Ermittler durchsuchen Büros von Kobe Steel

Razzia bei Japans drittgrößten Stahlhersteller Kobe Steel: Der hat jahrelang Metalle mit falschen Angaben zu deren Festigkeit verkauft. Das Ausmaß der systematischen Manipulationen ist noch unklar. Weltweit könnten mehr als 500 Kunden aus der Militär- und Autoindustrie betroffen sein.

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Tokio. Wegen eines Skandals um gefälschte Inspektionsdaten ist der japanische Stahlriese Kobe Steel Ziel einer Razzia geworden. Wie japanische Medien am Freitag berichteten, durchsuchten Vertreter einer Kommission für die Einhaltung der Japanischen Industriestandards (JIS) Büroräume von Kobe Steel. Die Nummer drei der japanischen Branche hatte eingeräumt, dass Mitarbeiter bei Aluminium-, Kupfer- und Eisenpulverprodukten zur Verwendung in Autos, Zügen, Flugzeugen sowie militärischer Ausrüstung Inspektionsdaten etwa zur Materialstärke gefälscht hatten.

Kobe stellt zahlreiche Metalle her, die für Flugzeuge, Eisenbahnen, Autos und anderen Ausrüstungen verwendet werden. Die europäische Luftfahrtsicherheitsbehörde EASA hat deswegen einen Verwendungsstopp für Produkte von Kobe Steel empfohlen. Offen war, ob die Fälschungen die Materialsicherheit gefährden.

Der Präsident von Kobe Steel, Hiroya Kawasaki, gelobt Aufklärung im Fälschungsskandal.
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Der Beginn des Skandals könnte laut des japanischen Nachrichten-Portals „Yomiuri Weekly“ mehr als zehn Jahre zurückliegen. Kobe Steel gab den Betrug am 10. Oktober selber zu. Interne Ermittlungen hätten ergeben, dass in vier Stahlwerken die Materialstärke der Metalle verändert wurde. Die hätten nicht den üblichen Standards entsprochen, seien aber in den Inspektionsdaten als Kundenwünsche ausgewiesen worden.

Mittlerweile ermittelt auch das US-Justizministerium. Nicht zu letzt deshalb, da Boeing, Ford und General Motors zu den Kunden von Kobe Steel zählen, berichtet die „New York Times“.

Japans Industrieminister nimmt den Stahlgiganten in die Pflicht

Der japanische Transportminister Keiichi Ishii nannte die Vorfälle bei Kobe Steel am Freitag „extrem bedauerlich“. Die Skandale erschütterten das Vertrauen in die japanische Produktion, die gerade wegen ihrer hohen Qualität und Sicherheit geschätzt werde. Nach Einschätzung von Industrieminister Hiroshige Seko beträfen die Skandale bei den beiden Konzernen jedoch nicht Japans ganze Industrie. Er sei enttäuscht über diese „ungewöhnlichen Fälle“. Es sei wichtig, dass Kobe Steel sicherstellte, dass sowas nicht wieder vorkomme, sagte der Minister laut Medien am Freitag.

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Das genaue Ausmaß der Probleme bei Kobe Steel ist nicht bekannt, da das Unternehmen die betroffenen Kunden nicht namentlich nennt. Die internen Untersuchungen bei dem Konzern laufen unterdessen weiter. Führende Autokonzerne und andere Unternehmen haben erklärt, betroffene Produkte von Kobe Steel verwendet zu haben, doch gebe es bislang keinen Anlass zur Sorge über die Sicherheit der Produkte.

Von sos/dpa/AP/RND

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