EU gegen Amazon: Cleverness ist nicht strafbar

  • Jahrelang haben Europas Wettbewerbshüter die digitale Wirtschaft ignoriert.
  • Jetzt gehen sie massiv gegen den Handelsriesen Amazon vor.
  • Ob sich damit aber der Marktvorsprung des Konzerns eingrenzen lässt, darf bezweifelt werden, meint Frank-Thomas Wenzel.
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Wer Amazon-Manager fragt, worum es vor allem geht beim Onlinehandel, bekommt zur Antwort: eine radikale Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden. Das ist die eine Seite des Erfolgs von Amazon. Das radikal Einfache hat aber auch Schattenseiten. Es verleitet beispielsweise Kunden dazu, einfach auf das Einkaufswagenfeld zu klicken, wenn die gesuchte Ware gefunden wurde. Oft genug handelt es sich aber gar nicht um das beste oder das preiswerteste Produkt.

Das simple Symbol ist ein komplexes Werkzeug, das Kunden und die Amazon-Website steuert und vor allem dazu beiträgt, die Gewinne des US-Konzerns zu optimieren. Genauso wie der Internetmarktplatz des Konzerns, wo Hunderttausende von Händlern ihre Produkte anbieten. Die Software analysiert, wer dort erfolgreich ist, und Amazon nutzt diese Erkenntnisse für den eigenen Warenverkauf.

Das alles haben die Wettbewerbshüter der EU-Kommission in ihren akribischen, aber immer noch vorläufigen Untersuchungen herausgefunden. Doch darf der Konzern für seine raffinierten Mechanismen bestraft werden, so wie die Kommission es gerne hätte? Schließlich wird kein Händler gezwungen, seine Produkte auf der Amazon-Plattform anzubieten.

Von hier an wird die Sache kompliziert. Der US-Konzern hat im schnell wachsenden E-Commerce hierzulande einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Die Website ist so beliebt, dass Hunderttausende Händler darauf angewiesen sind, dort präsent zu sein. Wenn ein Unternehmen sich eine derartige Position erarbeitet hat, dann besteht die Gefahr, dass es den Basismechanismus der Marktwirtschaft (Wettbewerb) aus den Angeln hebt, dass es zum Monopolisten wird, andere Unternehmen in eine Art Leibeigenschaft zwingt und dem Verbraucher Preise aufzwingt. Das muss eigentlich verhindert werden.

Ob es bei Amazon noch gelingt, ist fraglich. Zu lange haben die Wettbewerbshüter die Internetbranche ignoriert. Nun will die EU-Kommission mit einer verschärften Gangart gegen Amazon und Co. Versäumtes nachholen – auch mit einer Schwarze Liste, die aufführt, was die dominierenden Plattformen künftig nicht mehr dürfen. Sie soll im Dezember vorgelegt werden. Doch bestimmt wird in den Konzernen schon längst an noch raffinierteren Werkzeugen gebastelt, die die geplanten Verbote mit Raffinesse umgehen.

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