Elternzeit und Elterngeld: Das müssen Berufstätige beachten

  • Jedem Elternteil stehen nach der Geburt eines Kindes bis zu drei Jahre Elternzeit zu.
  • In dieser Zeit ist der Arbeitnehmer vor Kündigung geschützt. Außerdem besteht ein Anspruch auf Rückkehr zur früheren Arbeitszeit.
  • Das Elterngeld wird aber nur zwölf oder 14 Monate gezahlt. Es sei denn man entscheidet sich für Elterngeld plus.
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Frankfurt/Berlin. Wenn ein Baby unterwegs ist, stellen sich plötzlich viele Fragen. Die Erste ist meist: „Wann sage ich es meinem Chef oder meiner Chefin?“ Eine gesetzliche Frist dafür gebe es nicht, sagt Till Bender, Sprecher bei der DGB Rechtsschutz. Das Mutterschutzgesetz sieht lediglich im Fall einer Kündigung vor, dass man dem Arbeitgeber eine Schwangerschaft innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung mitzuteilen hat, um Kündigungsschutz zu erhalten.

Absprachen früh beginnen

Bei der Elternzeit hingegen gibt es eine Frist: „Wer in Elternzeit gehen möchte, muss diese sieben Wochen, bevor es losgehen soll, beim Arbeitgeber beantragen.“ Das sei natürlich sehr spät, räumt Bender ein. Aus Gründen der Fairness sollte man dem Arbeitgeber eine Schwangerschaft deshalb schon eher mitteilen und ihn möglichst in die Planungen einbeziehen. „Je früher und je konkreter, desto besser.“

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Die meisten Gynäkologen raten allerdings, das kritische erste Trimester einer Schwangerschaft abzuwarten, bis man den Arbeitgeber einweiht. Anders ist es bei Berufen, die mit einem erhöhten Risiko für die Schwangerschaft einhergehen. So werden zum Beispiel Schwangere, die im Krankenhaus, in einem Labor oder in einer Zahnarztpraxis arbeiten, oft von der Arbeit freigestellt.

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Vater und Mutter können drei Jahre Elternzeit nehmen

Grundsätzlich stehen nach der Geburt jedem Elternteil drei Jahre Elternzeit zu, die er nehmen kann, bis das Kind acht Jahre alt ist, wie das Bundesfamilienministerium auf seiner Internetseite erklärt.

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Eine finanzielle Ersatzleistung bekommen Eltern aber nicht so lange. Das Basiselterngeld von rund zwei Drittel des Einkommens wird für zwölf beziehungsweise 14 Monate gezahlt. Letzteres gilt für Alleinerziehende und wenn der Partner oder die Partnerin auch mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen - die sogenannten Partnermonate.

Viele Möglichkeiten beim Elterngeld

Man kann das Elterngeld auch auf 24 Monate ausdehnen, bekommt dann aber monatlich nur die Hälfte der Summe ausgezahlt - das Ganze nennt sich Elterngeld plus. In dem Fall hat man auch die Möglichkeit, während der Elternzeit in Teilzeit zu arbeiten. Zusätzlich ist es möglich, unbezahlte Elternzeit zu nehmen. Über die verschiedenen Möglichkeiten klärt das Familienministerium detailliert auf seiner Internetseite auf.

„Wie man die Zeit nun aufteilt und ob man währenddessen arbeiten möchte, hängt von der individuellen Situation ab“, sagt Bender. In die Überlegungen sollte man natürlich die finanzielle Situation einbeziehen: Wie viel Geld braucht man monatlich? Auf wie viel Geld kann man verzichten? „In der Praxis bleibt häufig derjenige zu Hause, der weniger verdient, um die finanziellen Einbußen in Grenzen zu halten“, so Bender.

Werdende Eltern sollten Beratungsmöglichkeiten nutzen

Bedenken sollte man aber nicht nur finanzielle Aspekte, sondern auch, wie man sich die Elternzeit vorstellt - wie viel Zeit zu Hause mit dem Kind und als Familie man sich wünscht. Wichtig ist: Elterngeld kann man bis zu drei Monate rückwirkend beantragen, später ist das nicht mehr möglich.

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„Am besten nimmt man die Beratungsmöglichkeiten in der eigenen Kommune in Anspruch“, rät Bender. „Man sollte sich wirklich Zeit für die Planung nehmen und die Elternzeit nicht auf den letzten Drücker organisieren.“

Auch Sanaz von Elsner rät, sich für die Planung der Elternzeit Zeit zu nehmen und sich gut zu informieren. Sie ist systemischer Coach und Karriereberaterin. „Wichtig ist, erst in den eigenen vier Wänden zu klären, wie man sich die Elternzeit aufteilen möchte. Und dann sollte man rechtzeitig mit dem Vorgesetzten das Gespräch suchen und die Karten auf den Tisch legen.“

Wiedereinstieg in den Job schon mitdenken

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Um gut planen zu können, rät von Elsner, sich mit anderen Eltern auszutauschen. „Vielleicht gibt es auch unter den Kollegen Eltern, deren Wissen einem weiterhelfen kann.“ Wie sind deren Erfahrungen? Was ist in Sachen Job realistisch? Wie flexibel ist man als Eltern wirklich? „Es müssen nicht alle Hürden mit der Geburt erledigt, aber am besten bedacht sein.“

Von Elsner rät vor allem Frauen dazu, den Job nicht ohne Weiteres ganz oder für lange Zeit an den Nagel zu hängen. „Man muss an die eigene Altersvorsorge denken, an den eigenen Lebensweg, die Kinder werden auch größer.“ Der Wiedereinstieg werde umso schwerer, je länger man aus dem Beruf ausgestiegen ist.

RND/dpa/ang

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