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Elektromobilität: Rennen um die vorderen Plätze nimmt Fahrt auf – Lucid Motors geht an die Börse

  • Die Elektromobilität nimmt weltweit Fahrt auf – in den USA geht nun das Start-up Lucid Motors an die Börse.
  • Lucid kommt auf eine Marktkapitalisierung von 20 Milliarden Euro – obwohl die Firma bislang kein einziges Auto verkauft hat.
  • Größter Rivale für das Unternehmen soll aber nicht Tesla, sondern Mercedes sein.
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Das Rennen um die vorderen Plätze in der Elektromobilität nimmt heftig Fahrt auf. In den USA geht die Start-up-Firma Lucid Motors an die Börse. Dabei werden 4,4 Milliarden Dollar bereitgestellt, die den Ausbau eines Werks in Arizona und den Marktstart in der zweiten Jahreshälfte finanzieren sollen. Mächtige Investoren stehen hinter dem Unternehmen, und der Firmenchef hat schon vor einiger Zeit den wichtigsten Rivalen benannt: nicht Tesla, sondern Mercedes.

Ex-Tesla-Mitarbeiter nun bei Lucid Motors

Das vor 14 Jahren gegründete Unternehmen steckt mit dem weltweit wertvollsten Autobauer gleichwohl in einer Art Beziehungsdrama. Der Vorstandsvorsitzende Peter Rawlinson war einst der Chefingenieur bei Tesla und maßgeblich für die Entwicklung der Limousine Model S verantwortlich. Er ging nach Streitigkeiten mit seinem Boss Elon Musk.

Zum Lucid-Führungsteam gehören außerdem zwei Deutsche, die zuvor ebenfalls für Tesla gearbeitet haben: Peter Hochholdinger (Produktionschef) und Eric Bach (Hardwarechef). Das Ziel des Trios und der Kollegen im Management ist nichts Geringeres als das Topmodell des früheren Arbeitgebers zu übertreffen. Das ist das Model S Plaid+ .

Der Elektroauto-Entwickler Lucid nimmt wie diverse Konkurrenten eine Abkürzung an die Börse und erzielt dabei eine ungewöhnlich hohe Bewertung von 20 Milliarden Euro. © Quelle: Lucid Morots/dpa
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Lucid will im zweiten Quartal an die Börse gehen

Dagegen soll bald der Lucid Air antreten. Ein Auto, das nicht nur in 2,5 Sekunden von null auf knapp 100 Stundenkilometer beschleunigt, sondern auch über eine Reichweite verfügt, die die US-Umweltbehörde EPA mit umgerechnet 832 Kilometer zertifiziert hat – das hat bislang kein Tesla erreicht. Die Luxuslimousine soll in ihrer Startversion knapp 1100 PS leisten und laut Website 169.000 Dollar kosten (ohne staatliche Kaufprämien). Später sind Varianten mit einer weniger heftigen Motorisierung geplant.

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„Es geht um ein Technologierennen“, sagte Rawlinson kürzlich in einem Interview. Tesla habe das verstanden. Deshalb sei der Autobauer auch so wertvoll. „Aber auch Lucid hat die Technologie.“ Tesla kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 685 Milliarden Dollar (564 Milliarden Euro), Volkswagen zum Vergleich auf gerade einmal knapp 93 Milliarden Euro und Lucid auf umgerechnet immerhin schon 20 Milliarden Euro, wobei der Börsengang erst im zweiten Quartal abgeschlossen werden soll und die Firma aus Kalifornien bislang kein einziges Auto verkauft hat. Diese außerordentliche Wertschätzung hat damit zu tun, dass Investoren Elektroautobauern enorm viel zutrauen – nachdem Tesla es geschafft hat, profitabel zu werden und mit der geplanten massiven Ausweitung der Produktion immer höhere Gewinne einfahren will.

Saudi-Arabiens Königshaus investiert in E-Mobilität

Lucids Börsengang ist ein kompliziertes Unterfangen, das in mehreren Schritten umgesetzt werden muss. Denn die Firma wird dafür von Investmentvehikel Churchill Capital IV übernommen. Das ist eine sogenannte Blankoschenk-Gesellschaft: eine Unternehmenshülle, die bereits am Aktienmarkt notiert ist. Churchill wurde vom Investmentbanker Michael Klein an die Börse gebracht. Er war unter anderem auch dabei, als Aramco, Saudi-Arabiens staatliche Ölgesellschaft, erstmals einen Teil seiner Anteilsscheine Investoren anbot.

Das Königshaus des Wüstenstaats ist mittels seines Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) auch der größte Investor bei Lucid. 2018 rettete er mit einer Milliarden-Dollar-Finanzspritze den Elektroautobauer vor der Insolvenz. Nun gibt es vom PIF und anderen Geldgebern weitere 2,5 Milliarden Dollar, um die Geschäfte in Gang zu bringen. Es mischen unter anderem mit: der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock und Fidelity, eine der wichtigsten Fondsgesellschaften. Für die Saudis ist Lucid indes eine Art Pilotprojekt, mit dem die Araber von der Abhängigkeit vom Mineralöl loskommen wollen. Das Gesamtvermögen des PIF wird auf mehr als 300 Milliarden Dollar geschätzt – da kann noch einiges in E-Mobilität investiert werden.

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Mercedes-Benz wichtigster Rivale

Rawlinson und seinen Leuten ist derweil besonders wichtig, nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei der Batterietechnik eigene Wege zu gehen. So wurde eine Zwei-Wege-Ladetechnik entwickelt: Lucid-Autos können damit sogar Strom an andere E-Mobile abgeben. Lucids Akkus, die gemeinsam mit dem koreanischen Spezialisten LG Chem entwickelt werden, sollen eines Tages auch stationär eingesetzt werden, etwa um Sonnenstrom zu speichern. Und es ist nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg geplant, ein zweites Werk im saudischen Jeddah zu bauen, von dort könnten eines Tages die Lucid-Modelle kommen, die in Europa verkauft werden.

Für die nähere Zukunft hat der Vorstand schon klare Vorstellungen. Zum Modell Air und seinen Varianten soll ein SUV kommen. Die Produktion soll zügig hochgefahren werden. Schon für 2024 ist ein Umsatz von knapp 10 Milliarden Dollar und ein Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit von knapp 600 Millionen Dollar geplant. Rawlinson sagte bereits im Oktober in einem Interview mit Yahoo, er könne verstehen, dass Lucid oft mit Tesla verglichen werde. Doch den wichtigsten Rivalen des Air sehe er ganz woanders: „Ich würde Mercedes-Benz hervorheben.“ In Anbetracht des luxuriösen Air „haben wir es auf die S-Klasse abgesehen“. Der Stuttgarter Autobauer will demnächst sein Elektro-Flaggschiff präsentieren: den EQS. Diese Luxuslimousine soll allerdings nur 700 Kilometer weit kommen und nur über rund 500 PS verfügen.

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