Interaktive Grafik: Wer mehr an den Staat zahlt, als er bekommt

  • Ein Online-Rechner ermittelt, wie viele Ihrer Mitbürger reicher und ärmer sind als Sie.
  • Außerdem zeigt er, ob die Bevölkerungsgruppe mit Ihrem Lebensstandard mehr an den Staat zahlt als sie bekommt – oder umgekehrt.
  • Machen Sie den Test, ob Sie zu den Nettozahlern oder Nettoempfängern gehören.
Redaktion RND
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Köln. Die Einkommensteuer belastet hohe Einkommen stärker als niedrige und ist somit ein Instrument der Umverteilung von Reich zu Arm. Die zweitgrößte Steuer in Deutschland funktioniert entgegengesetzt: Die Mehrwertsteuer belastet den Konsum, und da ärmere Menschen ihr Budget fast vollständig für den täglichen Bedarf ausgeben, belastet sie diese Abgabe stärker als wohlhabendere Mitbürger. Ähnlich verhält es sich auf der anderen Seite der Finanzpolitik. Die Überweisungen des Staates an die privaten Haushalte kommen mal überwiegend den Besserverdienern zu Gute wie das Elterngeld, ein anderes Mal profitieren hauptsächlich Ärmere wie im Fall des Arbeitslosengelds II.

In einer Studie hat das arbeitgeber-nahe Institut der deutschen Wirtschaft nun ermittelt, wer von all diesen Zahlungsströmen unter dem Strich profitiert und wer per Saldo draufzahlt. Die Ergebnisse der Auswertung zeigt ein Online-Rechner, für den die Bevölkerung zunächst nach Einkommen aufgereiht und dann in 100 gleich große Gruppen unterteilt wurde: vom ärmsten bis zum reichsten Prozent. Für jedes Prozent lässt sich die Summe der geleisteten Abgaben ablesen. Demgegenüber stehen alle von öffentlichen Stellen erhaltenen Zahlungen.

Nettozahler oder Nettoempfänger?

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In einem zweiten Schritt können Sie, der Nutzer, die Grafik auf Ihren persönlichen Fall zuschneiden und sich mit Ihrem Haushalt in der Einkommensverteilung verorten. Geben Sie dazu das jährliche Bruttoeinkommen Ihres Haushalts und die Zahl der Personen über und unter 14 Jahren ein. Der Rechner zeigt Ihnen dann, zu welchem Prozent Sie gehören und ob diese Einkommensgruppe im Durchschnitt Nettozahler oder Nettoempfänger staatlicher Leistungen ist.

Ein Haushalt mit einem jährlichen Einkommen von 70.000 Euro für zwei Erwachsene und zwei Kinder etwa ist wohlhabender als 50 Prozent der Gesellschaft. Zu dem Prozent mit ähnlichem Lebensstandard gehören Rentner, Erwerbstätige, Arbeitslose, Alleinlebende und Familien. Deshalb sind in diesem Prozent, wie in den anderen Prozenten auch, alle geleisteten Abgaben und alle erhaltenen Zahlungen vorhanden, auch wenn der einzelne Haushalt einige davon wie Bafög oder Elterngeld möglicherweise nicht bekommt. Im Durchschnitt zahlt das 50. Prozent 14.995 Euro und erhält 14.330 Euro. Per Saldo zahlt dieses Prozent also 665 Euro mehr an den Staat als es bekommt.

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Unter der Grafik ist aufgelistet, wie sich die Summen auf die einzelnen Bestandteile aufteilen. Auf der Abgabenseite schlagen die Einkommensteuer und die Mehrwertsteuer beide mit rund 3.800 Euro zu Buche. Die nächsthöheren Posten sind die Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung. Auf der Seite der erhaltenen Zahlungen sind Renten und Pensionen mit Abstand die größten Posten. Dahinter folgt mit einigem Abstand das Kindergeld.

Auch das ärmste Prozent zahlt Steuern

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Die Grafik zeigt neben den absoluten Werten in Euro pro Jahr auch die Anteile in Prozent des Einkommens. Zahlungen und Abgaben stehen hier also im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit. Hier zeigt sich, dass den 121.468 Euro Abgaben des obersten Prozents natürlich ein entsprechend großes Einkommen gegenübersteht. Im Ergebnis gibt das reichste Prozent des Landes 39,2 Prozent seines Einkommens an den Staat. Im Verhältnis zum Einkommen sind die Abgaben der obersten Oberschicht also gar nicht mal so weit entfernt von der Abgabenquote des ärmsten Prozents mit 32,3 Prozent (entspricht 2.067 Euro im Jahr). Wegen der Steuern auf den Konsum wie der Mehrwertsteuer, Tabaksteuer und den Energiesteuern zahlen nämlich auch die unteren Einkommensgruppen große Teile ihres Budgets an des Staat. Auf der anderen Seite finanziert der Staat aber auch einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen. Insgesamt besteht das Bruttoeinkommen der unteren 5 Prozent der Haushalte zu zwei Dritteln aus Transferzahlungen.

Pensionen für die Oberschicht

Beispielsweise das Arbeitslosengeld II fällt hauptsächlich im unteren Teil der Verteilung an. Alles andere wäre auch verwunderlich, denn diese Leistung zahlt die Arbeitsagentur nur, wenn sonst kaum Einnahmen vorhanden sind. Unter der Grafik kann man die einzelnen Bestandteile der staatlichen Geldströme an- und abwählen und sich auch die Verteilung einzelner Größen isoliert betrachten. So sieht man, dass etwa die Pensionen völlig anderen Bevölkerungsgruppen zu Gute kommen, denn Beamte gehören überwiegend zur wohlhabenderen Hälfte der Bevölkerung. Andere Größen wie das Kindergeld verteilen sich in absoluten Werten zwar relativ gleichmäßig, machen aber beim ärmsten Prozent mit 20 Prozent einen wesentlichen Teil des Einkommens aus.

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