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Der Umsatz der Modehändler sinkt unter das Vorkrisenniveau

In den Einkaufstraßen sind wieder mehr zwar wieder mehr Menschen unterwegs. Doch die Verunsicherung der Verbraucher wächst.

In den Einkaufstraßen sind wieder mehr zwar wieder mehr Menschen unterwegs. Doch die Verunsicherung der Verbraucher wächst.

Frankfurt. War’s das schon mit dem Kaufrausch? Der Umsatz des Einzelhandels ist im Juli überraschend stark zurückgegangen. Auffallend ist, dass sich die negativen Vorzeichen durch alle Sektoren der Branche ziehen. Als echte Problemsparte erweist sich das Geschäft mit der Mode.

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Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sank der Umsatz im Juli um 5,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat – und zwar real, die aktuell hohe Inflation wurde dabei herausgerechnet. Die Wiesbadener Statistiker machen aber darauf aufmerksam, dass der Juni 2021 aufgrund seinerzeit stark sinkender Corona-Inzidenzen und der Aufhebung der „Bundesnotbremse“ ein besonders starker Monat war. Seinerzeit waren an vielen Tagen vor den Läden in den Innenstädten die Schlangen besonders lang. Inzwischen sind sie fast vollständig verschwunden.

Aber die Destatis-Experten machen zugleich darauf aufmerksam, dass die Erlöse der Händler auch im Vergleich zum Vorjahresmonat – wenn auch nur leicht – real gesunken sind. Damals wurde das Shoppen noch durch stärkere Pandemierestriktionen gehemmt. Zudem waren viele Kundinnen und Kunden wegen Ansteckungsrisiken verunsichert.

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Nun sind auch die Einnahmen der Lebensmitttelhändler, die sich in den Lockdownphasen gut behaupten konnten, teils spürbar geschrumpft. Noch deutlicher fallen die Einbußen in der Non-Food-Sparte aus. Der Handel mit Möbel und Haushaltswaren war stark rückläufig. In Waren- und Kaufhäusern wurde 9,4 Prozent weniger umgesetzt. Und bei Bekleidung, Heimtextilien, Schuhen und Lederwaren schlug ein Minus von 11 Prozent zu Buche. Die Erlöse lagen damit sogar unter dem Niveau zum Vorkrisenmonat Februar 2020.

Als Trostpflaster bleibt zwar, dass für den gesamten Handel von Januar bis Juli noch ein reales Plus von 1,4 Prozent zum Vorjahr von den Statistikern errechnet wurde. Deshalb spricht Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsdachverbandes HDE, auch davon, dass sich die Erholung insgesamt fortsetze.

Wichtig sei aber der Blick auf die einzelnen Sparten: „Er zeigt, dass die Lage, etwa im Bekleidungshandel, noch immer dramatisch ist“, sagte Genth dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Hier fielen die Erlöse in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um rund 20 Prozent. „Besonders im Non-Food-Handel ist Normalität also trotz Erholung der Umsätze nicht in Sicht. Vielmehr versuchen Händlerinnen und Händler, ihre Verluste aus den Lockdownmonaten zumindest teilweise aufzuholen“, erläuterte Genth.

Die hiesigen Modeproduzenten schätzen die Lage ähnlich ein: „Da es dank der flächendeckenden Impfungen und 3-G-Regel vermutlich zu keinem Lockdown mehr kommen wird, ist die Stimmung der Hersteller vorsichtig optimistisch. Bis zum Vorkrisenniveau ist es jedoch noch ein weiter Weg“, sagte Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer des Modeverbandes German-Fashion, dem RND.

Seine Branche wurde im vorigen Jahr von der Pandemie hart getroffen. Die Umsätze brachen um rund 20 Prozent ein. Auch zwischen Anfang Januar und Ende Mai wurde ein Minus von noch einmal 3,8 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet. Erst im Juni gab es ein kräftiges Umsatzplus von 11,5 Prozent.

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Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen hat viele Corona-Beschränkungen im Einzelhandel für NRW außer Kraft gesetzt.

In der Bekleidungsbranche kursiert denn auch die Hoffnung, dass dem Juli-Minus eine Art Ebbe-Flut-Effekt zugrunde liegt. Der Kaufrausch im Juni – getragen von jungen Modefans, die preiswerte Klamotten bei Zara und Co. kauften – löste quasi als zwangsläufige Folge den Einbruch im Juli aus. Mit diesem Mechanismus könnte man auch Einbußen in anderen Sparten des Einzelhandels erklären.

Jedenfalls: Recht erfolgreich sei der August gelaufen, „der mit seinen kühlen Temperaturen das Herbstgeschäft vielerorts kräftig belebte“, sagte Siegfried Jacobs, Hauptgeschäftsführer der Handelsverbände Textil und Schuhe, dem RND. Auch seine Mitgliedsunternehmen blicken mit „vorsichtigem Optimismus auf die kommenden Monate“.

Auch der Internethandel muss Einbußen hinnehmen

Jacobs räumt allerdings auch ein: „Aktuell schwächeln die Besucherfrequenzen vielerorts zwar noch, da viele Menschen nach wie vor verunsichert sind und das Einkaufen mit Maske das Shoppingerlebnis doch einschränkt.“ Von Händlern ist zu hören, dass sich vielerorts die wichtige Gruppe der Stammkunden zwischen 50 und 70 Jahren rar gemacht hat. Die Vermutung für deren Abwesenheit: Viele meiden offenbar die Innenstädte und die Geschäfte aus Angst vor einer Ansteckung – trotz Impfung.

Naheliegend wäre, dass diese Konsumenten ins Internet ausweichen. Doch auch der Online- und Versandhandel verzeichnete laut Destatis im Juli ein starkes Umsatzminus von knapp 12 Prozent. Womöglich kippt die Kauflaune also doch, was auch die Marktforschungsfirma GfK jüngst diagnostizierte: Die „Anschaffungsneigung“ soll spürbar gesunken sein.

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Konsumenten befürchteten angesichts wieder steigender Inzidenzen und der Impfdebatte, dass Beschränkungen doch wieder verschärft werden könnten, so GfK-Experte Rolf Bürkl. Zudem steige seit Mitte des Jahres die Inflation, was erfahrungsgemäß dämpfend auf die Konsumlaune wirke.

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