu den angekündigten staatlichen Hilfen selbst etwas unternehmen.

Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD), rät dazu, zunächst bei Finanzamt, Krankenkasse und Vermietern von Gewerberäumen anzurufen. “Betroffene können bei ihrem Finanzamt darum bitten, dass die Einkommenssteuer-Vorauszahlungen ausgesetzt werden.” Diese Abschläge sind aufgrund des Vorjahreseinkommens berechnet worden und erscheinen demzufolge nun möglicherweise enorm hoch. Auch die Krankenkassen können auf Nachfrage Beitragszahlungen zeitlich verschieben. “Dort muss man aber jeden Monat aufs Neue anrufen. Einfach aufhören zu zahlen ist keine Lösung. Dann verlieren Versicherte den Schutz, und das könnte gerade fatal sein”, erklärt Lutz. Ebenso könnten Soloselbstständige mit Geschäft, Büro oder Atelier ihre Vermieter auf eine Lösung der finanziellen Notlage ansprechen. “Es ist ja oft in beiderseitigem Interesse, dass das Mietverhältnis bestehen bleibt.”

Teilrechnungen und Beitragsaussetzungen als Lösung

Eine weitere Möglichkeit, um Einnahmen zu erzielen, ist es, für bereits erbrachte Leistungen Teilrechnungen zu stellen und die Kunden um ein rasches Begleichen zu bitten. Vielleicht stehen auch noch Honorare aus. Dann könnten die jetzt eingetrieben werden. “Bestehende Kunden haben vielleicht auch Ideen, was die Selbstständigen unter den derzeitigen Umständen aus dem Homeoffice anbieten können”, schlägt Lutz vom VGSD vor.

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Ebenso können Betroffene bei den eigenen Ausgaben prüfen, was sie zurückstellen, sparen oder stunden lassen können. “Die Handwerkskammer hat wegen Corona meine Beiträge ausgesetzt”, sagt die Fotografin Mareen Rüegg aus Cottbus.

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Mitglieder der Künstlersozialkasse, der Sozialversicherung für freischaffende Künstler und Publizisten, können ihr voraussichtliches Jahreseinkommen für 2020 nach unten korrigieren. “Ich habe das gemacht, weil sich dadurch die monatlich fälligen Beiträge zur Sozialversicherung reduzieren”, erzählt Kunstmanager Karsten Meissner aus Werder (Havel).

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Webinare und Onlineshop: Alternative Angebote aufbauen

Für Schreibende gibt es den Sozialfonds der Verwertungsgesellschaft Wort, erläutert Bestsellerautorin Nina George. Die Präsidentin des European Writers’ Councils, das rund 160.000 Kreative vertritt, hat an der Vorlage des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller mitgearbeitet. Demnach solle man abgesagte und ausgefallene Veranstaltungen notieren. So können später möglicherweise einfacher Entschädigungen von staatlicher Seite in Anspruch genommen werden.

“Ich nehme jetzt Lernvideos auf”, erzählt die Schriftstellerin, Regisseurin und Bühnenbildnerin Astrid Vehstedt. Sie ist Präsidiumsmitglied der deutschen Schriftstellervereinigung PEN und Mitglied in der Gedok, dem Bundesverband der Gemeinschaften der Künstler und Kunstfördernden. Durch das Schaffen eines neuen digitalen Angebots wie Webinare oder den Aufbau eines Onlineshops können Soloselbstständige ihre Dienstleistung weiterhin verkaufen und sich dafür auch bezahlen lassen.

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Freiberufler in Corona-Krise: Sichtbar bleiben ist wichtig

“Ich will kein Geld ohne Gegenleistung.” Die Dresdner Illustratorin Liane Hoder von “Himbeerspecht” möchte Gutscheine für die Zukunft ausstellen. “Als Graphic Recorder erstelle ich bei Workshops oder Konferenzen visuelle Protokolle in Echtzeit. Wer jetzt bei mir diese Dienstleistung bucht und bezahlt, kann meine Arbeit nach der Pandemie bei mir einlösen.”

Astrid Vehstedt von PEN Deutschland empfiehlt, mit der eigenen Arbeit weiterhin sichtbar zu bleiben. Das zahle sich in der Zukunft aus. “In einer Hamburger Galerie haben Künstler ihre Arbeiten zum Beispiel so gehängt, dass sie auch von draußen gesehen werden können.” Illustratorin Liane Hoder hat aus dem gleichen Grund ein Erklärvideo zur Situation von Selbstständigen für die sogenannten sozialen Netzwerke produziert.

Poetry-Slammer und Comedians bieten kulturelle Darbietungen im Internet an. Musikproduzent Basil Toyo: “Ich schlage die aktuelle Auftragslage mit plumpem Humor tot.” Er hat an dem Titel “My Sharona” der US-amerikanischen Rockband The Knack herumgebastelt und will mit einem Augenzwinkern einen Viralhit zu Corona daraus machen.

Was tun mit der vielen freien Zeit?

  • Wer frei gewordene Zeit sinnvoll ins eigene Unternehmen investieren möchte, kann sich weiterbilden, den eigenen Internetauftritt verbessern oder sich mit anderen vernetzen.
  • Für Projekte, die aus Zeitgründen schon länger auf ihre Verwirklichung warten, kann Geld per Crowdfunding gesammelt werden.
  • Um die Öffentlichkeit weiter auf die Problemlage von Soloselbstständigen aufmerksam zu machen, können Onlinepetitionen unterzeichnet werden.

Weiterführende Informationen:

https://selbststaendige.verdi.de/beratung/corona-infopool

https://www.foerdernetzwerk-kreativwirtschaft.de/

https://kreative-deutschland.de/

Hier geht’s zur Plattform für den Zusammenhalt in Krisenzeiten für Kreative: https://2gather.jetzt/


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