Es geht nicht nur um Apple – und um weit mehr als 13 Milliarden Euro

  • Vor dem EU-Gericht streiten Apple und die EU-Kommission um 13 Milliarden Euro.
  • Die EU-Kommission wirft Apple vor, Gewinne dort verbucht zu haben, wo es steuerlich am günstigsten war.
  • Vor allem wirft der Fall aber ein Schlaglicht auf ein wesentlich größeres Problem, meint unser Autor.
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13 Milliarden Euro sind kein Pappenstiel – dementsprechend entschlossen treten derzeit sowohl Apple als auch die EU-Kommission vor dem EU-Gericht in Brüssel auf. Es geht um Steuern, die sich der iPhone-Konzern gespart haben soll, indem er Gewinne im damaligen Niedrigsteuerland Irland verbuchte. Das Geld werde doch in den USA versteuert, sagt hingegen Apple – und verweist darauf, dass die Gewinne ja in Wirklichkeit gar nicht in Irland, sondern bei der Entwicklung entstanden seien. Ein Verwirrspiel, das bei multinationalen Unternehmen mehr als üblich sein könnte.

Zum Hintergrund: 13-Milliarden-Euro-Prozess: Apple weist Anschuldigungen der EU zurück

Denn wenn ein Konzern zig Niederlassungen in zig Ländern hat, ist es einfach, Gewinne und Verluste zwischen den Standorten virtuell hin- und herzuschieben – und zwar so, dass am Ende möglichst wenig Steuern bezahlt werden müssen. Glaubt man der EU-Kommission, hat Apple das getan. Das Unternehmen soll alle seine Gewinne in Irland verbucht haben, wo dann eine Körperschaftssteuer von 0,005 Prozent angefallen sei. Dann hätte Apple für jede erwirtschaftete Million 50 Euro Steuern bezahlt.

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12,75 Billionen Dollar?

Und doch geht es nicht nur um Apple. So schwer das Hin- und Herschieben der Gewinne für Steuerbehörden zu erfassen ist, es hinterlässt Spuren. Und die haben sich kürzlich Wissenschaftler des Internationalen Währungsfonds genauer angeguckt. Ihr Ergebnis: Ein Drittel aller internationalen Investitionsgelder (FDI) dürfte mittlerweile in Phantomunternehmen gelandet sein, also in Niederlassungen, die eigentlich gar keine eigene Geschäftstätigkeit aufweisen. Über die Jahre sollen so 15 Billionen Dollar (kein Übersetzungsfehler!) zusammengekommen sein.

Ob und wie dieses Geld einst vor der Versteuerung bewahrt wurde, können die IWF-Experten zwar nicht einschätzen. „Interessanterweise“ seien aber 85 Prozent auf einige „sehr bekannte Steueroasen“ entfallen, schreiben sie. Das wären 12,75 Billionen Euro, auf die möglicherweise noch Steuern ausstehen – für die Staatskassen weltweit ebenfalls kein Pappenstiel.

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