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Bezahlabo, Massenentlassungen und großes Chaos

Was hat Elon Musk mit Twitter vor?

22.3.2022, Brandenburg, Grünheide: Elon Musk, Tesla-Chef, nimmt an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil. Die erste europäische Fabrik in Grünheide, die auf 500 000 Fahrzeuge jährlich ausgelegt ist, ist eine wichtige Säule der Zukunftsstrategie von Tesla.

22.3.2022, Brandenburg, Grünheide: Elon Musk, Tesla-Chef, nimmt an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil. Die erste europäische Fabrik in Grünheide, die auf 500 000 Fahrzeuge jährlich ausgelegt ist, ist eine wichtige Säule der Zukunftsstrategie von Tesla.

Frankfurt am Main. Elon Musk will offenbar mehr als die Hälfte der Belegschaft von Twitter feuern. Das soll US‑Medien zufolge am Freitag bekannt gegeben werden. Derweil nimmt die Debatte über die Einführung eines Monatsabos für 8 Dollar immer bizarrere Züge an.

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Nun hat sich auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan laut Nachrichten­agentur Reuters als Vermittler im Streit um die geplante Gebühr für einen verifizierten Twitter-Account angeboten. Erdogan sagte in einem Interview, er könne mit Musk verhandeln, um die geplante Bezahlung für die begehrte digitale Plakette zurück­zunehmen, die bislang kostenlos vergeben wurde. Es handelt sich um ein weißes Häkchen auf blauem Grund, das neben dem Namen der Nutzer platziert wird und bescheinigt, dass diese „echt, bekannt und aktiv“ sind. Erdogan betonte, er könne etwas Diplomatie in den Streit ums Häkchen einbringen. Der türkische Präsident hatte sich zuletzt als Vermittler bei Weizen­lieferungen aus der Ukraine international profiliert.

Musk hatte baldige Einführung eines Abos angekündigt

Musk hatte Anfang der Woche die baldige Einführung des Abos angekündigt. Das löste einen Shitstorm unter Nutzern aus. In einer Befragung gaben mehr als 80 Prozent Twitter-Nutzer an, dass sie den Bezahldienst ablehnen.

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Hintergrund ist, dass Musk dringend zusätzliche Einnahme­quellen für die Plattform finden muss. Er hat Twitter widerwillig und nach eigenen Aussagen zu einem überzogenen Preis (44 Milliarden Dollar) übernommen – per Gerichts­verfahren war er quasi dazu gezwungen worden. Das Geld für den Deal stammt aus seinem eigenen Vermögen, ergänzt durch Bankkredite und Kapital von Investoren. Ein größerer Teil der Verbindlichkeiten (um die 13 Milliarden Dollar) wurde dem Unternehmen als Schulden aufgebürdet. Branchenkenner haben hochgerechnet, dass Twitter allein für die Zinsen pro Jahr rund eine Milliarde Dollar aufbringen müsste. Das ist deutlich mehr, als Twitter jemals in zwölf Monaten eingenommen hat. Das Unternehmen lebt fast ausschließlich von Werbeeinnahmen.

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„Chief Twit“ will sich auf das Kern­geschäft konzentrieren

Die finanzielle Not spielt offenbar auch bei den geplanten Stellen­streichungen eine Rolle. Musk hat bereits fast die gesamte Führungsriege rausgeworfen, sich selbst den Titel „Chief Twit“ verliehen und zu einer Art Allein­herrscher gemacht.

Dass es nun auch massive Einschnitte in der Belegschaft geben wird, gilt als sicher. In US‑Medien kursieren verschiedene Zahlen. So war schon von einem Abbau von 75 Prozent der rund 7500 Stellen die Rede. Am anderen Ende des Spektrums liegen 25 Prozent. Die Finanz­nachrichten­agentur Bloomberg berichtet nun, dass 3700 Jobs wegfallen sollen – also knapp die Hälfte.

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Die Betroffenen würden am Freitag informiert. Ferner wolle Musk die bislang bestehende Homeoffice­regelung abschaffen und anordnen, dass alle verbleibenden Beschäftigten sofort in ihre Büros zurück­kehren müssten. Verschiedene Szenarios für den Jobabbau würden diskutiert. Unter anderem werde erwogen, den Entlassenen Abfindungen anzubieten, die zwei Monats­gehältern entsprechen.

Twitter-Mitarbeitende werden per E-Mail über ihre Jobzukunft informiert

3700 Twitter-Mitarbeitende – also gut die Hälfte der Belegschaft – könnte im Laufe des Freitags ihren Job verlieren.

Laut Bloomberg hat Musk Führungskräfte aufgefordert, Pläne für eine Verkleinerung ihrer jeweiligen Abteilungen um 50 Prozent zu erstellen. Manager sollen ferner Listen zusammen­gestellt haben, in denen aufgeführt wird, wie hoch der Beitrag jedes Einzelnen am Geschäfts­modell von Twitter ist. Danach soll dann entschieden werden, wer gehen muss und wer bleiben darf. Ingenieure und Führungskräfte des Autobauers Tesla, der ebenfalls Musk gehört, seien dabei unterstützend aktiv gewesen.

Musk hat angekündigt, dass sich Twitter künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren soll. Und in den Bereichen Software­entwicklung, Serverbetrieb und Design werde mit eisernem Besen gekehrt.

Privilegien für zahlende Abonnenten

Der Multimilliardär ist seit vielen Jahren ein Intensivnutzer von Twitter, die Plattform ist sein wichtigstes Kommunikations­instrument. Im Frühjahr hatte er ein Übernahme­angebot für Twitter gemacht, in den Wochen danach aber versucht, sich aus dem Deal wieder heraus­zuwinden. Er behauptete, über die Zahl der Fakeaccounts bei Twitter belogen worden zu sein. Das damalige Management verklagte ihn. Schließlich lenkte er doch noch ein, als das Gericht ihn zwingen wollte, Beweise für seine Behauptungen vorzulegen.

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Musk könnte bei Twitter bald die Hälfte der Stellen streichen

Vergangene Woche hat Techmilliardär Elon Musk Twitter übernommen. Nun droht offenbar ein Stellenabbau, den Musk zuvor abgestritten hatte.

Das Bezahlen der blauen Plakette mit dem weißen Haken soll möglicherweise schon nächste Woche eingeführt werden. Musk hat angekündigt, dass es für die Abokunden eine Reihe von zusätzlichen Vorteilen geben könnte. Zum Beispiel weniger Reklame, die zwischen die Tweets geschoben wird. Unter anderem sollen die zahlenden Nutzer zudem auf der Plattform besser platziert werden. Unter Werbekunden ist indes derzeit die Verunsicherung groß, es gibt sogar Empfehlungen von Agenturen, erst mal keine Reklame auf der Plattform zu platzieren.

Musk hat auf die Turbulenzen gerade via Twitter auf die ihm eigene Art reagiert. Nutzer könnten ruhig weiternörgeln, aber das koste nun 8 Dollar. In einem anderen Tweet räumt er ein, die Aboidee bei Monty Python geklaut zu haben. Dazu ein Link zu einem Sketch der Komikertruppe: Dort geht es um den Patienten in einer „Streitklinik“, der sich gegen Geld von einer Fachkraft hemmungslos beschimpfen lässt.

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