Wir brauchen eine Erdgasstrategie

  • Die fossilen Energieträger erleben eine Renaissance wegen steigender Nachfrage nach Energie.
  • Auch aus diesem Grund muss der Ausbau der Erneuerbaren forciert werden.
  • Zugleich braucht es einen Fahrplan, mit dem Erdgaskraftwerke zu Wasserstoffkraftwerken umgebaut werden, kommentiert Frank-Thomas Wenzel.
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Frankfurt. Eine Nebenbemerkung von Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), lässt aufhorchen. Sinngemäß betont er, dass es unkorrekt und irreführend sei, den erneuerbaren Energien die Verantwortung für den rasanten Anstieg der Erdgaspreise in die Schuhe zu schieben.

Tatsächlich hat sich dieses Jahr die Lage in Europa dramatisch zugespitzt. Die Nachfrage nach Energie ist mit dem Ende der Lockdowns im Frühjahr extrem schnell gestiegen. Zugleich weht spürbar weniger Wind als in den Vorjahren. Das hat die alten fossilen Energieträger wieder attraktiv gemacht. Sie müssen in die Bresche springen, um die Versorgung zu gewährleisten.

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Vergleichsportal: Gas- und Strompreise steigen kräftig, Der Preis für Erdgas und Strom steigt und steigt.  © dpa
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Ausbau der Erneuerbaren muss beschleunigt werden

Solche Situationen können in Zukunft immer wieder auftreten. Das führt zu zwei Schlussfolgerungen: Erstens der Ausbau der Erneuerbaren muss beschleunigt werden. Mehr Wind- und Sonnenstrom dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Versorgungssicherheit und verringert die Abhängigkeit von Energieimporten.

Zweitens brauchen wir eine Erdgasstrategie. Der fossile Brennstoff wird für gut anderthalb Jahrzehnte eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Danach muss sein Einsatz aber rapide zurückgefahren werden, wenn tatsächlich null CO2-Emissionen erreicht werden sollen: Also eine Ausbau- und zugleich eine Ausstiegsstrategie. Bislang ist davon wenig zu erkennen. Die neue Bundesregierung muss hier dringend nacharbeiten.

Der wichtigste Punkt: Es gilt, eine Infrastruktur für Gaskraftwerke zu schaffen, die in den Jahren 2035 bis 2040 auf Wasserstoff umgestellt werden, der mittel Ökostrom hergestellt wird. Hinzu kommen muss ein Konzept, das den lukrativen Betrieb der Anlagen sichert. Das läuft zumindest für eine Übergangszeit auf Kapazitätsprämien hinaus: Betreiber werden dafür bezahlt, dass sie ihre Anlagen im „Stand-by-Modus“ bereithalten.

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