Tesla-Chef Musk verkündet neue Rekorde und verkrümelt sich

  • Der US-Elektroautobauer erwirtschaftet erstmals in einem Quartal einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Dollar.
  • Branchenkenner loben die hohe Profitabilität, verlangen aber noch erheblich mehr von dem Unternehmen.
  • Musk macht Kasse und will künftig die Präsentation von Geschäftszahlen schwänzen.
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Frankfurt am Main. Eine schlechte Nachricht für alle Fans von Elon Musk. Der Tesla-Chef will künftig den vierteljährlichen Presse- und Analystenkonferenzen zur Verkündung der jüngsten Geschäftszahlen nicht mehr beiwohnen. Nur wenn es etwas wirklich Wichtiges zu sagen gebe, werde er noch dabei sein. Das erläuterte er am Ende eines Calls, in dem es aus seiner Sicht höchst Erfreuliches zu verkünden gab.

Tesla hat es erstmals trotz diverser Widrigkeiten geschafft, in einem Dreimonatsabschnitt mehr als eine Milliarde Dollar zu verdienen – umgerechnet waren es rund 900 Millionen Euro. Auch die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge kletterte auf den Rekordwert von rund 206.000.

Musks berüchtigte Ausraster

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Die Quartalskonferenzen dürften künftig einen erheblich geringeren Unterhaltungs- und Aufregungswert haben. Viele verfolgten die Veranstaltungen auch, weil sie auf einen der berüchtigten Ausraster von Musk warteten.

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Etwa als er im April vorigen Jahres US-Behörden „faschistische Anordnungen“ wegen Corona-Beschränkungen vorwarf. Oder 2018, als er die für ihn unangenehmen Fragen eines Analysten als „langweilig und schwachsinnig“ abkanzelte. Er drohte damals damit, künftig geschäftliche Mitteilungen über Youtube zu verbreiten, um Nachfragen unmöglich zu machen.

Teslas autonomes Fahren

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Auch bei seiner Abschiedsvorstellung sorgte Musk, der Unberechenbare, wieder für einen Überraschungsmoment. „Ist es wirklich sinnvoll, ein Abonnement für den Selbstfahrassistenten abzuschließen?“, fragte er rhetorisch. Und gab als Antwort: „Darüber kann man streiten.“ Das zuschaltbare System ist extrem teuer für die Nutzer.

Einst brüstete sich Musk damit, dass Tesla die ersten autonomen Autos auf die Straße bringe. Mittlerweile ist die Zusatzausstattung hoch umstritten. Tesla hat sie in China jede Menge Ärger eingebracht. In den USA laufen Ermittlungen wegen Unfällen, für die die Selbstfahrfunktion verantwortlich sein soll.

Musk kann sich solche Eskapaden erlauben. Schließlich ist Tesla der mit weitem Abstand wertvollste Autobauer der Welt, obwohl er nur einen Bruchteil der Fahrzeuge verkauft, die die globalen Marktführer Volkswagen oder Toyota an den Mann und an die Frau bringen. Und dann noch die aktuellen Quartalszahlen. Die schon hochgesteckten Erwartungen der Analysten wurden überboten.

Umsatz im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt

Tesla hat es geschafft, im Zeitraum von April bis Juni den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 12 Milliarden Dollar fast zu verdoppeln – obwohl auch der us-amerikanische Elektroautobauer wie alle anderen Konkurrenten unter verstopften Häfen und Engpässen bei Computerchips für Autos leidet. Musk räumte ein, dass Fabriken wegen der Halbleiter zeitweise geschlossen werden mussten. Inzwischen sei es aber gelungen, Ersatz zu beschaffen.

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Allerdings kommt gut ein Drittel des Gewinns (365 Millionen Dollar) aus dem Verkauf von CO₂-Emissionsrechten – da Tesla nur E-Autos baut, die mit null CO₂-Ausstoß berechnet werden, kann die Firma Verschmutzungszertifikate an andere Autobauer verkaufen. Unter anderem soll Fiat zu den Kunden gehören. Dieser Geschäftszweig ist aber rückläufig, da die anderen Autobauer ihre Elektroflotten immer weiter ausbauen.

Verluste mit Bitcoin-Deals

Verluste, und zwar von 23 Millionen Dollar, schlugen auch bei einem anderen Nebengeschäft zu Buche: den Deals mit der Kryptowährung Bitcoin. Musk hatte erst heftig Werbung dafür gemacht, 1,5 Milliarden der Barreserven des Autobauers in das Digitalgeld investiert und auch angekündigt, dass künftig beim Kauf von Teslas mit den Cybermünzen bezahlt werden könne – was den Kurs der Internetwährung augenblicklich nach oben schießen ließ.

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Viele sehr vermögende Amerikaner, darunter auch Jeff Bezos, zahlen angeblich kaum Steuern. Das legt eine Recherche der Investigativplattform „ProPublica“ nahe.  © dpa

Doch das mit dem Bezahlen nahm er kurz darauf wieder zurück, er machte Bedenken wegen des hohen Strombedarfs beim Bitcoin-Handel plötzlich geltend. Wodurch die Notierung augenblicklich abstürzte.

Was Branchenkenner Tesla und seinem Chef aber hoch anrechnen: Der Autobauer wirtschaftet inzwischen in seinem Kerngeschäft nicht nur profitabel, sondern auch mit hohen Gewinnspannen, an die viele konventionelle Autobauer nicht heranreichen. Tesla liege in dieser Hinsicht an der Spitze der Branche, betonte der US-Analyst Ben Kallo. Doch er machte zugleich darauf aufmerksam, dass da noch einiges mehr kommen müsse, um die Aktie einer Firma zu bewegen, die mehr als 600 Milliarden Dollar wert sei.

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Musk verspricht, was sich kein anderer Autobauer zutraut

Mehr soll denn auch kommen. Musk versprach, über mehrere Jahre hinweg den Absatz dauerhaft um jeweils mindestens 50 Prozent zu steigern. So etwas traut sich kein anderer Autobauer zu. Allerdings wird der Start des schon seit 2017 geplanten neuen elektrischen Sattelschleppers abermals verschoben – auf nächstes Jahr. Die Hoffnungen ruhen auf dem Model drei und dem kompakten SUV Model Y, das demnächst auch in Grünheide (Brandenburg) gebaut werden soll.

Wie aus einem Science-Fiction-Film: Der Tesla Cybertruck wird im Designstudio von Tesla vorgestellt. Das Modell soll eine besonders stabile Oberfläche haben. © Quelle: Ringo H.W. Chiu/AP/dpa

Musk betonte, man sei im Zeitplan. Gemeint ist damit, dass die Fertigung noch in diesem Jahr anlaufen soll. Ursprünglich sollte es schon dieser Tage losgehen. Doch es gab viele Unstimmigkeiten mit den Behörden. Dem Model Y soll schon bald der Cybertruck als weiteres Tesla-Auto folgen – ein Pritschenwagen, der an Vehikel aus Science-Fiction-Filmen erinnert.

Analyst: Musks Ankündigungen „unrealistisch“

Frank Schwope, Analyst bei der Nord LB, hält trotz der Ankündigungen „ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 50 Prozent über mehrere Jahre für unrealistisch“. Vor allem weil Konkurrenten, etwa Volkswagen und Daimler, stärker werden.

Auf dem deutschen Markt lag das Model drei, das für nahezu alle hiesigen Verkäufe von Tesla steht, im ersten Halbjahr auch nur noch auf Platz zwei. Nummer eins ist der E-Kleinstwagen VW up. Nimmt man alle verkauften batterieelektrischen Autos des Wolfsburger Konzerns zusammen, ist Tesla ohnehin längst weit abgeschlagen.

Brandenburg, Grünheide: Das Baugelände der Tesla-Autofabrik östlich von Berlin, aufgenommen am 6. Juli. Es ist die erste Tesla-Fabrik in Europa. © Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Für Schwope entscheidet sich die Zukunft von Tesla indes erst bei der „zweiten Disruptionsstufe“: beim autonomen Fahren. Hier sieht er Musks Firma in puncto Technologie „keineswegs enteilt“ (siehe Probleme mit dem Selbstfahrassistenten).

Derweil macht Musk Kasse. 2018 hatte er für sich selbst mit dem Verwaltungsrat von Tesla einen Gehaltsplan ausgehandelt mit Zielen, die damals Lichtjahre entfernt schienen. Er hat sie dennoch erreicht. Der Multimilliardär kassiert deshalb 176 Millionen Dollar.

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