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Erbschaftssteuer: Ran an die Privilegien!

In Deutschland sind die Vermögen sehr ungleich verteilt – eine angemessene Erbschaftssteuer könnte dagegen helfen.

In Deutschland sind die Vermögen sehr ungleich verteilt – eine angemessene Erbschaftssteuer könnte dagegen helfen.

Deutschland ist ein reiches Land – und ein Land der Erben. 400 Milliarden Euro werden nach Schätzungen jedes Jahr vererbt oder verschenkt. Das ist deutlich mehr als die rund 362 Milliarden Euro, die der Bundeshaushalt in diesem Jahr umfasst.

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Das Aufkommen aus der Erbschaftssteuer ist lächerlich gering

Doch wohin fließt das Geld? Die Wahrheit ist: Es bleibt in den Händen einiger weniger, zumindest bei den großen Vermögen. Die Erbschaftssteuer in Deutschland – ja, es gibt sie – bringt jährlich zwischen 4 und 7 Milliarden ein. Eine geradezu lächerliche Summe. Und der Osten geht (fast) komplett leer aus.

Dass sich immer mehr Deutsche laut der jüngsten Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vorstellen können, ihr Vermögen – oder einen Teil davon – in Form des Erbes an wohltätige Organisationen zu spenden, ist zwar löblich. Es ändert aber nichts an dem Befund: Erbschaften sind extrem ungleich verteilt. Nur knapp die Hälfte der Deutschen erbt, der Rest geht leer aus.

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Für Erben ist Deutschland eine Steueroase. Wer im Jahr 2018 10 Millionen Euro oder mehr geerbt hat, musste darauf kaum Steuern zahlen. Das ergab eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung im vergangenen Dezember. Bei Arbeitseinkommen hingegen langt der Fiskus mit bis zu 45 Prozent zu. Das ist nicht nur ökonomisch unsinnig. Es ist auch sozial unausgewogen. Das Versprechen der sozialen Marktwirtschaft lautet: Jeder kann es nach oben schaffen, ein Vermögen aufbauen, seines Glückes Schmied sein – durch eigene Leistung.

Liberale sollten die stärksten Befürworter einer Reform sein – sie sind es aber nicht

Dafür aber muss die Gesellschaft durchlässig sein. Privilegien qua Geburt widersprechen dem Leistungsprinzip. Gerade Liberale, die dieses Prinzip – übrigens zu Recht – hochhalten, sollten daher die stärksten Befürworter einer umfassenden Reform der Erbschaftssteuer sein. Nur: Sie sind es nicht.

Dabei ist Geburt Glückssache und eben kein eigenes Verdienst. Schon heute sind die Vermögen in keinem anderen Euro-Land so ungleich verteilt wie in Deutschland. Das verringert nicht nur den sozialen Zusammenhalt, es dämpft auch das Wirtschaftswachstum. Zu diesem Ergebnis kam die OECD, eine Organisation, die nicht im Verdacht steht, übermäßiger Umverteilung das Wort zu reden.

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Eine progressiv ansteigende Erbschaftssteuer (mit großzügigen Freibeträgen) könnte die Unwucht, die durch die Lotterie des Lebens entsteht, ein Stück weit einebnen. Mit dem Geld ließen sich Kitas, Schulen, soziale Einrichtungen endlich angemessen ausstatten, damit alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, eine faire Chance auf ein selbstbestimmtes Leben erhalten.

Eine Erbschaftssteuer, die diesen Namen auch verdient, wäre nicht die Lösung für jedes soziale Problem. Aber immerhin ein Anfang. Es ist höchste Zeit, die Privilegien auf den Prüfstand zu stellen.





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