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Ausbau erneuerbarer Energien

„Keine energiepolitischen Tabus“: Expertin fordert Fortschritte bei Energiewende im Wärmesektor

Auch ohne russische Energieimporte sollte Deutschland versuchen, den Energie- und Wärmesektor nachhaltiger zu gestalten.

Auch ohne russische Energieimporte sollte Deutschland versuchen, den Energie- und Wärmesektor nachhaltiger zu gestalten.

Berlin. Bei der Vorbereitung auf einen möglichen Wegfall russischer Energieimporte darf es nach Ansicht der Bau- und Energieexpertin Lamia Messari-Becker „keine energiepolitischen Tabus“ geben. „Die Bundesregierung sollte die Energiepolitik auf den Prüfstand stellen und einen Gipfel einberufen. Sie sollte den Einstieg in den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien mit den Ausstiegen aus Kohle und Atomkraft koordinieren“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Messari-Becker ist Bauingenieurin und Teil des Expertengremiums Zukunft Bau der Bundesregierung, die sie zuvor auch im Sachverständigenrat für Umweltfragen beraten hat.

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„Anders als bei der Stromerzeugung hat die Politik die Energiewende im Wärmebereich jahrelang kläglich vernachlässigt“, kritisierte Messari-Becker. Nach Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt der Anteil erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung nur bei etwa 15 Prozent, während er in der Stromerzeugung knapp die Hälfte ausmacht. Bei der Beheizung von Wohnungen stammt die Hälfte der genutzten Wärme demnach aus Gas (inklusive Biogas), ein knappes Viertel aus Heizöl.

Eine Offensive der „kleinen Maßnahmen“

Auch wenn der nötige Ausbau erneuerbarer Energien Zeit brauche, gebe es eine ganze Reihe kurzfristig umsetzbarer Maßnahmen, erklärte Messari-Becker. So sollten Kommunen Wärmepläne erstellen, um etwa Abwärme aus Industrie und Gewerbe für das Heizen nutzbar zu machen. „So kann ein Rechenzentrum zum Beispiel helfen, eine Schule zu heizen.“ Dafür ließen sich die besonders in Ostdeutschland verbreiteten Wärmenetze nutzen. Auch die Zahl kleinerer Kraftwerke, so genannte Blockheizkraftwerke, ließe sich relativ leicht vergrößern. Der Vorteil sei hier, Wärme und Strom gleichzeitig zu erzeugen.

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„Ich erwarte, dass die Bundesregierung eine Offensive der kleinen Maßnahmen startet“, sagte Messari-Becker. Die Dämmung von Heizrohren im Keller etwa könne pro Heizperiode 10 Liter Heizöl pro laufendem Meter Rohr Ersparnis bringen, die Dämmung unbewohnter Dachböden mit einfachen Platten sei ebenfalls wirksam und wenig aufwendig und könne die Wärmeverluste durch die Gebäudehülle um bis zu 30 Prozent reduzieren. Eine optimale Einstellung der Komponenten einer Heizung mit Rohren, Pumpen, Heizkörpern und Thermostaten sei eine Routineleistung von Handwerkern und auch sinnvoll, ebenso wie eine intelligente Heizung, die nur dann Wärme bereitstellt, wenn die Menschen zu Hause seien. Auch Einstellungen wie eine über Nacht abgesenkte Raumtemperatur trügen zur Ersparnis bei.

RND/dpa

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