EU-Rechnungshof: Der elektrische Roadtrip durch Europa ist weiterhin schwierig

  • Zu langsam, zu ungleichmäßig, zu planlos: Der EU-Rechnungshof kritisiert die Bemühungen zum Aufbau einer Ladeinfrastruktur für E-Autos.
  • Ein Roadtrip durch die EU ist mit einem Stromer ist demnach weiterhin eine Herausforderung.
  • Auch, weil einheitliche Standards für Ladesäulenanbieter bislang fehlen.
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Im Sommer mit dem Auto nach Italien – seit der Geburt des VW-Käfer ist das ein Urlaubstraum, den sich viele Deutsche erfüllen konnten. Mit dem E-Auto sind solche Fahrten wieder komplizierter geworden, schließlich brauchen die Stromer auch im Ausland Ladesäulen. Deren Zahl steigt zwar, doch ein elektrischer Roadtrip durch Europa ist aus Sicht des EU-Rechnungshofs weiterhin eine Herausforderung, wie nun aus einem jüngst veröffentlichten Sonderbericht hervorgeht.

In dem attestiert der europäische Rechnungshof den Staaten und der EU-Kommission durchaus Fortschritte beim Aufbau der Ladeinfrastruktur. So gebe es mittlerweile einen weitgehend etablierten Standard für die Ladestecker, auch gebe es insgesamt mehr öffentliche zugängige Ladepunkte. Gehe es aber im selben Tempo weiter, könnte das Ziel von einer Million öffentlicher Säulen 2025 verfehlt werden. Dafür müssten jetzt jährlich 150.000 Säulen aufgebaut werden – jede Woche 3000.

Von Land zu Land variiere die Verfügbarkeit von öffentlichen Ladepunkten außerdem stark, kritisieren die Prüfer. Die niederländische Regierung meldete 2020 dem Bericht zufolge 61.406 Ladepunkte für die gut 17 Millionen Niederländer. Den knapp 40 Millionen Polen stehen hingegen 799 Ladepunkte zur Verfügung. Nur in Bulgarien ist es dem Bericht zufolge noch schlechter um die Ladeinfrastruktur bestellt, wobei sicher eine Rolle spielt, dass in den ärmeren osteuropäischen Ländern vergleichsweise wenige Stromer auf den Straßen rollen.

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7 von 10 Ladesäulen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden

Letztendlich stehen laut Rechnungshof sieben von zehn Ladesäulen in drei der 27 EU-Staaten – nämlich in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Die geringste Dichte haben die Länder Mittel- und Osteuropas. „Fahrten mit dem Elektrofahrzeug innerhalb der EU werden durch diese ungleichmäßige Verteilung der Ladeinfrastruktur nicht begünstigt“, stellen die Rechnungsprüfer fest.

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Knackpunkt ist aus deren Sicht, dass die EU zwar ambitionierte Ziele bei der Förderung der Elektromobilität hat, es aber bei der Umsetzung hapert. So gebe es keine umfassende Lückenanalyse, mit der überhaupt der Bedarf an öffentlich zugänglichen Ladestationen ermittelt werden könne. „Wir sind der Auffassung, dass die Kommission mehr tun sollte, um die EU-weite Netzabdeckung zu unterstützen und sicherzustellen, dass Mittel dorthin fließen, wo sie am dringendsten benötigt werden“, so Balko.

Fehlende Transparenz an den Ladesäulen

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Allerdings geht es nicht nur um die Verfügbarkeit von Ladesäulen. Auch wenn theoretisch Ladepunkte vorhanden sind, ist eine Nutzung nicht immer möglich – dass in Apps angezeigte Ladesäulen nicht funktionieren oder nicht alle Zahlungsmittel akzeptieren, bemängeln die Prüfer ebenfalls. Es gebe kaum koordinierte Informationen über Echtzeitverfügbarkeit, Ladedaten und Abrechnungsdetails, heißt es.

Mindeststandards dazu sollten bei der derzeit laufenden Überarbeitung der Rahmenregeln zur E-Mobilität berücksichtigt werden, empfiehlt der Rechnungshof. Doch wie genau das aussehen könnte, ist noch unklar. Recht konkrete Vorstellung hat der ADAC: „Insbesondere Preistransparenz der Kosten für den Ladevorgang sowie eine verpflichtende Bezahlmöglichkeit mittels gängigen Kredit- und Girokarten an Lesegeräten sind für eine Grundversorgung der E-Autofahrer notwendig“, sagte eine Sprecherin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Bundeskartellamt hat Ladesäulenanbieter im Visier

Zumindest in Deutschland könnte es allerdings sein, dass die europäischen Rahmenregeln gar nicht erst abgewartet werden: Wie der „Spiegel“ jüngst berichtete, nimmt das Bundeskartellamt derzeit die Ladesäulenlandschaft unter die Lupe. Autostromanbieter hatten in der Vergangenheit immer wieder beklagt, dass ihren Kunden die Nutzung der Ladesäulen anderer Anbieter verwehrt oder durch hohe Gebühren erschwert werde. Es gebe, so schreiben die Wettbewerbshüter nun laut „Spiegel“, „ausreichend Hinweise“, dass der freie Wettbewerb bei Stromtankstellen im Inland „eingeschränkt oder verfälscht“ sein könnte.

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Die Alternative wären demnach für alle Ladesäulenanbieter verpflichtende technische, juristische und finanzielle Vorgaben zur Durchleitung von Strom an Ladesäulen. Vorschläge dazu liegen laut „Spiegel“ bereits in den Schubladen der Bundesnetzagentur. Bislang heißt es aber, dies seien lediglich Empfehlungen.

Bis sich der Tarifdschungel lichtet, könnte deshalb noch einige Zeit vergehen – sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa. Für Auslandsfahrten gilt deshalb aus Sicht des ADAC: „E-Autofahrer sollten sich unbedingt vorab kundig machen, welche Bezahlmöglichkeiten im Reiseland an Ladesäulen akzeptiert werden, und sich rechtzeitig Zugänge oder Ladekarten organisieren.“

Mit Material der dpa

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