So schmiedete ein Allianz-Vorstand ein Billionen-Klimabündnis

  • Eine internationale Initiative von Großanlegern will bis 2050 mehr als zwei Billionen Euro klimaneutral anlegen.
  • Federführend bei der „Net Zero Asset Owner Alliance“ beteiligt war die Allianz, Europas größter Versicherer.
  • Dem RND hat Vorstand Günther Thallinger erzählt, wie der Zusammenschluss zusammengekommen ist.
Thomas Magenheim
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Wirksame Schritte im Kampf gegen den Klimawandel sind speziell im globalen Maßstab rar. Die Pläne von UN-Generalsekretär Antonio Guterres und einem Bündnis zwölf großer Kapitalanleger wie der Allianz haben das Zeug dazu. Mit geballter Anlegermacht soll das finanzstarke Dutzend dafür sorgen, dass Unternehmen, in die sie investiert haben, klimaneutral wirtschaften. Verweigern sie sich, wird das Investment beendet. Die zwölf Großanleger verpflichten sich in jedem Fall, 2050 ein klimaneutrales Anlageportfolio zu haben. Verkündet wurde der Plan beim UN-Klimagipfel in New York im Beisein von Allianz-Chef Oliver Bäte. „Das Bekenntnis sendet ein starkes Signal, dass Finanzmärkte und Investoren auf die Wissenschaft hören“, sagt der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Inger Andersen.

Das glaubt auch Allianz-Vorstand Günther Thallinger. Ein Jahr lang war er zuletzt im UN-Auftrag unterwegs, um große Versicherer und Pensionsfonds zu einer Allianz im Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen. „Es ist ein erfreulich guter Start“, findet Thallinger zum nun vorweisbaren Zwischenergebnis. Insgesamt brächten die zwölf Großinvestoren ein Anlageportfolio von 2,1 Billionen Euro zusammen. Allein gut ein Drittel davon entfällt auf die Allianz.

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Für Normalverbraucher ist das eine schier unfassbare Summe. Wenn man aber weiß, dass Großinvestoren wie die Allianz global insgesamt rund 45 Billionen Euro in Anlagen stecken haben, relativiert sie das. Deshalb will das Klimabündnis weitere Mitstreiter gewinnen. Binnen eines Jahres soll sich die repräsentierte Anlagesumme auf rund 4,5 Billionen Euro verdoppeln, sagt Thallinger. Langfristiges Ziel sei es, ein Fünftel aller Anlagegelder globaler Großinvestoren unter ein Dach zu bringen. Das wären dann etwa 9 Billionen Euro. „Damit können wir zu einer treibenden Kraft werden“, sagt der Assekuranzmanager über die vereinte Stärke von Großanlegern in einem koordinierten Kampf gegen den Klimawandel.

Versicherer, Pensionsfonds, Finanzinstitute

Die Gründungsmitglieder der Großanleger-Allianz zum Kampf gegen den Klimawandel sind regional recht unterschiedlich verteilt. Aus Deutschland ist bislang nur der Münchner Versicherer Allianz mit von der Partie. Am stärksten repräsentiert ist Skandinavien. Schweden stellt mit den Pensionsfonds AMF und Alecta sowie dem Versicherer Folksam drei Großinvestoren. Aus Dänemark stammt Pension Danmark, aus Norwegen Storebrand und aus Finnland Nordea Life and Pension.

Aus Europa sind zudem die beiden Schweizer Versicherer Swiss Re und Zurich Teil der Klimainitiative. Dazu kommt das französische Finanzinstitut Caisse des Depot. Nordamerika ist mit dem Großanleger CDPQ aus Quebec vertreten sowie mit dem Großinvestor Calpers aus dem US-Bundesstaat Kalifornien.

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Einfach war das Werben um Mitstreiter nicht, lässt er durchblicken. Nicht immer sei er auf offene Türen gestoßen. Skandinavische Finanzkonzerne und Pensionsfonds waren leicht zu gewinnen. Die Hälfte der Anleger-Allianz stammt von dort. Anders sieht es in Asien und den USA aus. Bislang hat sich kein asiatischer Großanleger zum Bündnis bekannt. Aus den USA konnte der kalifornische Pensionsfonds Calpers gewonnen werden, worauf Thallinger besonders stolz ist.

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Vorsichtige US-Konzerne

„US-Konzerne können sich nicht so aus dem Fenster lehnen“, weiß er. Auf die Frage, ob das an US-Präsident Donald Trump liegt, gibt der Manager eine diplomatische Antwort. „Unternehmerische Entscheidungen sind immer abhängig von den politischen Rahmenbedingungen“, sagt er. Asiatische Konzerne würden dagegen beobachten, ob aus der Initiative etwas Großes wird. Auch hier hat Thallinger die Hoffnung auf Beitrittskandidaten nicht aufgegeben.

Man verhandle jedenfalls schon mit weiteren Interessenten, die es jetzt zum Start beim UN-Klimagipfel nicht ganz geschafft haben. Kämen alle Kandidaten mit ins Boot, sei die Allianz nicht mehr lange der größte Anleger im Bündnis, verrät der Manager. Auch in Deutschland stehe man mit Großanlegern wie Munich Re im Gespräch.

„Wir wollen überzeugen“, erklärt Thallinger. Die Großanleger im Bündnis wollen mit Unternehmen, in die sie investiert haben, mit einer Stimme sprechen und sie zu klimaneutralem Wirtschaften bewegen. Einzelstimmen könnten wenig ausrichten, auch wenn die Allianz im Konzert der globalen Großanleger einer der echten Riesen ist. Zusammen sei aber einiges möglich. Anfangen wolle man bei Energieversorgern oder Bergbauunternehmen, die in großem Stil an der Produktion oder Verstromung fossiler Energieträger beteiligt sind. „Da ist der Emissionshebel am größten“, erklärt der Allianz-Manager.

Klimaneutral bis 2050

Verpflichtendes Ziel aller Großanleger sei es, bis 2050 ein klimaneutrales Anlageportfolio zu haben. Entweder dadurch, dass betroffene Firmen klimaneutral werden, oder dadurch, dass sie aus dem Portfolio fliegen. Für das Klima besser wäre Ersteres. Die genauen Spielregeln dafür würden gerade definiert. Sie müssten differenzieren etwa zwischen Dienstleistern, für die es relativ leicht ist, klimaneutral zu werden, und der Zementindustrie, wo das viel schwerer falle. Der Druck auf betroffene Konzerne steigt, je mehr Großanleger mitmachen. Steigen sie serienweise bei Verweigerern aus, drohen angesichts großer Anlegermacht Kursstürze.

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Selbstlos ist die Initiative nicht. Bei großen Investoren hat sich vielfach die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Anlagen in Unternehmen besser entwickeln, die in ihrem Wirtschaften umschwenken und klimaneutral werden. Das Kalkül ist, dass betroffene Anlageportfolien überproportional im Wert steigen. „Den Klimawandel abmildern ist die Herausforderung unseres Lebens“, findet Allianz-Chef Bäte. Politik, Wirtschaft und Gesellschaften müssten dazu weltweit wie aus einem Guss handeln. Große Kapitalanleger machen das jetzt vor.

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