Geht es um E-Autos, hängt Volkswagen die deutsche Konkurrenz ab

  • Der Strom muss fließen - das hat sich VW scheinbar zur Philosophie gemacht.
  • Kein anderer deutscher Autobauer produziert in solch einem Takt Elektroautos, wie die Wolfsburger.
  • Die Nachfrage ist - auch dank Kaufprämien - so groß, dass teilweise keine Bestellungen mehr angenommen werden.
Gerd Piper
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Wolfsburg. Man kann zu VW stehen, wie man will, was Strategien für die Zukunft betrifft, sind die Wolfsburger unter den deutschen Herstellern aktuell die Nummer eins: Während andere immer noch die Erfolge aus der Vergangenheit bemühen und sich ansonsten hauptsächlich in Ankündigungen ergehen, beackern die Niedersachsen die Gegenwart: Die Auslieferung des ID.3, dem ersten Elektroauto der neuen Generation, läuft in diesem Monat an, das kompakte SUV ID.4 steht in den Startlöchern und die Elektrifizierung der bekannten Modelle wird auch nicht auf die lange Bank geschoben.

Besuch von Musk: Ritterschlag in der E-Auto-Branche

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Dass Tesla-Chef Elon Musk vor wenigen Tagen auf seiner Deutschland-Visite in Wolfsburg einen Zwischenstopp eingelegt hat und nicht in Stuttgart oder München, kann als deutliches Indiz gewertet werden, welche Marke die Amerikaner als ernst zu nehmenden Wettbewerber ansehen.

ID.3 und ID.4 und dann noch der Skoda Enyaq, der ja auch irgendwie dazugehört – der niedersächsische Autokonzern braucht nicht viel Zeit, um Luft zu holen. Denn neben den reinen Elektroautos werden die bekannten Modelle, die bislang überwiegend mit Verbrennungsmotoren angetrieben wurden, mit Strom ausgerüstet – als Hybride und Plug-in-Hybride.

Der ID.4 von VW wird der nächste Stromer des deutschen Autokonzerns. © Quelle: VW
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Immense Nachfrage - VW e-Up bereits aus dem Programm genommen

In Wolfsburg hat man alle Hände voll zu tun, um die Nachfrage zu befriedigen. Denn die Fördermittel, die aus diversen Töpfen gespeist werden und in der Summe viele Tausend Euro Ersparnis möglich machen, haben quasi über Nacht das Thema Elektromobilität attraktiv gemacht: “Das Instrument hat voll gegriffen”, sagt Christian Buhlmann, Sprecher in der Produktkommunikation bei VW.

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Was man in Wolfsburg bei allen Problemen, mit denen man nach wie vor zu tun hat, mit Zufriedenheit registriert. Tatsächlich ist die Nachfrage nach verfügbaren E-Autos so sprunghaft angestiegen, dass man auf die Notbremse treten musste: Allein im Juli sollen bei VW für den e-Up, dem kleinsten Elektromodell, so viele Bestellungen eingegangen sein wie sonst in einem Dreivierteljahr. Die Konsequenz: Das Auto ist ausverkauft und vorübergehend aus dem Programm genommen. Bei einer Wartezeit von momentan 16 Monaten ist es sehr fraglich, ob der Stadtfloh überhaupt noch einmal aufgelegt wird – denn bis dahin gibt es eventuell ein reines Elektroauto unterhalb des ID.3.

Auch Plug-in-Hybride haben an enormer Bedeutung gewonnen

Ähnlich sieht es beim e-Golf aus. Die Produktion der elektrischen Version des Klassikers sollte eigentlich längst eingestellt sein, läuft jetzt aber in Dresden bis zum Jahresende weiter. “Wir nehmen keine Bestellungen mehr an”, sagt Buhlmann. Dass der Golf lediglich über eine reale Reichweite von rund 200 Kilometern verfügt, stört dabei offenbar niemanden. Buhlmann: “Den meisten reicht das völlig aus, vor allem wenn sie in der Stadt wohnen.” Angesichts der Fördermittel, die es auch für Plug-in-Hybride (Phev) gibt, kommt dem Antriebsmix aus Verbrenner und Elektromotoren mit an der Steckdose aufladbaren Batterien inzwischen eine enorme Bedeutung zu.

Golf GTE: Der Klassiker schafft als Plug-in-Hybrid bis zu 80 Kilometer rein elektrisch. © Quelle: VW
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Neue E-Golfs mit bis zu 245 PS

Auch hier schicken sich die Wolfsburger an, die Konkurrenz abzuhängen. Nach dem Passat GTE in der zweiten Generation haben sie nun den Golf neu konfiguriert: Mit 204 PS und 245 PS in zwei sportlichen Varianten – denn dass Phevs die Fahrfreude steigern können, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Die etwas schwächere Version bringt es im Zyklus auf eine rein elektrische Reichweite von 62 Kilometern, das stärkere Modell auf etwa 80 Kilometer. Beide Versionen decken damit den Tagesbedarf der meisten Autofahrer im Null-Emissions-Modus ab. Zielgruppe sind nicht nur Autofahrer, die viel in Ballungszentren unterwegs sind, sondern auch Kunden, die früher zu einem Diesel gegriffen hätten.

Auch der ID.4 soll noch dieses Jahr in den Handel

Doch damit nicht genug: Mit Tiguan, Arteon und Touareg stehen bereits die nächsten Plug-in-Hybridmodelle in den Startlöchern. Um das Portfolio für die allernächste Zukunft zu vervollständigen, soll das erste Elektro-SUV aus Wolfsburg, der ID.4, noch vor dem Jahresende in den Handel rollen. Mit Reichweiten von 350 und 520 Kilometern – abhängig von der Akkugröße – entspricht der ID.4, den es auch in einer Allradversion geben wird, in etwa dem ID.3, mit dem er sich auch die meiste Technik teilt. In welchen Dimensionen VW hier denkt, veranschaulicht eine Zahl: Bei voller Auslastung können pro Jahr 300.000 ID.3 vom Band laufen.

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Der Skoda Enyaq: Die Ähnlichkeit der Konzernschwestern ist unverkennbar. Beide Fahrzeuge teilen sich die Technik. © Quelle: Skoda

Auch im Elektrozeitalter bleibt VW beim Alten

Beim ID.4 kann der Kunde zwischen vier Leistungsstufen wählen, die ein Spektrum von 150 bis 204 PS abdecken. Beide Autos bauen auf der neuen modularen Elektroplattform auf, die auch dem Skoda Enyaq zur Verfügung steht. Der ist technisch ein Klon der Wolfsburger, aber mal wieder ein Stück größer als die deutschen Geschwister. So gesehen, hält der Konzern auch beim Aufbruch ins Elektrozeitalter an alten Gewohnheiten fest.

RND/Gerd Piper

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